Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Zeigt doch mal mehr als nur Ideen!

img_0839_720

Die Zukunft der Autobranche ist autonom und elektrisch. Darin sind sich die Hersteller bei der diesjährigen IAA im Grunde einig. Doch bei der Umsetzung hapert es.

Schon am Eingang zur IAA wird das Motto der diesjährigen Auto-Messe drastisch in Szene gesetzt: Ein Pkw steht mit dem Kühler zuerst kopfüber in den Boden gerammt, davor wehen Banner von Greenpeace-Aktivisten: „Mit Öl keine Zukunft“, heißt es darauf. Die Bosse der großen deutschen Automobilherstellern dürften den Demonstranten zumindest in einem Punkt zustimmen – kein Weg führt mehr an alternativen Antrieben vorbei.

Nach all den Negativschlagzeilen zum Diesel-Skandal und den Kartell-Vorwürfen bemühen sich BMW, Volkswagen und Mercedes um eine Aufbruchstimmung. Kein Hersteller kommt ohne die vier magischen Worte aus: electric, connected, autonomous und sharing. Die Autobauer arbeiten auf der IAA 2017 vor allem an einem: daran, ein sauberes und nachhaltiges Image aufzubauen.

BMW macht den Anfang – und präsentiert sich als Pionier der E-Mobilität. Seit mehr als zehn Jahren habe der bayrische Autobauer die Nase vorn, sagt Konzern-Chef Harald Krüger gleich zu Beginn. Mit dem i3 sei BMW in dieser Klasse Weltmarktführer. Die Nachfrage des Moderators, wie BMW sich gegenüber Tesla positionieren werde, übergeht der Chef. Nichtmals den Namen des Rivalen erwähnt er.

Stattdessen präsentiert er den BMW i Vision Dynamics, ein Elektromodell im Format der mittelgroßen „3er“-Serie. Mit bis zu 700 Kilometern Reichweite soll er haben – wenn er denn kommt. Denn erst im Jahr 2021 soll es tatsächlich soweit sein. Bis dahin müssen sich BMW-Fans mit einem Upgrade des BMW i3 begnügen.

Elon Musks Unternehmen selbst ist gar nicht erst zur IAA gekommen. Der US-Autobauer zeigt damit, was er von solchen Veranstaltungen hält: nichts. Die Nachfrage nach dem neuen Model 3 sei einfach schon zu groß, heißt es von Tesla lapidar als Begründung.

Daimler-Chef Zetsche geht gleich zu Beginn seiner Präsentation in die Offensive – und spricht die krisenhafte Stimmung in der Automobilbranche an:  Nun seien alle gefordert, den Wandel zu alternativen Antrieben hinzubekommen. Gleich im nächsten Atemzug betont er, dass sein Konzern mit der neuen CASE-Strategie (connected, autonomous, … – siehe oben) bereits auf dem richtigen Weg sei. Doch dann folgt auch hier die Ernüchterung: von nachhaltiger Fortbewegung ist beim ersten Fahrzeug, das vorgestellt wird, nicht viel zu spüren. Die neue S-Klasse ist zwar schnittiger als ihr Vorläufer, soll ihren Fahrern mehr Komfort bieten und wird ein verbessertes Fahrassistenz-System haben. Doch abgesehen davon ist nicht viel Neues an dem Modell zu finden, die Aspekte E-Mobilität und Sharing bleiben Randthemen.

Immerhin, ein Lichtblick: Mit dem neuen SUV „GLC F-Cell“ stellen die Stuttgarter einen Hybriden vor, eine Mischung aus Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeug, der 2018 auf den Markt kommen soll.

Was dann folgt? Mehr Ideen. Ein neues E-Smart-Konzept, die Basis des Angebots der Daimler-Tochter Car2Go. Bald schon sollen die Fahrzeuge autonom zum Kunden fahren. Auch die Möglichkeit von Car-Pooling wird präsentiert: Fahrer können unterwegs andere Gäste mitnehmen, die kürzeste und schnellste Route berechnet ein Algorithmus.

Bleibt noch Volkswagen. Die Wolfsburger versuchen noch nicht einmal, bei ihrer Show zukunftsorientiert einzusteigen, holen mit der neuen GTI-Generation eingefleischte VW-Fans ab und präsentieren mit dem „T-Roc“ einen weiteren SUV. Erst am Ende wird mit der geplanten I.D.-Reihe die neue Mobiltätsrichtung angedeutet. Neu ist dabei nichts: Mit einem elektrischen Bulli, dem „Buzz“, appelliert der Konzern auch an die Generation, die sich eine nachhaltigere Fortbewegung wünscht. Vom gehypten „Sedric“ (SElf-DRIving Car) bisher keine Spur, das autonome Shuttle soll den öffentlichen Nahverkehr ergänzen. Die neue Konzernmarke Moia will 2018 in Hamburg mit einem ersten Shuttle-Service starten und wird voraussichtlich ein Sedric-ähnliches Modell nutzen.

Das Image von röhrenden Motoren, begeisterten Männern vor Sportwagen und noch größeren SUVs ist auf der IAA also auch in diesem Jahr zwar präsent. Zwar geben sich Autobauer offen für die Bedürfnisse einer Generation, die sich saubere Antriebe, Sharing und erschwingliche Mobilitätskonzepte wünscht. Doch der große Wurf fehlt, meist bleibt es bei Konzepten, wenn es um die Mobilität der Zukunft geht. Ganz verabschieden vom Normalo-Diesel wollen sich die Großen nicht, wie auch Daimler-Chef Zetsche während seiner Präsentation nochmals klar machte.

Dass sich reine E-Autohersteller wie Tesla auf der IAA nicht unter ihresgleichen sehen, kann als Eitelkeit verstanden werden. Aber auch als konsequente Kampfansage an diejenigen, die die Zukunft vor sich her schieben.

Bild: Marco Weimer für NGIN Mobility

Folge NGIN Mobility auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain