Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Diese Frau lässt Daimler abheben

by Chris Marxen Headshots-Berlin.de

Susanne Hahn leitet bei Daimler die neue Innovationsabteilung Lab1886. Drei neue Inkubatoren und ein Flugtaxi-Service stehen auf ihrer Agenda. Sie hat uns erzählt, was dahinter steckt.


Manchmal muss es erst knallen, damit sich etwas bewegt. So soll es auch 1886 gewesen sein, als Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach gemeinsam den ersten Benzinmotor in Betrieb nahmen. Das Knattern und Röhren ihrer Erfindung prägte ein ganzes Jahrhundert der Fortbewegung – und damit auch das Selbstverständnis einer Autobauer-Nation. Doch damit könnte bald Schluss sein. Als der Abgasskandal 2015 die deutsche Industrie erschüttert, werden E-Fahrzeuge und alternative Mobilitätskonzepte als Geschäftsfelder der Zukunft beschworen.

Was Tesla, Uber und Google seit fast einem Jahrzehnt verfolgen, erhält bei den Deutschen von heute auf morgen höchste Priorität. Und das Unternehmen, das den Benzinmotor erfand, krempelt binnen eines Jahres seine komplette Unternehmensstrategie um. „CASE“, heißt seither das neue Zauberwort der Stuttgarter: Connected, Autonom, Sharing und Elektro. Das sind die identifizierten Trends. Der Innovationsdruck aus dem Silicon Valley sowie die Diesel-Affäre haben dazu beigetragen, dass sich Daimler und mittlerweile alle anderen deutschen Autobauer zu Mobilitätsanbietern wandeln wollen. Für diesen Prozess setzen sie vor allem auf neue Partner – Startups.

„Nur wenige Startups werden es alleine mit nur einem Funding schaffen. Aber mit der Power und dem Knowhow von Daimler geht es natürlich viel schneller“, glaubt Susanne Hahn. Die 41-Jährige ist seit anderthalb Jahren Chefin von Daimler Business Innovation (BI) und leitete zuvor die Konzernorganisation. Sie ist dafür verantwortlich, neue Geschäftsfelder ausfindig zu machen und für das Unternehmen weiterzuentwickeln. Vor ihrer Zeit gingen bereits das Sharing-Angebot Car2Go und die Mobilitäts-App Moovel aus der Abteilung hervor – bislang die einzigen nennenswerten Digital-Einheiten.

Daimler startet drei neue Inkubatoren

„Wir nutzen die Ideen von mehr als 280.000 Mitarbeitern und versuchen, diese groß zu machen“, erklärt Hahn gegenüber NGIN Mobility. Um dieses Potenzial künftig besser nutzen zu können, wird Daimler drei hauseigene Inkubatoren ins Leben rufen. Neben Stuttgart sind zwei weitere Standorte in China und in den USA vorgesehen. Hahns Abteilung BI hat sich dafür kürzlich in Lab1886 umfirmiert – eine Anspielung auf den Gründungsvater. Susanne Hahn leitet künftig die neuen Ideen-Brutstätten.

Eingereichte Ideen durchlaufen im Inkubator drei Phasen, erklärt Hahn. Zunächst werden sie nach Auswahlkriterien wie Kundennutzen, Marktpotenzial und Skalierbarkeit im „Shark-Tank“ geprüft. Dieses Gremium setzt sich aus verschiedenen Abteilungsleitern zusammen. „Es gibt immer viele gute Ideen, aber die müssen sich auch implementieren lassen“, meint Hahn. Kommt die Idee durch, wird ein eigenes Team aus internen und externen Leuten gebildet und ein Budget zur Verfügung gestellt. Wie viel Geld und Manpower zur Verfügung steht, möchte die Chefin nicht verraten. Nur so viel: „Wir holen nur Leute, die es schaffen, diese Ideen auch umzusetzen und mit einer digitalen Ausrichtung zu skalieren.“ Dazu würden auch Startup-Gründer und Entwickler aus der Szene gehören, die schon Erfahrung in dem Business haben.

Folge NGIN Mobility auf Facebook!

Für Phase zwei werde dann der Ideengeber sechs bis zwölf Monate von seiner Funktion im Unternehmen freigestellt und könne eine eigene GmbH gründen. Bei der letzten Phase gehe es um die Kommerzialisierung des Geschäftsfelds – der Ideengeber kann entweder als CEO sein Ausgründung konzernintern weiter verantworten oder wieder zurück in seinen alten Job wechseln.

Acht solcher Startup-Ideen befänden sich bereits in der Pipeline von Daimler, sagt Hahn. Um welche Projekte es sich dabei genau handelt, möchte sie ebenfalls noch nicht verraten. Längst nicht jede Idee erreicht am Ende auch die Marktreife. Mit dem Scheitern habe ihre Abteilung bereits Erfahrung gemacht, erzählt sie. Drei Jahre lang habe BI in Nordamerika versucht, das Startup Boost groß zu machen; einen Chauffeur-Dienst für Kinder. Die Idee sei jedoch an den Kosten und der geringen Nachfrage gescheitert. „Aber die Erfahrung des Scheiterns ist essentiell, um daraus zu lernen, was man beim nächsten Mal besser machen kann. Oft ist der Markt auch einfach noch nicht bereit für eine Idee“, argumentiert Hahn. Seitdem sie BI verantwortet, versucht sie, den Blick ihres Unternehmens auch für die Entwicklung außerhalb der eigenen Konzerngrenzen zu schärfen.

Folge NGIN Mobility auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain