4 Mobility-Trends, die kaum jemand auf dem Schirm hat

Rudel-Lkw, Korallenräder und Motorräder mit unsichtbaren Stützrädern: Über diese Technologien wird bisher kaum gesprochen, wenn es um die Mobilität der Zukunft geht.

Korallenräder und Kugelreifen

Ein wenig erinnert er an das Gewebe einer Koralle. Die wabenförmige Struktur des Prototyps Vision ist die neueste Idee des französischen Reifenherstellers Michelin. Anders als herkömmliche Modelle soll der Reifen keine Luftfüllung enthalten und so pannenfrei fahren. Denn ein Platter durch Druckverlust ist gar nicht möglich. Außerdem ist das Material regenerativ gegenüber Verschleiß. Sei das Profil abgefahren, könne der Belag via 3D-Druck innerhalb von Minuten erneuert werden, so Michelin. Eine App soll Reifen-Profile für geplante Reise-Strecken vorschlagen und dann auf den Pneu drucken.

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Wird der Reifen eines Tages trotzdem ausrangiert, kann er leicht recycelt oder kompostiert werden. Aufgrund eines geringen Anteils an Gummi ist er biologisch abbaubar. Bisher handelt es sich dabei jedoch erst um einen Prototypen: Michelins Vision muss noch viele Härtetests überstehen. Darunter auch die extremen Temperaturen, die beim Bremsen entstehen. So sind herkömmliche Stahlbremsen für bis zu 1.000 Grad Celsius ausgelegt, Carbon übersteht bis zu 2.000 Grad Celsius. Bis zur Serienproduktion dürften noch einige Jahre vergehen.

Reifen-Konkurrent Goodyear setzt hingegen auf eine rollende Sensoren-Kugel. Deren Prototyp soll mit seiner bionischer Außenhaut aus elastischen Polymeren die Beschaffenheit der Straße und seinen eigenen Zustand erfühlen und sein Verhalten anpassen können. Auf nassen Straßen soll der Reifen Vertiefungen in seinem Profil selbstständig hinzufügen, so das Unternehmen. Schäden an der Außenhaut würden von alleine heilen. Statt der üblichen Reifenform ist der Eagle als Kugelreifen geplant – so sollen Fahrzeuge später in alle Richtungen manövrieren können. Wie schon Michelins Vision soll der Kugelreifen mit 3D-Druckern hergestellt werden.

Fahrende Werbetempel

Wenn Autos eines Tages autonom unterwegs sind, bleibt dem Fahrer viel freie Zeit. Um diese Zeit könnte bald ein harter Wettbewerb entstehen. Entertainmentangebote wie Netflix oder Spotify dürften sich positionieren. Tesla arbeitet bereits an einem eigenen Musik-Streaming-Dienst. Ökonomisch viel bedeutender ist aber wohl das Werbegeschäft. Unter dem Projektnamen Daimler Dice forscht beispielsweise Mercedes-Benz an Augmented-Reality-Technologie, die Informationen auf die Windschutzscheibe projiziert. Das könnten Stauwarnungen sein – oder auch Werbeanzeigen. Vorstellbar wären Werbebanner eines nahen Restaurants oder ein Clip aus einem Opernsaal, an dem das Auto gerade vorbeisteuert. Der Verkauf von Anzeigenflächen dürfte sich für die Autokonzerne lohnen. Denn Werbe-Giganten wie Google wären erstmals außen vor. Vielleicht bevölkern bald sogar autonome Taxiflotten unsere Straßen, die jeder kostenlos nutzen kann – solange er die darin abgespielten Werbefilmchen erduldet.

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