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Wie Airbus mit Startups den Flugverkehr der Zukunft erfinden will

Sucht für Airbus nach interessanten Startups: Bizlab-Manager Reymound Yaw Buckman

Viel Freiraum im Flugzeug, Licht gegen Jetlag und irgendwann vielleicht fliegende Autos. Daran werkeln Startups im Airbus Bizlab. Wir haben es besucht.

Es ist für einen Wahl-Berliner schon etwas seltsam, mit dem Linienschiff zu einem Termin zu fahren. Anders kommt man in Hamburg allerdings nicht zum Gelände des Flugzeugbauers Airbus. Eigentlich will ich auch gar nicht direkt dorthin, sondern in die Peripherie. Dort sitzt nämlich das Airbus Bizlab, wo mich Rey Buckman erwartet. Er leitet das digitale Startup-Acceleratorprogramm des Flugzeugbauers in Deutschland.

Das Hamburger Bizlab ist eines von drei Airbus Bizlabs, die Airbus weltweit betreibt. Die beiden anderen befinden sich in Toulouse in Frankreich und Bangalore in Indien. Dass sich die Büros des Ideen-Inkubators nicht direkt auf dem Werksgelände befinden, hat seinen Grund, verrät Buckman: „Wir sind bewusst außerhalb des Werks geblieben, schließlich haben wir ja auch nicht direkt mit dem Kerngeschäft zu tun.“ Allerdings wird es auch eine Rolle gespielt haben, dass so, anders als beim Zugang zum offiziellen Airbus-Geländes, keine Sicherheitskontrollen notwendig sind.

Wirklich abseits steht das Bizlab allerdings nicht: Es befindet sich in direkter Nachbarschaft zur hauseigenen Leadership University, dem Schulungszentrum für das Airbus-Management. Dabei ist es kein Zufall, dass beide Einrichtungen über eine gemeinsame Küche mit Sitzgelegenheiten verbunden sind. Im ,Le Biz tro’, wo wir nun sitzen, soll „ein reger, aber ungezwungener Austausch stattfinden“, erklärt Buckman. Zwischen den Chefs und den jungen Wilden, meint er damit.

Im Bizlab in Hamburg sucht das noch sehr überschaubare Team vor allem nach digitalen Ideen, „die in gewisser Weise mit dem Flugzeug verdrahtet und sind.“ Das passe zum Standort, wo konzernintern neben Teilen der Herstellung auch die Kabinenkompetenz angesiedelt ist, sagt Buckman.

Eines der Startups, die derzeit im Bizlab sitzen, ist Inflight VR. Das aus München stammende Jungunternehmen will durch virtuelle Realität dem Kabineninnenraum neue Möglichkeiten verschaffen. Das will – und darf – ich auch gleich ausprobieren, schnell sitzt die VR-Brille auf meinem Kopf und eine Mitarbeiterin des Startups erklärt mir die grundlegenden Funktionen. Was mir gleich auffällt: Alles wirkt in der künstlichen Realität viel geräumiger, was natürlich kein Zufall ist. So lange man im Flieger selbst dann nicht auf die Idee kommt, die Beine entsprechend auszustrecken, dürften sich viele Fluggäste in den gedrängten Flugzeugkabinen der Illusion wohl gerne hingeben.

Und ich muss mit der VR-Brille auf dem Kopf zugeben: Einen Film im virtuellen Kinosaal anzuschauen, macht deutlich mehr Spaß, als das auf dem Bildschirm im Vordersitz oder auf dem eigenen iPad zu tun. Auch die Kabine selbst ist in der Software abgebildet. Man kann sich Informationen zum Flug ausgeben lassen. Dass sich auch die Wände des Flugzeugs transparent schalten lassen, hinterlässt bei mir allerdings ein etwas flaues Gefühl im Magen – obwohl ich in einem Büro in Hamburg-Finkenwerder sitze. Da hilft es auch wenig, dass ich die Innenraum-Beleuchtung meinen eigenen Wünschen entsprechend anpassen kann.

Apropos Licht. Um den Folgen des Jetlags entgegen zu wirken, hat sich ein anderes Startup im Airbus Bizlab etwas ausgedacht. Jetlite will Fluggäste mit der entsprechenden Beleuchtung schon vor dem Flug stufenweise an die neue Zeit gewöhnen, damit die Umstellung später einfacher wird. Die Grundidee: Blaues Licht aktiviert, rotes Licht deaktiviert. So hat es Gründer Achim Leder auf ein Whiteboard geschrieben.

Das Ganze soll irgendwann im Flieger besonders bei Langstreckenflügen funktionieren – aber auch schon bei mir zuhause. So könnten etwa die beliebten Philips-Hue-Lampen oder entsprechende Produkte entsprechend gesteuert und auch mein Schlafzyklus durch veränderte Weckzeiten schrittweise angepasst werden. An Ideen mangelt es dem vierköpfigen Hamburger Team allem Anschein nach nicht. Dabei ist das junge Unternehmen noch in einer recht frühen Phase.

Gleiches gilt auch für das BizLab selbst. Dort läuft gerade die zweite „Season“ des halbjährigen Programms ab, sechs Startups hat Airbus aufgenommen. Hinzu kommen drei Unternehmen, die aus der ersten Season übrig geblieben sind. Der Start des Programms war nicht ganz einfach: Auf eine Pressemitteilung von Airbus hin meldeten sich gerade einmal vier Kandidaten. „Also haben wir Startups herausgesucht und selbst angeschrieben“, erklärt BizLab-Chef Buckman. Mittlerweile kooperiert der Airbus-Brutkasten mit dem Betahaus, der Stadt Hamburg und Veranstaltungen wie Slush in Helsinki oder der Berliner TOA. „Für die zweite Season hatten wir dann 90 Bewerber“, zeigt sich Buckman stolz.

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Anders als bei vielen anderen Digitallaboren gibt es bei Airbus mit der Aufnahme in das Programm nicht zwingend Geld. „Die Startups werden von Airbus Managern ,gesponsort’ – es geht uns um eine echte Verankerung im Konzern“, erklärt Buckman weiter. Den Unternehmen soll das zwar den Vorteil bringen, einen Fürsprecher im Konzern zu haben und autonom zu bleiben. Geldgeber müssen sie allerdings selbst finden. „Die Unterstützung von Airbus öffnet schon die eine oder andere Tür. Und es ist ja auch nicht ausgeschlossen, dass sich Airbus oder doch direkt engagiert, oder vielleicht auch Airbus-Mitarbeiter als Business Angel“, verteidigt Buckman die Strategie.

Dem Airbus BizLab steht derweil noch ordentlich Arbeit bevor. Zum einen muss eine Erfolgsgeschichte her, die zeigt, dass das Konzept funktioniert. Zum anderen sollen die drei internationalen Labs, die jeweils eigene Schwerpunktthemen bearbeiten, enger miteinander und mit anderen Konzernaktivitäten etwa im Silicon Valley verdrahtet werden. Einen Austausch gebe es bereits seit einer Weile, sagt Buckman. Lag der Fokus bislang auf kommerziellen Flugzeugen, also Passagierflugzeugen, sollen die Bizlabs nun für die ganze Airbus-Group arbeiten. Und das wird noch einmal sehr spannend für das Team. Denn das heißt, dass auch in den Segmenten „Defence“, „Space“ und „Helikopter“ nach interessanten Startups gesucht werden soll. „Damit kommen auch Themen wie Drohnen oder fliegende Autos zu uns“, sagt Buckman aufgeregt.

Bild: Gründerszene

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