Warum Apples Auto-Projekt zum Büro-Shuttledienst verkümmert

Alle wollen das selbstfahrende Auto – das zu bauen ist aber schwieriger als die Tech-Branche glaubte. Und das hat Konsequenzen, selbst für Giganten wie Apple oder Google.

Welch große Wellen es geschlagen hatte: Das Gerücht aus dem Jahr 2014, Apple würde ein eigenes, womöglich autonom fahrendes Auto bauen, trieb den Branchengrößen den Angstschweiß auf die Stirn. Mehr sogar, als das Tesla ohnehin schon tat. An allen Ecken und Enden wurde versucht herauszufinden, was genau hinter Apples mutmaßlichem Geheimprojekt Titan steckt. Hochrangige Manager aus der Automobilbranche wurden nach Cupertino geholt, mehr wurde aber kaum bekannt.

Prominenter Nebenschauplatz: Berlin. Hier sollte Apple ein eigenes Team aufbauen, dass sich mit dem Thema Auto auseinandersetzt – ein geheimer Standort im Autoland Deutschland, das klang verheißungsvoll. Auch, dass Apple versucht habe, Entwickler des Berliner Straßen-Kartendienstes Here abzuwerben. Die Kollegen von Business Insider machten sich in der Hauptstadt auf die Suche nach dem geheimnisvollen Büro – fanden aber nicht mehr als ein Klingelschild.

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Wenn es nun stimmt, was nun die New York Times berichtet, hat Apple die Ambitionen noch einmal deutlich zurückgeschraubt. Demnach wird aus der Auto-Revolution erst einmal nicht viel mehr als ein Shuttle-Service zwischen den beiden Apple-Standorten im Silicon Valley. Mit diesem wolle Apple zwar die Technologie für selbstfahrende Fahrzeuge testen, denn die Shuttles müssen auf ihrem Weg auch über öffentliche Straßen fahren. Ein eigenes Fahrzeug werde es aber nicht geben, die Shuttles würden stattdessen von einem größeren Autobauer hergestellt.

Dass Apple sich derzeit weniger auf ein eigenes Auto, sondern stärker auf die Software für autonome Fahrzeuge konzentriert, hatte Firmenchef Tim Cook vor Kurzem in einem Interview mit Bloomberg verraten. Damit folgt der iPhone-Hersteller dem Tech-Giganten Google, der ebenfalls davon abgekommen ist, ein eigenes Fahrzeug zu entwickeln.

Interessant sind dabei auch die Hintergründe, die zum Schrumpfen des Apple-Projekts geführt haben sollen. So sei es Apple-intern zu Streitigkeiten über das Projekt gekommen. Wie die New York Times schreibt, habe Design-Chef Jonathan Ive ein vollautonomes Fahrzeug bauen wollen, während der anfängliche Titan-Projektchef Steve Zadesky am Lenkrad und Steuerelementen festhalten wollte. Es kam zum Machtkampf und Zadesky verließ das Projektteam im vergangenen Jahr. Ohne ein genaues Ziel und ohne technische Eckdaten sei das Mammut-Projekt ins Straucheln gekommen, berichten Insider.

Die langjährige Orientierungslosigkeit bei Apple spiegelt ein Problem der Tech-Branche wider: So gerne würde sie die Automobilhersteller disrupten, große Teams forschen bei Googles Waymo, Uber oder eben Apple an neuen Technologien. Um aber mit den Fahrzeugen der Zukunft aufwarten zu können, braucht es erheblich mehr als das Wissen, wie man hochwertige Kleingeräte oder Internetplattformen entwickelt. Auch wie mit der Technologie für Selbstfahr-Systeme Geld verdient werden soll, hat in Kalifornien oder anderswo bislang noch niemand herausgefunden.

Im Fall von Apple wird es noch etwas spezieller. Das Unternehmen sucht händeringend nach dem nächsten großen Ding. Der Apple-Fernseher wurde es nicht, das Auto wird es auf absehbare Zeit offenbar auch nicht. Wie verbissen Apple sucht? Sehr. So sei im Rahmen von Projekt Titan tatsächlich darüber nachgedacht worden, das Rad neu zu erfinden: Kugelrunde Reifen sollten Seitwärtsbewegungen wie das Einparken vereinfachen. Wie es scheint, werden allerdings auch die Angestellten-Shuttles auf vier herkömmlichen Rädern fahren.

Bild: Smith Collection/Gado / Gettyimages

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