Dieser deutsche Gründer weiß, wie US-Autokäufer ticken

Für seinen Job als Autoverkäufer ging Marco Schnabl 2005 in die USA. Dann kam Tesla und stellte die Branche auf den Kopf – der Rheinländer witterte seine Chance.

Eigentlich wollte Marco Schnabl im Jahr 2005 als Student nach Manhattan gehen, um dort für Mercedes-Benz Autos zu verkaufen. Doch es kam anders. Schnabl wurde sein eigener Chef. Gemeinsam mit Johannes Gnauck gründete er im Jahr 2012 AutomotiveMastermind. Das Software-Unternehmen machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 23 Millionen Euro, kürzlich wählte das US-Wirtschaftsmagazin Inc. das Startup auf Platz sieben der 5.000 am schnellsten wachsenden US-Unternehmen.

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Was in einem Co-Working-Space mit vier Leuten startete, ist zu einem Unternehmen mit 250 Mitarbeitern gewachsen. Allein im vergangenen Jahr hat AutomotiveMastermind Kapital in Höhe von 45 Millionen US-Dollar eingesammelt.

Auf gewisse Weise ist das Schicksal des im Rheinland geborenen Deutschen mit dem des Tesla-Gründers Elon Musk verwoben. „Tesla hat die US-Autobranche disrupted”, sagt Schnabl im Interview mit NGIN Mobility. Damit meint er vor allem das Verkaufsmodell des E-Autobauers aus dem Silicon Valley. Tesla vertreibt seine Fahrzeuge direkt und hat keine Händler. „Kein anderer Hersteller hat so früh so viel Wert auf die Wünsche seiner Kunden gelegt wie Tesla“, ergänzt der Gründer.

Die Software weiß um die Vorlieben der Autokäufer

Aber auch andere Händler verstünden zunehmend, dass sich die Anforderungen der Kunden verändern, findet Schnabl. AutomotiveMastermind hat eine Software entwickelt, mit deren Hilfe die Händler die Wünsche ihrer Kunden analysieren. Daraus leitet Schnabls Algorithmus ab, wie wahrscheinliche es ist, dass diese ein neues Auto kaufen – und welches Modell es sein wird. Das Programm wertet die Daten aus, die dem Händler bereits über seinen Kunden vorliegen, beispielsweise Alter, Wohnort, Beruf und Budget. Auch die Social-Media-Accounts fließen in die Analyse ein.

Schnabl nennt ein einfaches Beispiel: „Beschädigt der Fahrer sein Auto bei einem Unfall, tauscht er es zu 60 Prozent innerhalb des nächsten Jahres gegen ein neues aus“. Auch wenn es zuvor repariert worden sei.

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Um bis zu acht Prozent könnten die Händler dadurch ihr Wachstum steigern, verspricht das Unternehmen auf seiner Website. Mercedes-Benz, Audi, Honda, VW, Porsche und General Motors zählen mittlerweile zu den Kunden. Geld verdient das Startup über ein Abomodell. Für den Zugang zur Plattform zahlen die Händler im Schnitt eine monatliche Gebühr in Höhe von fünf US-Dollar.

Drei Faktoren seien für seinen Erfolg entscheidend gewesen: „Wichtig war, dass wir schnell und aggressiv in den Markt gegangen sind”, sagt Schnabl rückblickend. Außerdem habe er sich eine gewissen Naivität bewahrt, immer an den eigenen Erfolg geglaubt. „Wenn ich gewusst hätte, wie viel Arbeit und welche Unwägbarkeiten auf mich zukommen, hätte ich niemals gegründet”, sagt er heute.

Mit dem schnellen Wachstum werden auch die Probleme größer

Entscheidend sei jedoch vor allem die Zusammenarbeit mit seinem Mitgründer, so der 34-Jährige weiter. Kennengelernt haben sich die beiden Deutschen durch ihren Job bei Mercedes, damals habe er Johannes in seiner Niederlassung in Manhattan eingestellt. „Es hat sofort klick gemacht, wir haben uns direkt verstanden, denken ähnlich.” Gerne erzählt der 34-Jährige die Geschichte, wie beide sich vor etwa sechs Jahren bei einer Wandertour in der Wildnis verliefen, aber nicht aufgaben und sich gegenseitig zum Weitergehen motivierten. Dass sie sich gegenseitig unterstützen, wenn es mal nicht so gut läuft, sei heute noch so.

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Er weiß: Mit dem schnellen Wachstum des eigenen Unternehmens werden auch die Probleme größer. Vor allem beim Recruiting habe er zu Beginn viele Fehler gemacht und die ein oder andere falsche Entscheidung getroffen, gibt er zu. Mittlerweile setze er deshalb auf ein professionelles HR-Team. Wichtig sei ihm, die Startup-Kultur im Unternehmen aufrecht zu erhalten. Wie das geht? „Wir achten darauf, dass neue Mitarbeiter die gleichen Werte teilen wie wir selbst”. Außerdem mache das Team regelmäßig gemeinsame Ausflüge, in diesem Sommer beispielsweise seien die Mitarbeiter drei Tage lang zusammen campen gewesen.  

Noch in diesem Jahr sollen bis zu 50 neue Mitarbeiter eingestellt werden, kündigt Schnabl an.

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