Wie Startups bei Autozulieferern andocken

Die Zulieferer eifern der Automobilindustrie nach und bauen mit Acceleratoren Ökosysteme auf, um die Digitalisierung nicht zu verpassen. Das bietet Startups Chancen.

Marian Gläser will Autofahrern klare Sicht verschaffen – bei Nacht, wenn sie in den Rückspiegel schauen und nichts sehen außer tiefschwarzer Dunkelheit. Oder wenn es regnet. Oder bei Nebel. Er ist CEO von Brighter AI, einem Unternehmen aus dem Inkubator des Automobilzulieferers Hella. Das Unternehmen hat mit dem Startup Brighter AI nun sein erstes Spin-off gelauncht. 

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Was die Gründer in dem Berliner Inkubator erarbeiten, wird bereits in der Sicherheitsbranche angewandt: Brighter AI rekonstruiert aus Nachtaufnahmen von Infrarotkameras wirklichkeitsgetreue Tageslichtversionen. Mit ihnen lassen sich digitale Rückspiegel bauen oder Fahrassistenten optimieren. Im Hella-Inkubator in Berlin arbeitet ein interdisziplinäres Team aus über 15 Mitarbeitern an neuen digitalen Geschäftsmodellen.

Wie Hella gehen zahlreiche Zulieferer vor, die mit der Digitalisierung Schritt halten wollen. Auch sie gönnen sich Startup-Units mit unterschiedlichen Konzepten. Eine Auswahl:

ZF auf der Autobahn

Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen AG ist im Februar 2017 der Innovationsplattform Startup Autobahn beigetreten, die im Mai 2016 als offene Innovations- und Kooperationsplattform für Start-ups und bestehende Unternehmen aus den Bereichen Mobilität und Industrie 4.0 gegründet wurde. Ferner kooperiert ZF seit Februar 2017 mit dem Startup-Accelerator Plug and Play. Dieser ist seit 2006 aktiv und sichtet jährlich mehr als 8.000 Startups. ZF ist der weltweit zweitgrößte Zulieferer der Automobilindustrie und auf Antriebs- und Fahrwerktechnik spezialisiert.

Continental im co-pace

Das vor allem als Reifenhersteller bekannte Unternehmen hat mit co-pace ein Programm für Startups, ins Leben gerufen. Es besteht aus drei Bausteinen: Der „Inkubator“ fungiert als Brutkasten für die Ideen der Continental-Mitarbeiter. Zweites Element ist das „Startup co-operation Program“, das externe Startups und Continental zusammenführt. Im dritten Programmbaustein „Corporate Venture Capital“ (CVC) wird Risikokapital in junge Unternehmen investiert und so ein direkter Zugang zu neuen Technologien und Geschäftsideen sowie dem Startup-Ökosystem ermöglicht.

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Der Inkubator hat bereits erste Ergebnisse vorzuweisen: Drei Teams arbeiten in einem Bootcamp in München an ihren Konzepten und Prototypen: einem intelligenten Lichtschalter, einem smarten Türschloss sowie einem E-Antrieb für Rollstühle. Zuletzt hatte Conti das Startup Parkpocket übernommen.

Bosch setzt auf grow

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Bosch, Deutschlands innovativstes Unternehmen laut Patente-Ranking, hat die Plattform grow erfunden. Sie versteht sich als offener Raum für Entrepreneure inner- und außerhalb des Konzerns. Die Plattform knüpft an das Credo des Firmengründers Robert Bosch an: Was in der Theorie klappt, geht nicht immer in der Praxis. Die Idee allein zählt nicht. Neben dieser Plattform gibt es bei Bosch eine ehemalige Fabrikhalle in Ludwigsburg, nördlich von Stuttgart. Sie ist das Herz der Robert Bosch Start-up GmbH. Drei der aktuell insgesamt sieben Start-ups haben dort – im sogenannten „Urban Harbor“ – ihren Sitz.

Osram hat die Fluxunit

Zur Förderung von Innovationsideen hat Osram den Business Accelerator Fluxunit GmbH gegründet. Vorausgegangen war dem die im November 2015 vorgestellten Innovations- und Wachstumsinitiative „Diamond“. Osram lässt sich von Berliner Gründern inspirieren, um Zukunftsmärkte zu entdecken. Denn das Unternehmen weiß, dass die beliebten Xenon-Lampen aus dem Berliner Werk möglicherweise bald durch LED ersetzt werden. Osram hat kürzlich zudem ein Joint Venture mit Conti gegründet. Es soll innovative Lichttechnologien mit Elektronik und Software kombinieren und intelligente Lichtlösungen für die Automobilindustrie entwickeln, produzieren und vermarkten. Es soll seinen Sitz in der Region München haben.

Bild: Hella

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