Bikesharing – kommen jetzt die Billiganbieter aus Asien?

Asien haben die Bike-Startups schon erobert. Mit Geld bis zum Abwinken und Massen von Rädern wollen sie jetzt nach Europa expandieren. Erstes Testfeld: München.

Bike-Boom in China: Blaue, gelbe und rote Fahrräder stapeln sich auf den Gehwegen von Shanghai und Peking. Mehr als ein Dutzend Bike-Sharing-Anbieter gibt es mittlerweile im Land.

Die Idee eines Leihfahrrads für die Stadt ist nicht neu. Doch chinesische Startups kombinieren das Konzept mit dem Komfort eines Carsharing-Anbieters. Per App können Kunden ein Rad aufspüren, freischalten, losfahren und später das Rad innerhalb eines festgelegten Gebietes direkt am Ziel abstellen und verriegeln. Mit diesem Konzept wollen die Chinesen expandieren.

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Allein Ofo hat nach eigenen Angaben mittlerweile rund 6,5 Millionen Räder in 150 Städten weltweit verteilt. Würde man die Velos hintereinanderreihen, ergäben sie eine Strecke so lang wie von Berlin bis nach Miami. Bis Ende des Jahres sollen die Leihräder von den Marktführern Mobike und Ofo in rund 200 Städten stehen, laut Medienberichten bald auch in Deutschland. Auf der IAA in diesem Jahr war das Startup auf jeden Fall schon einmal mit einem großen Stand vertreten.

Fehlstart für Obike in München

Mareike Rauchhaus sieht solchen Ankündigungen gelassen entgegen. Die Sprecherin des deutschen Leihradanbieters Nextbike sagt: „Wir sind seit mehr als zehn Jahren im Geschäft und kennen den deutschen Markt sehr genau.” Nextbike, das sich den hiesigen Leihfahrradmarkt mit der Deutschen Bahn teilt, bietet seinen Service bisher in rund 50 Städten deutschlandweit an, weltweit sind es 25. Rauchhaus ist überzeugt: Das Geschäftsmodell der Chinesen lässt sich „nicht ganz so einfach“ auf Deutschland übertragen. Das liege nicht nur daran, dass die chinesischen Räder mit Vollgummireifen, ohne Gangschaltung und kleinem Rahmen wenig komfortabel seien. Vor allem stelle sich die Frage, auf welcher Basis man hier wirtschaften wolle, „als Mobilitätsdienstleister oder als Datenkrake“, so Rauchhaus. Nextbike kennt die Vorbehalte gegen das Datensammeln aus eigener Erfahrung: Kunden beschwerten sich über die GPS-Funktion bei den Rädern, seitdem ist diese während der Fahrt ausgeschaltet.

Und noch ein Problem droht: Die Bikes überall in der Stadt abstellen zu dürfen, ist zwar praktisch – kommt aber nicht überall gut an. Das hat bereits Obike zu spüren bekommen. Der Dienst aus Singapur startete im August in München, brachte 7.000 Leihräder in die Stadt. Vielen Münchnern war das zu viel, sie beschwerten sich über die Fahrrad-Stapel auf den Bürgersteigen. Ob sich der Imageschaden wieder reparieren lässt, bleibt anzuwarten.

Bild: Getty Images / Kevin Frayer

Dieser Artikel erschien zuerst im NGIN-Mobility-Printheft. Hierbei handelt es sich um eine aktualisierte Version. Hier geht es zum Magazin!

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