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„Besitz steht nicht mehr im Vordergrund“

chris moeller campanda

Im Leben von Chris Möller dreht sich alles um das Thema Mieten. Erst gründete er die Vermittlungsplattform Erento, dann den Wohnwagen-Anbieter Campanda.

Durch das Internet hat sich die Art verändert, wie wir mit Besitz umgehen, meint Chris Möller. Er hat bereits mehrere Startups gegründet, die Produkte nicht zum Kauf, sondern zur Miete anbieten.

Gestartet ist der Seriengründer mit dem Marktplatz Erento. Dort werden etwa Fahrzeuge zur Miete angeboten oder Künstler vermittelt. Sein neuestes Projekt ist Campanda, eine Plattform für Wohnmobile von gewerblichen und privaten Besitzern. Für das Tech-Unternehmen arbeiten über 50 Mitarbeiter in Berlin, sechs weitere in Boston und drei in Bordeaux. Gerade überlegt das Startup, nach Australien zu expandieren. Im gleichen Markt wie Campanda sind übrigens auch die deutschen Startups PaulCamper und ShareACamper unterwegs.

Möller ist nicht nur Gründer, sondern auch als Geldgeber in der Szene aktiv und investiert mit Möller Ventures in junge Firmen. Dazu gehören unter anderem der Pflege-Vermittler SunaCare oder die Nebenkosten-Prüfer Mineko.

Chris, bevor es mit Campanda losging, hast Du bereits Erento gegründet. Wie kamst Du auf die Idee?

Ich habe im Jahr 1995 eine Webagentur aufgebaut, aber irgendwann wollte ich den Kunden nicht mehr die Zeit meiner Angestellten in Rechnung stellen, sondern eine Plattform bauen, die skalierbar ist. So wie Ebay, aber für das Thema Mieten, denn da gab es damals noch nicht. Zudem wollte ich lieber ein eigenes Projekt als einen Kunden erfolgreich machen. 2003 habe ich dann Erento gestartet und das acht Jahre lang gemacht.

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Wie hat das Internet das Verhältnis der Menschen zum Besitz geändert?

Damals gab es noch den Männer-Traum, mal eine Harley zu besitzen. Heute geht es eher darum, mal eine Harley zu fahren. Der Besitz steht nicht mehr im Vordergrund. Als wir damals gestartet sind, hatten beispielsweise die Autovermieter nicht mal eine eigene Webseite. Das muss man sich mal vorstellen. Die Firma Avis hatte damals nur eine kleine Firmenseite im Netz. Heute geht bei denen über die Hälfte des Umsatzes über die Internetseite. Man sieht jetzt auch mit Car-Sharing-Diensten wie DriveNow oder Car2Go, dass die Leute viel stärker zum Nutzen und nicht Besitzen von Dingen übergehen.

Erst 2006 kam das Thema der sogenannten Sharing Economy auf. Waren die ersten drei Jahre bei Erento schwieriger, weil das Thema noch nicht so bekannt war?

Wir haben uns am Anfang auf gewerbliche Vermieter konzentriert. Zum Beispiel auf das Vermieten von Biertischen oder Dixi-Klos. Die Vision war aber schon da, dass auch Privatleute ihre Sachen vermieten können, die sie nicht regelmäßig nutzen.

Warum hast Du Erento nach acht Jahren wieder verlassen?

Dadurch, dass wir so viele verschiedene Produkte auf einer Plattform hatten, wie Wohnmobile, Kettensägen oder Dixi-Klos, ist es super schwierig geworden, auf die Wünsche der Mieter und Vermieter einzugehen. Zudem haben wir damals 700 Millionen Euro an Mietgeschäft vermittelt, konnten aber nicht an der Transaktion partizipieren. Und deshalb dachte ich nach acht Jahren, dass es Zeit ist, etwas neues zu machen.

Mit Deinem neuen Startup Campanda vermietest Du Wohnmobile. Was ist der Vorteil im Gegensatz zu anderen Mietobjekten?

Wohnmobile sind ein internationales Thema. Das ist bei Kettensägen oder Dixi-Klos meist nicht der Fall. Die Deutschen mieten in den USA, die Schweizer in Island oder die Italiener in Argentinien. So kann also ein Marktplatz, der eigentlich eine Nische ist, ein globaler Player werden.

Was meinst Du mit Nische?

Es ist natürlich immer schwierig zu sagen, ab wann eine Nische eine Nische ist. Für die einen ist es eine Nische, für die anderen ein riesiges Business. Es gibt Leute, die mit dem Verkauf von Klosteinen reich geworden sind. (lacht) Dabei ist das auch eine Nische. Camping ist lediglich vom Thema her eine Nische, aber nicht von den Zahlen.

Wie sind denn die Zahlen?

Eine Milliarde Nächte werden touristisch in Wohnmobilen verbracht. In Deutschland gibt es 1,3 Millionen zugelassene Wohnmobile und Wohnwagen. Die meisten Privatleute kaufen sich einen, nutzen ihn aber nur drei Wochen im Jahr. Das ergibt überhaupt keinen Sinn. Mit Campanda kann man sich einen Wohnwagen kaufen und dann vermieten. Damit können die Besitzer bis zu 15.000 Euro im Jahr machen.

Bei Erento habt Ihr nicht an den Transaktionen auf der Plattform partizipiert. Wie verdient Campanda Geld?

Campanda erhält bei jeder abgeschlossenen Buchung eine Kommission.

Und wie aktiv bist Du noch mit Deinem Investor Möller Ventures?

Unser Team von sechs Leuten kriegt etwa 300 bis 500 Pitchdecks im Jahr auf den Tisch. Wir investieren sehr früh, bis zu 50.000 Euro. In einer zweiten Runde können das auch mal 250.000 Euro sein.

Bild: Campanda; Bild bei Facebook: Getty Images / Bob Thomason

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