Wie der Camping-Pate den ganzen Markt erobern will

Etwa 450.000 rollende Eigenheime sind in Deutschland in Privatbesitz. Viel zu oft stehen sie allerdings herum. Zeit, das zu ändern, findet der Campanda-Gründer.

Es gab Zeiten, da standen Stretchlimousinen, Harleys und Sportwagen hoch im Kurs bei Online-Vermittlungen. 2003 war die Mietplattform Erento hierzulande die erste und einzige große Anlaufstelle, über die solche Fahrzeuge vermietet wurden. Dass Gründer Chris Möller zehn Jahre später „nur“ noch mit Wohnmobilen zu tun haben würde, hat auch er anfangs kaum glauben können. Doch die Zahlen haben ihm die Entscheidung leicht gemacht.

„Der Markt ist riesig. Im Schnitt sind es 1.300 Euro pro Buchung mit einer guten Kommission zwischen 10 und 20 Prozent“, sagt Möller. Eine Milliarde Nächte würden im Schnitt für touristische Zwecke im Wohnmobil verbracht. Der Caravaning-Verband CIVD schätzt, dass sich derzeit allein in Deutschland etwa 450.000 Wohnmobile im Privatbesitz befinden. Zusammen mit gewerblichen Fahrzeugen sollen es etwa 1,3 Millionen zugelassene Wohnwagen und Wohnmobile sein. In den Jahren, als Möller noch Erento leitete, sei die Kategorie Camping zum umsatzstärksten Segment herangewachsen. Für ihn Grund genug, ein neues Business zu starten.

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Mit dem Geld, das er durch den Verkauf von Erento 2011 eingenommen hat, gründete er zwei Jahre später die Berliner Camper-Vermittlung Campanda. Mittlerweile arbeiten in seinem Unternehmen 65 Mitarbeiter, die Plattform ist mit 26.000 Fahrzeugen in 42 Ländern aktiv. 250.000 Kunden hätten bereits über die Plattform einen Camper gemietet, verrät Möller.

Angefangen hat alles mit der Vermittlung von gewerblichen Fahrzeugen. Seit vergangenem Jahr ist die Plattform zudem ins P2P-Geschäft eingestiegen und vermittelt ähnlich wie Wettbewerber Paul Camper private Fahrzeuge. 5.500 private Anbieter sollen bereits auf der Plattform zu finden sein. Möller stellt die rhetorische Frage, mit der alle Plattformen derzeit in diesem Segment um Kunden buhlen: „Macht es noch Sinn, sich ein Wohnmobil für 50.000 Euro zu kaufen, um es dann nur für
20 Tage im Jahr zu nutzen?“

Platz: 20 

Wachstumsrate: 250%

Gründungsjahr: 2013

Kategorie: Suchmaschine / Vermittlung

Website: www.campanda.de

Sharing ist der neue Hoffnungsmarkt – nicht nur, was die Vermietung des eigenen Campers angeht, sondern vor allem den Bedarf an Fahrzeugen. „Viele Urlaubsziele wie Türkei und ­Ägypten fallen weg. Die Leute wollen lieber innerhalb von ­Europa bleiben.“ So erklärt sich der Campanda-Gründer den Anstieg der Nachfrage. „Außerdem zieht es sie in die Natur, sie sind gern aktiv mit ihrer Sportausrüstung unterwegs und wollen nicht am Frühstücksbuffet mit hundert anderen Leuten anstehen.“ Allein im Vergleich zum Vorjahr sollen die Zulassungszahlen von Wohnmobilen um 30 Prozent gestiegen sein.

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Der Campanda-Gründer glaubt, dass sich der Camping-Markt nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für den Wohnwagen-Besitzer selbst lohnt. „Du kannst wirklich damit Geld verdienen und einen Nebenerwerb starten.“ Die Versicherungs­fragen werden über die Plattform geregelt. Lediglich was die Steuerabgaben anbelangt, muss sich der Inhaber eines Fahrzeugs, das er regelmäßig untervermietet, selbst organisieren.

Möller denkt bereits laut darüber nach, in den kommenden ­Jahren eine Fusion mit anderen Plattformen anzupeilen. „Wer den besten Service und die meisten Bookings hat, wird das Rennen machen. Es ist gerade eine Konsolidierungsphase im Gange von einzelnen Playern. Den ersten wird das Geld ausgehen.“ Campanda hat bereits 18 Millionen Euro eingesammelt. Unter anderem sind die Michelin Travel Partner und Atlantic Labs dabei. Eine weitere Runde sei nicht ausgeschlossen, so Möller.

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Bild: Gründerszene / Chris Marxen, Headshots-Berlin.de

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