Steht das Rocket-Startup Carspring vor dem Aus?

Eigentlich wollte Carspring den Gebrauchtwagenhandel revolutionieren. Doch es mehren sich die Probleme. Jetzt kann man online nicht mal mehr Fahrzeuge suchen.

Die Gerüchte, dass bei Carspring nicht alles rund läuft, sind seit Monaten im Umlauf. Nun verdichten sich die Anzeichen, dass es schlecht um den Online-Gebrauchtwagenhändler steht. Denn auf der Carspring-Homepage sind aktuelle keine Fahrzeuge mehr gelistet. Auch der Kundenchat auf der Internetseite ist offline. Bei der Servicehotline ist kein Durchkommen.

Auch finanziell kämpft das Unternehmen mit Schwierigkeiten: Eine geplante Finanzierungsrunde über fünf Millionen Euro ist nach Gründerszene-Informationen geplatzt, sowohl die bisherigen Investoren als auch die Gründer selbst sollen uneinig über die strategische Zukunft gewesen sein. Rocket Internet, das laut der britischen Handelskammer mindestens 75 Prozent Anteile an Carspring hält, möchte sich auf Nachfrage von Gründerszene dazu nicht äußern. 

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Steht das Unternehmen, das seinen Sitz in London hat, etwa vor dem Aus? Auch dazu schweigt Rocket. Gründer Peter Baumgart antwortete auf Anfrage von Gründerszene nicht. Rätsel gibt zudem der Eintrag im britischen Handelsregister auf. Demnach sind die Gründer Peter Baumgart und Maximilian Vollenbroich, die auf der Unternehmenshomepage immer noch als Geschäftsführer genannt werden, schon länger als „resigned" (zurückgetreten) verzeichnet. Die in diesem Verzeichnis als „active“ (aktiv) benannten Manager Thomas Marie Jean Bellessort und Manuel Lupe de Carvalho sind auf der Internetseite von Carspring nicht genannt. Rocket Internet wollte auch zu diesem Sachverhalt nichts sagen.

Carsprings Geschäftsmodell ist es eigentlich, Gebrauchtwagen möglichst unkompliziert online zu verkaufen. Der gesamte Verkaufs- und Kaufprozess soll dabei im Internet stattfinden. Käufer lockt das Startup mit einem 14-tägigen Rückgaberecht, sechs Monaten Garantie, eine Auslieferung nach Hause sowie einer Beratung zu Finanzierungsfragen. Die Autos der Verkäufer werden nach Unternehmensangaben anhand von verschiedenen Punkten bewertet und anschließend zum Verkauf auf die Webseite gestellt.

Das Unternehmen war 2015 in Großbritannien an den Start gegangen. Noch im selben Jahr kündigte Rocket an, auch auf dem deutschen Markt zu starten. Doch bis zuletzt war Carspring nur in England, Wales, Schottland und Nordirland vertreten. Mit einem ähnlichen Modell wie Carspring ist unter anderem die Auto1 Group aus Berlin mit der Marke Wirkaufendeinauto.de auf dem europäischen Festland aktiv. Das Startup hatte im Mai dieses Jahres eine Finanzierungsrunde über 360 Millionen Euro bekannt gegeben. 

Bild: Carspring

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