Auf dem Weg in den Urlaub noch schnell ein Päckchen ausliefern

Mit CoCarrier können Reisende Pakete von Anderen mitnehmen und so ihre Urlaubskasse aufbessern. Eine Idee, die auch schon andere Startups hatten.

Den einen ist das Flugticket ins Ausland zu teuer, den anderen der Paketdienst für eine Lieferung dorthin. Das Berliner Startup CoCarrier will beide zusammenbringen: Vermittelt über das Crowd-Liefernetzwerk können Urlauber oder Geschäftsreisende Pakete von anderen Privatpersonen mit ans Ziel nehmen und so ihre Reisekasse auffüllen. Für die Versender soll das günstiger sein als ein herkömmlicher Paketdienst.

Die Lieferungen sind über den Partner Ergo-Versicherungen automatisch bis zu einem Wert von 500 Euro versichert. Findet sich kein passender Crowd-Kurier, bietet CoCarrier die Beförderung auf traditionellem Wege mit GLS zu vergünstigten Preisen an. Über eine App können Versender ihre Lieferungen nachverfolgen und Lieferanten sich den Weg zum Ziel anzeigen lassen.

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CoCarrier wurde 2016 von Anabel Ternès und Julian Maar gegründet und startete seinen Service im Januar 2017. Zum Kernteam in Berlin gehören fünf Mitarbeiter. Derzeit setzt das Startup nach eigenen Angaben auf Bootstrapping, Ende des Jahres wolle man dann auf Investorensuche gehen. Aktuell würden rund 50 Mitnahmeangebote pro Tag auf die Plattform gestellt, sagt Maar gegenüber NGIN Mobility. 30 Prozent davon an Zielorte im Ausland. Auf diese Weise sei seit Jahresbeginn eine „mittlere dreistellige Zahl“ von Lieferungen zustande gekommen. Auf seiner Website gibt CoCarrier für 2017 das Ziel aus, 1000 Lieferungen in 120 Städte und elf Länder zu bringen. 

Eine Lieferung mit einem Gewicht von fünf Kilogramm von Berlin nach Toronto koste den Auftraggeber etwa 150 Euro, rechnet das Startup vor. 25 Prozent davon behält CoCarrier als Provision, der Rest geht an den Kurier.

Aber wie stellt das Unternehmen sicher, dass Pakete wirklich ans Ziel kommen und niemand heimlich verbotene Gegenstände verschickt? „Wir sind eine Plattform, die auf Vertrauen basiert“, sagt Maar. Aufgebaut werden soll dieses durch Nutzerbewertungen und verifizierte Profile, ähnlich wie bei Airbnb oder Uber.

Außerdem müssen Versender angeben, was sie verschicken. Das Unternehmen rät den Kurieren, sich den Inhalt der Pakete zeigen zu lassen. Sich selbst sichert das Startup dadurch ab, dass es nur als Vermittlungsplattform auftritt und die Zahlungen zwischen Versendern und Privatkurieren rechtlich als Fahrtkostenzuschuss deklariert, wie Maar erklärt.

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Die Idee, für ohnehin geplante Strecken das Gepäck oder den Kofferraum von Reisenden zu nutzen, ist nicht neu. Ausgelöst durch den Sharing-Economy-Boom um das Jahr 2012 herum versuchten es zahlreiche Unternehmen auf diesem Gebiet. DHL experimentiert seitdem beispielsweise mit der Plattform MyWays, die 2013 etwa in Stockholm getestet wurde, um die es zuletzt aber eher ruhig war. 

Checkrobin aus Österreich startete 2012 ebenfalls mit dem sogenannten Crowd-Delivery-Ansatz, stieg dann aber Ende vergangenen Jahres teilweise auf den Preisvergleich für Paketdienste um. Packator aus Berlin, das in seiner zweiten Finanzierungsrunde vor kurzem zwei Millionen Euro einsammelte, konzentriert sich wiederum eher auf innerstädtische Lieferungen.

Als direkte Konkurrenten von CoCarrier sieht Maar die Startups ÜberBringer aus Berlin und Trunksta aus Düsseldorf. Abheben wolle sich sein Unternehmen von diesen vor allem durch den „Full-Service-Ansatz für den Versender“, also die automatische Versicherung und die Garantie, dass immer geliefert wird, egal ob per Privatkurier oder via GLS.

Bild: Hinterhaus Productions/Getty Images

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