Warum Daimler seinen P2P-Carsharing-Dienst an eine US-Firma gibt

Daimler führt seinen Dienst Croove mit dem US-Marktführer Turo zusammen, der 2018 in Deutschland starten soll. Opel hatte ein ähnliches Projekt kürzlich eingestellt.

Der deutsche Carsharing-Markt ist in Bewegung: Nachdem vor wenigen Monaten das niederländische Startup SnappCar den deutschen Anbieter Tamyca übernommen hatte und Opel sich von seinem Projekt CarUnity trennte, gibt Daimler jetzt seinen Dienst Croove an das US-Unternehmen Turo ab.

Turo bietet eine Plattform, über die private Autobesitzer und Betreiber kleinerer Flotten ihre Fahrzeuge an andere verleihen können. Mit Croove hatte Daimler Ende vergangenen Jahres einen ähnlichen Dienst gestartet, unter anderem in den Städten München und Berlin.

Gleichzeitig beteiligt sich Daimler an einer Finanzierungsrunde, in der insgesamt 92 Millionen US-Dollar in das US-Carsharing-Unternehmen fließen. Angeführt wird die Runde neben Daimler von der SK Holdings aus Südkorea.

Turo startete im Jahr 2009 ursprünglich unter dem Namen Relayrides in Boston, derzeit sind nach eigenen Angaben mehr als vier Millionen Kunden und 170.000 Fahrzeuge bei dem Dienst registriert. Ende vergangenen Jahres expandierte das Unternehmen nach Großbritannien, 2018 will Turo nach Deutschland kommen.

Ausländische Anbieter dominieren deutschen Markt

Für Turo-CEO Andre Haddad steckt dahinter folgende Strategie: „Peer-to-Peer-Carsharing ist nur auf einer offenen Plattform wirklich erfolgreich”, sagt er in einem Interview mit TechCrunch. Demnach glaubt er nicht an einen Dienst, bei dem ein großer Automobilkonzern hauptsächlich die Fahrzeuge der eigenen Marke über eine Plattform zur Verfügung stellt, wie dies bei Car-Sharing-Angeboten wie Car2Go (Daimler) oder DriveNow (BMW) der Fall ist. Haddad sagt weiter: „Wir glauben, dass Peer-to-Peer-Carsharing nur Erfolg hat, wenn die Fahrzeuge für jeden zugänglich sind.“

Nach Aussage des Turo-CEOs war Daimler nicht der einzige Automobilkonzern, der Interesse an einem Investment bekundete. Letztlich hätten die Stuttgarter überzeugen können, weil sie mit Croove bereits einen ähnlichen Dienst im Portfolio hatten.

Laut Daimler ist die Beteiligung an Turo „ein weiterer Schritt“ bei der Umsetzung der Zukunftsstrategie CASE. Die vier Buchstaben stehen bei dem Autobauer für die Themen „Connected“, „Autonomous“, „Shared and Services“ und „Electric“. Daimler bietet bereits Carsharing (car2go), Ride-Hailing (mytaxi) sowie eine Mobilitätsplattform (moovel) an. Diese Dienste werden angeblich bereits von mehr als 15 Millionen Menschen genutzt.

Dass Daimler seine Kräfte mit Turo bündelt, könnte aber auch ein Zeichen dafür sein, dass der Peer-to-Peer-Carsharing-Markt in Deutschland kein einfaches Feld ist. Alle größeren deutschen Anbieter wurden in den vergangenen Jahren durch ausländische Startups übernommen. So schluckte Drivy aus Frankreich im Jahr 2015 den deutschen Anbieter Autonetzer, Tamyca aus Aachen wurde vom niederländische Startup SnappCar übernommen.

Bild: Daimler / Croove

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