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Dara Khosrowshahi – was der neue Uber-Chef nun alles schaffen muss

Dara-Khosrowshahi-Uber-CEO-Chef

Kann das der Befreiungsschlag sein, den Uber so dringend braucht? Mit dem bisherigen Expedia-Chef soll der Ridesharing-Gigant schnell wieder gesunden.

Update vom 30. August 2017: Nun ist es offiziell, sowohl Uber als auch Expedia haben den Wechsel Khosrowshahis bestätigt. Es sei eine der schwierigsten Entscheidungen seines Lebens gewesen, zitiert Recode eine Nachricht an die Expedia-Mitarbeiter. „Ich muss Euch sagen, ich habe Angst“, so Khosrowshahi weiter. Aber die wichtigsten Erfahrungen habe er immer außerhalb seiner Comfort-Zone gemacht.

Dieser Artikel erschien zuerst am 28. August.

Nun ist es offenbar geschafft. Nach teils heftigen Turbulenzen hat Uber wohl einen neuen Chef. Ab sofort soll der bisherige Expedia-Boss Dara Khosrowshahi die Geschicke des mit fast 70 Milliarden bewerteten Ridesharing-Unternehmens bestimmen. Das berichten zumindest einstimmig die New York Times und Recode, während Uber selbst nur verlauten lässt, sich für einen neuen CEO entschieden zu haben. Auch von Khosrowshahi fehlt bislang die Bestätigung, den Job angenommen zu haben.

Der Auswahlprozess hat gezeigt, wie unaufgeräumt Uber derzeit dasteht. Glaubt man den Gerüchten, gab es drei Kandidaten für den Führungsposten bei dem US-Unternehmen. Zum Ersten General-Electric-Chef Jeff Immelt. Der hatte sich Ende vergangener Woche allerdings aus dem Rennen verabschiedet – allem Anschein nach wohl nicht ganz freiwillig. Offenbar hatten die Gesellschafter vermutet, unter seiner Führung würde Mitgründer und Ex-CEO Travis Kalanick weiterhin eine zu prominente Rolle spielen.

Zum Zweiten im Rennen war mehreren Berichten zufolge Meg Whitman, die Chefin des Computer- und Beratungskonzerns Hewlett-Packard. Die allerdings hatte sich öffentlich wenig euphorisch geäußert, an der Position sei sie allenfalls dann interessiert, wenn Kalanicks Einfluss garantiert auf ein Minimum beschränkt würde.

Bleibt zum Dritten Khosrowshahi. Will heißen: Uber hat den neuen CEO vielleicht nicht unbedingt aus Verlegenheit gewählt, möglicherweise aber aus Alternativlosigkeit. Denn die Zeit für Uber drängt, lange darf ein Unternehmen dieser Größe, dieser Internationalität, mit diesen Wachstumsambitionen nicht kopflos dastehen, sonst treten Lähmungserscheinungen auf. In einem derart starken Wettbewerbsumfeld – bald werden sich nicht nur Lyft, sondern Unmengen weiterer Anbieter wie Autohersteller oder Technologiekonzerne in dem Bereich tummeln – darf Uber seinen ohnehin schrumpfenden zeitlichen Vorsprung nicht verspielen.

Das soll nicht heißen, das Khosrowshahi nicht fähig wäre, ein Unternehmen der Größe und Bedeutung, wie sie Uber sicherlich hat, führen zu können. Ganz im Gegenteil. Bei Expedia, seinem Arbeitgeber seit 2005, hat er gezeigt, wie man ein Tech-Unternehmen auf Wachstumskurs hält. Allerdings waren die internen Bedingungen bei Expedia nicht annähernd so desaströs wie sie derzeit bei Uber sind.

Khosrowshahi wird nun schnell ein Zeichen setzen müssen. Zum einen, dass er die vergiftete Unternehmenskultur schnell in den Griff bekommen kann. Zum anderen wird er in seiner Rolle als CEO die Vision des Unternehmens verkörpern müssen. Bis er das glaubwürdig kann, wird es eine Weile dauern. Wenn man die Parallele zu Tim Cook ziehen möchte: Bis heute fällt es dem Manager schwer, die Fußstapfen des Apple-Kultgründers Steve Jobs auszufüllen.

Hinzu kommt: Bislang schreibt Uber gewaltige rote Zahlen. Wenn das Unternehmen allerdings in absehbarer Zeit an die Börse möchte, wird Khosrowshahi diese glaubwürdig reduzieren müssen. Er muss gleichzeitig weiter in Wachstum investieren und trotzdem höhere und vor allem nachhaltige Erträge generieren. Das wird kein einfacher Spagat für ein Unternehmen, das bislang fast blind auf Expansion gesetzt hat.

Abgesehen von den schwierigen Aufgaben, die Dara Khosrowshahi nun zu erledigen hat, zeigt der Fall Kalanick einmal mehr eindrucksvoll, wie schwierig es für Gründer sein kann, ihr Unternehmen auch in späteren Phasen gut zu führen. Man muss vielleicht nicht immer so weit gehen, wie Starinvestor Morten Lund. Der forderte im Gespräch mit Gründerszene: Irgendwann müssen die Gründer raus aus ihrem Startup. Beispiele wie Steve Jobs haben auch gezeigt, dass die Gründer sogar eine bessere Wahl am Steuer ihres Unternehmens sein können als „gelernte Manager“.

Dass irgendwann der Scheidepunkt kommt, an denen über die Führungsrolle der Gründer zumindest nachgedacht werden muss, darüber besteht wenig Zweifel. Bei Uber hat sich nun gezeigt, wie sehr es dem Unternehmen schaden kann, wenn dieser Zeitpunkt verschlafen oder die falsche Entscheidung getroffen wird. Entsprechend herausfordernd werden nun die Aufräumarbeiten.

Bild: Drew Angerer / Gettyimages

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