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Das Millionengeschäft mit gebrauchten Traktoren

Bevor die gebrauchten Trekker weiterverkauft werden, nehmen Inspekteure die Fahrzeuge unter die Lupe.

Ein Hamburger Startup will mit einem Online-Marktplatz Landwirte ins Internet locken. Zum dreiköpfigen Gründerteam gehört auch Ex-Rocket-Mitarbeiter Lukas Jaworski.

Baujahr 2013, 120 PS – und das für 55.000 britische Pfund. So lauten die Daten für den Lamborghini unter den Trekkern. Knapp 1.700 weitere Traktoren, Mähdrescher und Feldhäcksler mit einem Wert von insgesamt 80 Millionen Euro listet der Onlinemarktplatz E-farm laut Unternehmensangaben.

Gegründet wurde das Hamburger Startup im Jahr 2015 von Nicolas Lohr. Weil er selbst von Agrartechnik wenig Ahnung hatte, holte er sich Karsten Will mit an Bord, einen Landwirt in der dritten Generation. Außerdem stieg Lukas Jaworski ein, der unter anderem als Sprecher der Rocket-Kreditvermittlung Lendico und als Kommunikationschef beim Berliner Inkubator Team Europe Startup-Erfahrung gesammelt hat.

Im Gespräch mit NGIN Mobility erzählt CEO Nicolas Lohr, was hinter der Idee zum Trekker-Martplatz steckt: Bislang liefe der Handel mit gebrauchten Landmaschinen noch ziemlich konventionell ab. In der Regel nähmen die Händler die alten Traktoren und Mähdrescher vom Landwirt in Zahlung, einheitliche Standards für die Bewertung gebe es kaum. Sein Startup will nun Transparenz in den Markt bringen.

Und zwar durch eine von den Gründern entwickelte App, die eine mobile Inspektion ermöglicht. Wer einen Traktor verkaufen will, kann über die Anwendung auf dem Smartphone eigene Fotos und Videos von seiner Maschine hochladen, die deren Zustand dokumentieren. Auch Angaben zu Hersteller, Leistung, Ausstattung und PS können über die App eingeben werden. Aus diesen Informationen wird ein Profil der Maschine erstellt, das dauere etwa 30 Minuten, so Lohr. Noch ist die Nutzung der App kostenlos, das soll sich aber ab Herbst ändern. Dann fällt eine monatliche Gebühr an, deren Höhe Lohr noch nicht verraten will.

Gegen eine Gebühr in Höhe von 300 Euro schickt E-farm auch Inspekteure raus, die für die Käufer die Traktoren und Mähdrescher nach einheitlichen Standards (Dekra und Tüv) auf Motor und Schaufel prüfen. 

Gründer Lohr will weltweit expandieren

Geld verdient das Startup derzeit vor allem über eine Vermittlungsgebühr. Pro verkaufter Maschine streicht E-farm fünf Prozent des Nettoverkaufspreises ein.
Durch die standardisierte Prüfung unterscheidet sich E-farm nach eigenen Angaben von Wettbewebern wie Traktorpoool.de oder Landwirt.com, die ebenfalls im Netz Traktoren und andere Maschinen verkaufen. In ein bis zwei Monaten soll außerdem eine Versicherung gelauncht werden, die geprüfte Teile wie Motoren und Co. im Schadensfall erstatte, kündigt Lohr an. Nach eigenen Angaben die erste dieser Art. 

Lohrs großes Ziel ist es, den Export gebrauchter Traktoren anzukurbeln. „Wir haben bisher Fahrzeuge in 17 Märkte weltweit vermittelt”, so der Gründer. In Deutschland wechseln jedes Jahr rund 80.000 Landmaschinen den Besitzer, weniger als zehn Prozent werden ins Ausland verkauft. Zum Vergleich: Bei gebrauchten Lkw gehen mehr als ein Viertel über die Grenze.

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Schwarze Zahlen schreibt E-farm nach eigenen Angaben bisher noch nicht. Die genauen Umsatzzahlen will der CEO nicht nennen. Nur so viel: Bisher finanziere sich die Plattform durch einen strategischen Investor. Der habe in zwei Runden weniger als eine Million Euro ausgeschüttet, so Lohr. Aus dem Handelsregister geht hervor, dass es sich dabei um Peter Cremer handelt. Das Unternehmen Cremer verkauft weltweit Getreide, Futtermittel und Stahl und dürfte mit seinem Branchenwissen helfen. Geht es nach den Plänen des Gründers, soll sich E-farm bis 2019 selbst tragen.

Bild: E-farm

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