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„Es gibt in Deutschland keine Firma, die es geschafft hat“

Die Dedrone-Gründer Ingo Seebach, Jörg Lamprecht und Rene Seeber

Vor einem Jahr zog das Startup Dedrone von Kassel nach San Francisco. Dort überzeugt das junge Unternehmen mit seiner Anti-Drohnen-Technologie namhafte Investoren.

Bereits vier Mal hat Jörg Lamprecht in Deutschland ein Unternehmen gegründet. Trotzdem ist der Gründer aus Kassel auf die deutsche Startup-Szene nicht so gut zu sprechen.

Einen Teil seiner neuestes Firma, das Anti-Drohnen-Startup Dedrone, hat er deswegen in die USA verlegt. Die Entscheidung dafür hat er gemeinsam mit seinen Mitgründern Ingo Seebach und Rene Seeber getroffen. „Wenn wir es ernst meinen, dann müssen wir in die USA“, sagt Lamprecht. „Hier werden Themen schneller aufgenommen, Finanzierungsrunden sind höher.“

Seit rund einem Jahr befindet sich der Hauptsitz des jungen Unternehmens in San Francisco, dem Startup-Hub der USA. „San Francisco ist einfach super inspirierend, in jedem Café sitzen junge Menschen, trinken Kaffee und arbeiten“, betont Lamprecht, der dort nun 45 Mitarbeiter beschäftigt. Sie alle basteln an dem sogenannten Dronetracker. Laut Dedrone ist Dronetracker eine „Plattform zur Erkennung und Abwehr von Drohnen auf dem Markt.“ Die von dem Startup entwickelte dazugehörige Hardware entdeckt per Sensoren und Kamera, wenn Flugobjekte in einen überwachten Luftraum eindringen. Kunden für den Dronetracker sind beispielsweise Gefängnisse oder große Stadien.

Kein Facebook, kein Uber

Mit Blick auf die oft gelobte und gehypte Berliner Startup-Szene fügt Gründer Lamprecht hinzu: „Gründer in Berlin setzen lieber ihre Strickmützen auf und feiern auf jeder Gründerparty ihre nächste App.“ Der Kasseler Unternehmer ist der Ansicht, dass sich die Berliner ihre Szene „schön reden“ und kritisiert die deutsche IT-Szene. Auch Absolventen der Business-Schule WHU, die dafür bekannt sind, nach dem Studium zu gründen, sieht Lamprecht kritisch. Er glaubt, dass Teams aus Gründern mit verschiedenen, komplementären Fähigkeiten bestehen sollten: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese WHU-Absolventen gemeinsam ein Unternehmen erfolgreich führen können, wenn sie alle dieselben Skills haben.“

„Es gibt in Deutschland keine Firma, die es geschafft hat“, sagt er mit Blick auf die IT-Branche hierzulande. „Mit Ausnahme vielleicht der 45 Jahre alten SAP.“ Aber: „Es gibt kein Facebook, es gibt kein Uber.“ Das liege unter anderem daran, dass US-amerikanische Investoren risikofreudiger und unterstützender seien. Zudem herrsche eine Kultur, in der erfolgreiche Unternehmer ihr Geld in Startups investieren und aktiv beim Aufbau dieser mithelfen.

Auch Dedrone bekam Anfang des Jahres Geld von fünf Business Angels, die entweder amtierende oder ehemalige CEOs von Tech-Unternehmen sind. Laut TechCrunch handelt es sich hierbei um Dominic Orr (Aruba Networks), Selina Lo (Ruckus Wireless), Hans Robertson (Meraki), Tom Noonan (Internet Security Systems) und Trevor Healy (Amobee). „In der letzten Runde haben wir Geld von CEOs eingesammelt, die mit ihren eigenen Unternehmen viel Geld gemacht haben“, so Lamprecht. „Einer davon hat sein Unternehmen für zwei Milliarden verkauft. Wann passiert dir das mal in Deutschland? Wenn hier mal jemand für Milliarden verkauft, dann setzt er sich in der Schweiz zur Ruhe.“

Insgesamt hat Dedrone mittlerweile fast 13 Millionen US-Dollar eingesammelt. Das Kapital kommt dabei unter anderem vom Münchner VC Target Partners und dem namhaften Investor Menlo Ventures. Dieser hat in der Vergangenheit Firmen wie das von Apple aufgekaufte Sprachassistenz-Startup Siri sowie den Mobilitäts-Riesen Uber unterstützt.

building-jammerProfitabel sein, ist nicht wichtig

Trotz der Kritik ist Dedrone jedoch nicht ganz umgezogen, die beiden Gründer Seeber und Seebach verbringen die meiste Zeit hierzulande. Denn einen Vorteil sieht das Team im Standort Deutschland: der Ruf des „German Engineering“. Daher arbeitet ein 15-köpfiges Team noch immer in Kassel. Hier werden die Sensoren entwickelt, die die Drohnen in der gesperrten Zone erkennen. Innerhalb einer Reichweite von 500 Metern kann die Anlage Drohnen entdecken, mit Hilfe einer Kamera können Bilder und Videos vom Fluggerät gemacht werden.

Die dazugehörige Software verarbeitet diese Daten und stellt dem Kunden auch eine Datenbank zur Verfügung. Pro Sensor zahlen Kunden zwischen zwei und drei Tausend Euro pro Jahr, sagt Lamprecht. Hinzu kommt eine monatliche Gebühr für die Dedrone-Software, die er nicht näher beziffert.

Wie viel Umsatz das drei Jahre alte Unternehmen mit seiner Technologie macht, möchte Lamprecht nicht verraten. Nur so viel: der Umsatz des Startups habe 2016 im „deutlich“ siebenstelligen Bereich gelegen, während es dieses Jahr eine achtstellige Summe werden soll. Profitabel ist Dedrone noch nicht – mit voller Absicht, wie der Gründer betont. „Wir wollen uns nicht aus dem Cash Flow finanzieren“, sagt er. „Wir haben gerade die Serie B eingesammelt, mit mehr als zehn Millionen, wir müssen also auch gar nicht profitabel sein. Wir könnten es bereits sein, allerdings macht das für uns gerade keinen Sinn.“

„Das ist gefährlich“

Bevor er Dedrone gründete, stand Lamprecht eigentlich auf der Seite der Drohnen – und nicht auf der der Drohnenjäger. Er entwickelte mit seinem vorherigen Unternehmen Aibotix solche Flugobjekte. 2014 verkaufte er Aibotix an den schwedischen Konzern Hexagon, um sich seiner neuen Idee zu widmen: Anti-Drohnen-Tech. Auf die Idee kamen er und Mitgründer Seebach, als bei einer CDU-Wahlkampfveranstaltung in Dresden eine Drohne an der Bühne abstürzte, auf der Bundeskanzlerin Angela Merkel stand.

Damit bewies er gutes Timing: Während im Jahr 2013 laut Statista noch 128.000 kommerzielle Drohnen verkauft wurden, stieg der Verkauf über die Jahre deutlich an. 2017 sollen mehr als drei Millionen verkauft werden. Das führt auch zu Problemen: Schmuggel oder Spionage mithilfe von kommerziellen Drohnen, zwischen Flugzeugen und Drohnen kommt es immer wieder zu gefährlichen Annäherungen.

Kein Wunder also, dass zu den mittlerweile 200 Dedrone-Kunden, die mit der Technologie des Startups Lufträume über ihren Gebäuden bewachen, Gefängnisse, Flughäfen oder Stadien zählen. Aber auch Privatpersonen, erzählt Lamprecht. So sei die Anti-Drohnen-Technologie des Startups etwa vom Emir von Katar eingesetzt worden, als dieser in Brasilien Urlaub machte – und nicht wollte, dass Paparazzi heimlich Fotos mit Kamera-Drohnen machten.

Bild: Dedrone

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