Der digitale Tourenplaner für Biker

Calimoto hat eine Navi-App entwickelt, die kurvenreiche Strecken für Motorradfahrer erstellt. Statt auf Daten aus der Crowd setzt das Startup auf künstliche Intelligenz.

Anders als beim Auto geht es beim Motorradfahrernnur selten darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Für Biker sind stattdessen Strecken mit möglichst wenig Stop-and-Gos, vielen Kurven und befestigten Straßen wichtig. Das Potsdamer Startup Calimoto hat eine App entwickelt, die wie andere Navis auch zum Ziel lotst, aber dabei immer die schönste Tour heraussucht. Das verspricht zumindest Mitgründer Hans Allenfort, der selbst leidenschaftlich Motorrad fährt.

„Wir haben einen Kurvenalgorithmus entwickelt, der allein anhand von Offline-Geodaten die schönsten Strecken errechnen kann“, erklärt Allenfort. Die Strecken werden also nicht durch Menschen zusammengestellt. „Es stecken keine Erfahrungswerte dahinter.“ Der Vorteil: Touren können spontan errechnet werden, auch wenn das Gebiet zuvor noch von niemand vollständig durchfahren hat.

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Der Nachteil dieser rein computergenerierten Planung ist allerdings derzeit noch, dass der Algorithmus nicht ganz treffsicher schöne Naturstrecken identifizieren kann. Darum soll in diesem Jahr eine Funktion hinzukommen, die auch Usern erlaubt, Strecken zu beurteilen, verspricht Allenfort. Teilen lassen sich die Touren jedoch auch jetzt schon per Whatsapp oder Facebook – ähnlich wie bei der Potsdamer Wander-App Komoot. Weitere geplante Features sind eine Schräglagenanalyse und eine Live-Wetter-Auskunft.

Neues Geschäftsmodell

Der Algorithmus soll in Zukunft dazulernen. Denn die Geschmäcker der Fahrer sind verschieden. Beispielsweise sind Motorradtyp und Fahrstil für die Zusammenstellung der Route relevant. Derzeit fließen nur Informationen darüber ein, wie die Art des Straßenbelags beschaffen ist oder wie viele Ampeln sich in der Nähe befinden. Landstraßen mit vielen Kurven werden dabei vom Algorithmus bevorzugt. Die App ist in ganz Europa, Australien, Südamerika und in den kommenden Wochen auch in den USA verfügbar.

Anfänglich hat das Startup mit dem Verkauf von Karten verdient, einige tausend seien schon verkauft worden, so der Gründer. Im Dezember wurde dann auf ein Abo-Modell umgestellt. In der Freemium-Variante kann eine Karte nach Wahl, etwa in der Größe von Berlin-Brandenburg, kostenlos genutzt werden. Für jede weitere ist ein Abo fällig.

Das 2016 gegründete Unternehmen hat sich anfänglich über ein Exist-Stipendium finanziert. Darauf folgten zwei sechsstellige Finanzierungsrunden mit Business Angels, die letzte im Dezember 2017. Ein institutioneller Investor käme derzeit nicht infrage, so Allenfort. „Wir wollen uns die Agilität und Flexibilität bewahren.“ 16 Mitarbeiter zählt das Startup momentan.

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Eine vergleichbare Biker-App, die allerdings stärker auf den Community-Aspekt setzt, kommt aus den USA. Rever Moto ist auch hierzulande im Einsatz und hat BMW als strategischen Investor mit an Bord. Bislang ist der Beteiligungsarm iVentures nur an einem deutschen Startup beteiligt, dem Werkstatt-Vermittler von Caroobi. Ein weiterer Wettbewerber ist Navi Rider.

Im nächsten Schritt solle ihre App gleich auf dem Motorrad-Display angezeigt werden, erzählt der Gründer. Eine entsprechende Schnittstelle wurde von Bosch mySPIN entwickelt, die ersten Maschinen mit dem System kommen noch dieses Jahr auf den Markt. Durch eine Partnerschaft werden die Displays gleich von Anfang an mit der App der Potsdamer kompatibel sein.

Bild: Calimoto

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