dm-Gründer fordert Autokonzerne auf, bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen

Unternehmer Götz Werner tritt seit Jahren für das Grundeinkommen ein. Nun fordert der dm-Gründer mehr Einsatz von der deutschen Autoindustrie.

dm-Gründer Götz Werner fordert die deutschen Autohersteller im Zuge des Dieselskandals auf, Arbeit und Einkommen ihrer Mitarbeiter voneinander zu trennen: Mitarbeiter sollen unabhängig von ihrer Arbeit ein Einkommen erhalten und unabhängig von ihrem Einkommen arbeiten.

Im Gespräch mit Business Insider sagte der 73-Jährige, das bedingungslose Grundeinkommen sei der einzige Weg, um international wettbewerbsfähig zu sein. „Um auch künftig innovative und motivierte Mitarbeiter zu finden, müssen die Menschen arbeiten wollen, nicht sollen“, sagte Werner.

Die deutsche Autobranche steht vor einem Umbruch. Der Wechsel vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität gefährdet Hunderttausende Jobs. Viele Spezialisten können nicht einfach umgeschult werden, damit sie künftig mit den alternativen Antriebsformen arbeiten können. Dementsprechend könnte die Autoindustrie zum Musterfall für das bedingungslose Grundeinkommen werden.

Götz Werner fordert das Grundeinkommen seit Jahren mit aller Vehemenz ein. „Wenn mich Zetsche, Müller, Krüger und Co. nach Rat fragen würden, würde ich ihnen sagen, dass das bedingungslose Grundeinkommen die Lösung für viele dringende Probleme ist“, sagte er. Laut Werner hieße das: Einkommen und Arbeitsverhältnisse würden sich verbessern und die Menschen wären grundlegend motivierter. „So wird der Arbeitsmarkt erst zu einem Arbeitsmarkt.“ Die Autoindustrie würde mit diesem Modell die richtigen Arbeitnehmer finden, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. „Nur Menschen, die nicht mehr um ihre Existenz bangen müssen, können herausfinden, was sie wirklich machen wollen.“

„Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt im Klassenzimmer“

Werner bezieht sich dabei auf das Konzept der Waldorfschulen, in denen die Individualität der Schüler gefördert werde. Der Unternehmer hat alle seine sieben Kinder zur Waldorfschule geschickt und ist seit Jahren bereits als Befürworter Rudolf Steiners bekannt. An der Waldorfpädagogik schätze er, dass die Schüler wie Unternehmer behandelt werden, sagte Werner. So würden Waldorfschüler darin bestärkt, mit ihren individuellen Stärken und Fähigkeiten zur Allgemeinheit beizutragen.

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„Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt nicht in der Fabrikhalle oder im Forschungslabor. Sie beginnt im Klassenzimmer“, zitiert Werner eines seiner unternehmerischen Vorbilder, Henry Ford. Es brauche mehr unternehmerisches Denken, fordert der Selfmade-Millionär, und bezieht sich dabei auch auf die deutsche Autoindustrie.

Nicht jedes Kind müsse dafür auf eine Waldorfschule, aber ein Faktor sollte sich bundesweit durchsetzen: Die Selbstverwaltung der Schulen. Der Unternehmer befürworte dezentralisierte Bildung und wolle nicht, dass sie zur Sache des Bundes wird. So habe er auch seine Drogeriemarktkette geführt. „Wenn alle dm-Märkte auf Anweisungen aus Karlsruhe warten, wird das Geschäft scheitern. Man muss vor Ort auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden eingehen können — und genauso verhält es sich auch mit der Bildung“, sagte Werner.

Zusammen mit einem Grundeinkommen könnte die richtige Bildungspolitik Menschen auch künftig befähigen, sinnvolle und mehrwertstiftende Innovationen hervorzubringen, besonders in der Autoindustrie, sagte Werner. Da die Branche einen extrem wichtigen Faktor der deutschen Wirtschaft darstellt, wird am Verbrennungsmotor festgehalten, denn verglichen mit der Herstellung von Elektromotoren sichert das derzeit noch viele Arbeitsplätze.

Daimler geht davon aus, dass von den 30.000 Angestellten, die laut FAZ mit der Antriebstechnik für den Verbrennungsmotor befasst sind, in der Theorie nur noch 4.300 übrig bleiben würden. Mit dem Grundeinkommen wären die Mitarbeiter, aber auch die Unternehmen bereit, verstärkt auf die Technologie der Zukunft zu setzen, um langfristig gegen Tesla und Co. wettbewerbsfähig zu bleiben. „Deutschland wäre da viel innovativer und handlungsfähiger, wenn die treibende Kraft — also die Menschen — mit einem Grundeinkommen abgesichert wären“, sagte Werner.

Vor Jahrzehnten ist Werner aus der FDP ausgetreten

Die Finanzierung des Grundeinkommens sei lediglich eine Frage des Standpunkts. „Alles, was produziert werden kann, kann mit gutem Willen auch finanziert werden“, sagte Werner. Dass das Thema im Bundestag noch kaum Gehör gefunden hat, stört ihn nicht. In der Politik bräuchten die Dinge eben ein bisschen länger als in der Wirtschaft. Vor ein paar Jahrzehnten war Werner noch FDP-Mitglied, ist dann aber aufgrund seiner politischen Inaktivität ausgetreten.

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Seinen Erfolg mit dm habe er erreicht, weil er als Unternehmer auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden eingehe, und genauso funktioniere auch die Politik — nur, dass es dort etwas länger brauche, bis sich die Themen durchsetzen. Letztlich würde der Wille des Volkes aber von der Politik durchgesetzt.

Um das Thema dort zu platzieren, will Werner seinen Namen nutzen, um eine Debatte über das Grundeinkommen zu befeuern. „Die Menschen müssen den Mehrwert verstehen, dann setzt sich das Konzept auch durch.“ Es würden wahrscheinlich jetzt schon mehr Menschen an das Grundeinkommen glauben als damals an den Fall der Mauer.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von re:publica 2017 #LoveOutLoud

Dieser Artikel erschien zuerst auf Business Insider Deutschland.

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