„Pay how you drive“ – dieses Startup will Raser zur Räson bringen

Drivo ermittelt per Smartphone-App das Fahrverhalten. Damit will das Startup nicht nur Sharing-Nutzer erziehen, sondern auch ein Management-Tool für Flotten bieten.

Sharing-Autos verführen dazu, mal richtig auf die Tube zu drücken. Weil den Nutzern das Auto nicht gehört, reizen viele die Beschleunigung aus und heizen durch die Kurven. Free-Floating-Anbieter wie Car2Go sind bereits dazu übergegangen, leistungsstärkere Fahrzeugklassen nur einer bestimmen Altersgruppe zur Verfügung zu stellen. Doch das Problem bleibt bestehen: Wird schnell gefahren, ist der Verschleiß größer und die Unfallgefahr steigt. Ein Startup aus Bremen hat eine App entwickelt, die für mehr Fahrverantwortung und einen fairen Preis bei Sharing-Diensten sorgen soll.

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Drivo checkt per Smartphone-Sensoren das Fahrverhalten, gibt dem Nutzer während der Fahrt ein Live-Feedback und bietet im Nachhinein einen Performance-Check. Dadurch soll der Lernprozess bei den Fahrern in Gang kommen, um Spritkosten zu senken und die Sicherheit im Verkehr zu verbessern.

Mit Bekannten sollen sich die Autofahrer über ihre Fahrmanöver später austauschen und untereinander Punkte vergeben können, erklärt Drivo-Gründer Okan Gürsel gegenüber NGIN Mobility auf der diesjährigen Mobility-Messe Hypermotion in Frankfurt am Main. „Nutzer können sich in der Community vergleichen und in Live-Challenges gegeneinander antreten und somit einen legalen Smart-Driving-Wettbewerb auf der Straße austragen.“ Für Rennen und andere riskante Manöver sei die App jedoch nicht gedacht, so der Gründer.

Die App myDrive bietet seit zwei Jahren einen ähnlichen Service an, der sich jedoch mehr aufs Spritsparen konzentriert. Auch der Smartcar-Dienst Pace spielt in diesem Geschäftsumfeld mit – nur muss dafür zusätzlich eine an der OBD-Einheit verbaute Telematic-Box beschafft werden. Drivo setzt ausschließlich auf die Smartphone-Sensorik (Mehr dazu siehe Video).

Drivo-Gründer Gürsel sieht noch weitere Einsatzmöglichkeiten für seine App: Free-Floating-Anbieter wie DriveNow oder Car2Go könnten damit künftig auf der Grundlage des verfolgten Fahrverhaltens ihrer Nutzer die Preise pro Minute flexibel berechnen, sagt Drivo-Gründer Okan Gürsel. Dahinter stecke das Prinzip „Pay how you drive“. Mit Blick auf den Datenschutz hat Gürsel keinerlei Bedenken bei seiner App.

Dass Carsharer über ihre eigene App offenbar schon heute fleißig Fahrinformationen ihrer Kunden sammeln, hatten Datenschützern bereits im vergangenen Jahr im Fall eines verunglückten Fahrradfahrers, der durch einen DriveNow-Fahrer zu Tode kam, beanstandet. Ob die großen Sharer die Bewegungsprofil-Daten des Bremer Startups also noch benötigen, ist fraglich. Doch Gürsel sieht noch einen weiteren Business Case.

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Auch mittelständische Unternehmen könnten mit Drivo Kosten sparen, indem sie ihre Flotten über eine Tracking-App im Auge behalten wollen, so Gürsel. „Schließlich muss keine teure Telematic-Einheit verbaut werden.“ Geld verdient werde über ein „lizenzbasiertes Modell“, sagt der Gründer. Derzeit lief ein Test mit ein paar Tausend Nutzern. Wie viele und welche Kunden das Startup schon hat, wollte Gürsel nicht verraten. In der Seed-Runde habe das Startup einen sechsstelligen Betrag von Team Neusta eingesammelt. „Wir planen im nächsten Jahr genug Umsatz, um uns selber tragen zu können“, gibt Gürsel sich zuversichtlich.

Bild und Video von Marco Weimer für NGIN Mobility und Gründerszene

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