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In den Fuhrparks der deutschen Top-Konzerne sind kaum E-Autos vorhanden

Öffentlich schmücke sich die DAX-Konzerne mit Nachhaltigkeitskonzepten. Doch zur Verkehrswende tragen sie kaum bei, wie eine Umfrage zeigt.

Eine Million Elektroautos wollte die Bundesregierung bis 2020 auf deutsche Straßen bringen. Dieses ehrgeizige Ziel aus dem Jahr 2008 ist unrealistisch, so viel steht inzwischen fest.

Das Interesse der meisten Autofahrer ist überschaubar — und auch die größten Konzerne dieses Landes tragen nicht zu einer Verkehrswende in Deutschland bei.

Denn: Bei den meisten der umsatzstärksten Unternehmen ist der Anteil der reinen Elektroautos am Gesamtbestand der Dienstwagen verschwindend gering. Das ergab eine Umfrage von Business Insider unter den 30 Dax-Konzernen — unter denjenigen Firmen also, die sich selbst gerne mit Nachhaltigkeitskonzepten schmücken und ihr besonderes Verantwortungsbewusstsein gegenüber Gesellschaft und Umwelt betonen. 

Legt man die Daten der Konzerne zugrunde, die Zahlen zur Gesamtflotte und zum Anteil der E-Fahrzeuge offengelegt haben, zeigt sich: Nur etwa 1,7 Prozent der Dax-Firmenwagen sind Elektro-Autos. Einige der Unternehmen wollten auf Anfrage allerdings keine konkreten Zahlen nennen. Wie ökologisch ihr Autobestand ist, ist unbekannt.

Bei Fresenius und BASF sind gar keine E-Autos im Einsatz

Die Auskünfte vieler Unternehmen sprechen für sich: So sind bei der Deutschen Bank von insgesamt 6.500 Dienstwagen 65 Fahrzeuge elektrisch betrieben. Im Fuhrpark von Thyssen Krupp (4.900 Firmenwagen insgesamt) befinden sich drei Elektroautos, beim Düsseldorfer Immobilienkonzern Vonovia fahren fünf von 4.400 Autos mit Strom. Bayer unterhält 23 E-Autos, die gesamte Dienstwagenflotte des Chemieriesen besteht aus 2.300 Fahrzeugen. Beim Münchner Industriegas-Konzern Linde sind es gerade einmal vier Stromer unter 1.600 Wagen. 

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Bei Fresenius ist das Interesse an E-Autos offenbar besonders gering: Das Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen setzt bei seiner Flotte (1.100 Fahrzeuge) ausschließlich auf Diesel und Benziner. Elektromobilität? Fehlanzeige. Immerhin hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 35 Parkplätze mit Ladestationen für E-Fahrzeuge in der Bad Homburger Firmenzentrale eingerichtet. 

Auch bei BASF (2.000 Fahrzeuge) ist kein einziges rein elektrisches Dienstfahrzeug registriert, der Chemiekonzern verweist lediglich auf fünf Hybrid-Autos. Das Baustoffunternehmen HeidelbergCement (600 Fahrzeuge) gab an, einen Elektrowagen zu unterhalten.

Özdemir kritisiert Bundesregierung: „Trump’scher Schutzraum für den Verbrennungsmotor“

Für Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir ist das geringe Interesse vieler Dax-Konzerne am Thema Elektromobilität das Resultat von Fehlern der Autohersteller und Zeichen eines politischen Versagens der Großen Koalition. „Die geringe Anzahl an emissionsfreien Fahrzeugen bei den Dienstwagen macht deutlich, wie dick das Lastenheft für die deutsche Automobilindustrie momentan ist“, sagte Özdemir zu Business Insider. Das komme davon, so der Grünen-Chef, wenn CDU/CSU und SPD über Jahre auf die Innovationsbremse drückten und versuchten, einen „Trump’schen Schutzzaun“ um den fossilen Verbrennungsmotor zu ziehen.

Bild: Westend61 / Getty Images

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