Wie uns dieser fahrerlose Bus bald durch Berlin kutschiert

Erstmals soll in Berlin ein autonomer Kleinbus auf eine öffentliche Straße geschickt werden. Derzeit wird er für den Einsatz vorbereitet. Ein Ortstermin.

Um ihn herum scharrt sich an diesem Morgen eine Menschentraube, immer wieder machen die Besucher Fotos von ihm. Der weiß-grüne Bus mit den großen Fensterscheiben ist ein kleiner Star auf dem EUREF-Campus in Berlin. Denn das kastenförmige Gefährt soll künftig ohne Fahrer auskommen. Auf dem Forschungsgelände wird das elektrische Fahrzeug für seinen Einsatz im öffentlichen Nahverkehr vorbereitet. Das lockt Besucher und Wissenschaftler aus der ganzen Welt an. Mitte Dezember soll das Shuttle auch der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

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Der Shuttle von Easymile ist bereits das zweite autonome Fahrzeug, dass das Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) auf dem Gelände des Schöneberger Campus testet. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Olli soll der Franzose konkret auf den Einsatz im öffentlichen Nahverkehr vorbereitet werden. Bis zu zwölf Personen haben in dem Shuttle Platz, sitzen können davon sechs.

Parkende Fahrzeuge sind noch ein Problem

Normalerweise soll der Shuttle eigenständig fahren. Ein Lenkrad oder einen Schalthebel gibt es im Fahrgastraum nicht. Nur einen Bildschirm, auf dem die Haltestationen angezeigt werden, auf dem Campus gibt es vier davon, die jeweils keine 100 Meter voneinander entfernt liegen. Schnell fährt der Kleinbus allerdings nicht. Mit einer Geschwindigkeit von 10 km/h kriecht er über das Gelände. Seinen Weg sucht sich EZ10 mit Hilfe von GPS-Daten, Sensoren und Kameras. Durch die Analyse dieser Daten sollen Hindernisse frühzeitig erkannt und ihnen ausgewichen werden können. Und tatsächlich: Als eine Schülergruppe auf der Fahrbahn steht, stoppt das Gefährt automatisch.

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Allerdings klappt das Fahren ohne Fahrer noch nicht immer reibungslos, wie sich bei einer Testfahrt von NGIN Mobility zeigt. Weil ein parkendes Fahrzeug den Weg blockiert, bremst der Shuttle ab – und will zunächst nicht mehr weiterfahren. Das Umfahren von parkenden Autos erlaube die aktuelle Softwareversion noch nicht, erklärt ein InnoZ-Mitarbeiter, der als „Steward“ für solche Fälle mit an Bord ist und das Fahrzeug dann über einen mobilen Joystick manövriert.

Der Senat hat noch ein Wörtchen mitzureden

Mit dem klobigen Gefährt hat das InnoZ große Pläne: Zum einen sei ein On-Demand-Service gemeinsam mit Ridesharing-Startup Clevershuttle geplant, sagt InnoZ-Mitarbeiter Frank Hunsicker im Gespräch mit NGIN Mobility. Das Fahrzeug habe dann keinen festen Fahrplan mehr, sondern fahre nur dann, wenn es per App gerufen wird. Zweitens werde an einer Lösung für das induktive Laden gearbeitet, also das kabellose Laden der Fahrzeugbatterie, die den Elektromotor antreibt. Die dafür nötigen Bodenplatten sind bereits auf dem Campus installiert. Drittens wird der Shuttle für den Einsatz im öffentlichen Nahverkehr vorbereitet. Schon für das nächste Frühjahr sei eine erste Testfahrt auf der Straße geplant, so Hunsicker weiter. Ziel sei es, den Shuttle irgendwann einmal in das Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs zu integrieren.

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Die dafür nötige Genehmigung durch die zuständige Berliner Verkehrsverwaltung steht allerdings noch aus. Grundsätzlich stehe man dem Projekt „wohlwollend“ gegenüber, sagt Senatssprecher Matthias Tang auf Nachfrage von NGIN Mobility. Derzeit warte man noch auf das Ergebnis von Gutachten und Daten. Im Falle eines positiven Bescheids stehe einer Inbetriebnahme im nächsten Jahr aber grundsätzlich nichts entgegen.

In den Markt mit autonomen Bussen kam zuletzt immer mehr Bewegung. Im Oktober hat die Deutsche Bahn unter dem Dach ihrer neuen Konzernmarke Ioki in Niederbayern den ersten autonomen Shuttle auf die Straße geschickt, auch dort sind Fahrzeuge von Easymile im Einsatz. Die BVG will ab 2018 auf dem Gelände der Berliner Charité erste autonome Busse des französischen Anbieters testen und auf dem Frankfurter Flughafen helfen im Rahmen eines Forschungsprojekts der R+V-Versicherung bald fahrerlose Busse aus.

Bild: Jana Kugoth für NGIN Mobility und gründerszene; Video: Marco Weimer

 

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