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Elektro-Streit: Daimler stößt in eigenen Werken weiter auf Widerstand

Die Produktion des Mercedes Urban E-Trucks ist ein interner Streitpunkt bei Daimler.

Milliarden werden für die Wende zur E-Mobilität bereitgestellt. Doch die Werke tun sich mit der Umstellung schwer. Konzernleitung und Betriebsräte liegen im Clinch.

Geld allein bewirkt kein schnelles Umdenken – das zeigt sich seit einigen Wochen recht deutlich bei den Umbaumaßnahmen von Daimler. Mit der neuen Konzernstrategie Case hat sich der Stuttgarter Konzern die Wende zur E-Mobilität fest auf die Fahnen geschrieben. Der Vorstand bewilligte dafür Milliarden. Das Ziel: Bis 2025 soll mit dem Pkw-Absatz ein Elektroanteil von 15 bis 25 Prozent erreicht werden. Hinzu kommt die Produktion des Urban E-Trucks. Trotz der finanziellen Möglichkeiten führt der Umbau des Konzerns jedoch immer wieder zu internen Konflikten. Einer davon findet gerade im Hauptwerk Untertürkheim bei Stuttgart statt, wo etwa 19.000 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Die Streitpunkte sind vielfältig. Angefangen damit, dass Autos mit Verbrennungsmotor sich in der Herstellung eklatant von einem Elektromotor unterscheiden. Nicht nur Spezialkenntnisse, etwa für die Diesel-Technologie, könnten durch die Umstellung wegfallen, auch die Beschäftigung droht ingesamt zu sinken. Um ein E-Auto zu bauen, sind in der Regel weniger Produktionsschritte notwendig, viele Prozesse lassen sich leichter automatisieren. Daneben steht die Frage im Raum, wie viel Manpower auf die neue Technologie oder das Kerngeschäft mit Verbrennern gerichtet werden soll?

Seit einigen Wochen verhandeln Betriebsrat und der Konzern nun schon über konkrete Pläne zur Umsetzung der E-Energiewende. „Das ist so eine Gratwanderung zwischen Erzeugen von Paranoia und Verabreichen von Beruhigungspille“, sagte Fabrikchef Frank Deiß gegenüber der dpa. Gründe zur Verunsicherung gibt es zuhauf: Der Absatz von E-Autos ist trotz Umweltprämie weiterhin schwach und auch die Ladeinfrastruktur ist wegen der vielen Anbieter unübersichtlich und noch nicht in jeder Stadt ausreichend vorhanden. Die Ziele der Konzernleitung treffen darum auf Einwände, wie schnell sich die E-Wende tatsächlich bewältigen lässt, ohne dabei das Kerngeschäft mit Verbrennern zu beeinträchtigen und Arbeitsplätze zu gefährden.

Der Untertürkheimer Betriebsratschefs Wolfgang Nieke ist der Meinung, dass das Angebot für die Ansiedlung der E-Mobilität in seinem Werk derzeit nicht ausreiche. „Auch das Gerüst dafür steht nicht“, zitierte die dpa ihn kürzlich. Die Genehmigung zahlreicher Überstunden stehe zunächst noch aus. Vorher sei an die E-Umstellung kaum zu denken. Bisher hat Daimler jedoch wenig Bereitschaft gezeigt, dahingehend Zugeständnisse zu machen.

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Der Streit zwischen Konzernführung und Betriebsrat findet auch im sächsischen Kamenz-Werk statt, wo bereits auf die Batterieherstellung umgestellt wurde. Auch knirscht es bei der Umstellung auf den neuen Produktionszweig. Die Geschäftsführung habe ein Angebot gemacht, die elektrischen Antriebsmodule und Batteriemontage durch die Gründung einer nicht-tarifgebundenen Tochter abzufedern, berichtet das Manager Magazin. Im Gegenzug dafür sei die Teilnahme der Mitarbeiter an Qualifizierungsmaßnahmen neben den regulären Schichten gefordert worden. Der Betriebsrat habe das Angebot bisher jedoch abgelehnt.

Bild: Daimler

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