Elon Musks Problem mit der Bodenhaftung

Große Visionen – und kleine Schritte vorwärts. Während Elon Musks Ideen gar nicht großspurig genug sein können, geht es im echten Leben derzeit langsamer voran.

Elon Musk ist nicht gerade dafür bekannt, mit seinen Ambitionen zurückhaltend zu sein. Auf den Mars will er, mit mehrfach nutzbaren Raketen die Raumfahrt zum Alltagsgeschäft machen. Quasi im Alleingang soll seine Firma Tesla die Automobilbranche auf den Kopf stellen. Und dank Hyperloop ist man bald in Nullkommanix von Hamburg nach München oder von San Francisco nach Los Angeles gereist, während der städtische Verkehr auf Schlitten unter die Erde wandert. Wenn es nach den Träumen Musks geht jedenfalls.

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Der aber dürfte sich immer wieder ziemlich unbequem in die Realität zurückgerissen fühlen. Seine Firma The Boring Company, die mit den unterirdischen Autoschlitten, darf nun zwar einen ersten Tunnel bauen. Das hat die Stadt Hawthorne – wo sich der Sitz der Firma und auch Musks Raketenhersteller SpaceX befinden – nun genehmigt. Allerdings geht es nur um eine Teststrecke gleich außerhalb des Firmengeländes. Gerade einmal zwei Meilen lang darf der Tunnel sein und nur unter unbebautem Gebiet entlang führen. Immerhin, mag man entgegnen, so kann The Boring Company wenigstens die eigene Technologie unter Beweis stellen. Aber man darf wohl sicher sein, dass es Musk nicht schnell genug geht.

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Gleichzeitig muss der Visionär auch in einem anderen Bereich einsehen, dass Evolution manchmal realistischer ist als Revolution. So sind gerade Details zum angekündigten elektrischen Sattelschlepper bekannt geworden. Den will Musks Autohersteller Tesla bald öffentlich vorstellen. Etwa 320 bis 480 Kilometer soll der mit einer Ladung fahren können, hat Reuters in Erfahrung gebracht. Das würde nicht einmal für eine Fahrt von Los Angeles nach San Francisco reichen. Zum Vergleich: Diesel-LKW schaffen bequem das drei- bis vierfache. Und sie lassen sich in Minutenschnelle neu auftanken, während der Tesla-Laster lange an die Ladestation muss.

Was Musk aber noch mehr schmerzen dürfte: Die Wettbewerber haben sich nicht annähernd so beeindrucken lassen, wie das noch bei der Tesla-Limousine der Fall war. Einen erfolgreichen Elektrolaster gibt es vom Schweizer Hersteller E-Force bereits – schon seit 2013. Weit mehr als 100.000 Kilometer haben die E-Laster nach Angaben des Anbieters bereits zurückgelegt. Auch Daimler hat ein vergleichbares Produkt vorgestellt. Das gut zehn Meter lange Fahrzeug soll zwar nur gut 200 Kilometer weit kommen, das aber immerhin bei voller Beladung. Ohnehin sieht man bei Daimler das größte Potenzial von Elektrolastern im Betrieb in und um Städten, die immer sensibler auf den Schadstoffausstoß von Dieselmotoren reagieren. Währenddessen arbeitet Toyota bereits an einer Wasserstoff-betriebenen Alternative, die zwar teuer, aber auch langstreckentauglich sein kann.

Natürlich steht die Entwicklung der vielen Musk-Vorhaben noch am Anfang. Dass gleich zu Beginn alles perfekt ist, dürften auch die wenigsten erwarten. Außer vielleicht Elon Musk selbst. Denn dem Tech-Milliardär kann es gar nicht schnell genug gehen, wie sich gerade wieder zeigte: Als Musk im vergangenen Herbst ankündigte, alle Tesla-Fahrzeuge würden sich vollständig autonom bewegen können, sei das System längst nicht sicher genug gewesen, um das Auto zu steuern. Das berichtet gerade das Wall Street Journal.

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Demnach hatten die zuständigen Entwickler lautstark davor gewarnt, den Autopiloten freizugeben. Der Hauptverantwortliche für die Entwicklung des Systems habe nach Musks Ankündigung sogar das Unternehmen verlassen, ein anderer sprach öffentlich von „rücksichtslosen Entscheidungen, die möglicherweise Leben gefährden“. Angesichts seines nicht gerade zimperlichen Risikoverständnisses ist es also vielleicht gut, wenn der Tech-Vordenker mit seinen großen Ideen ab und an wieder zurück auf die Erde geholt wird.

Bild: BRENDAN SMIALOWSKI / Gettyimages

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