Wie geht es nach dem Refund.me-Exit weiter, Frau Büchner?

Vor wenigen Wochen hat die Refund.me-Gründerin und Ex-Tv-Moderatorin Eve Büchner ihr Startup verkauft. Ein Interview über die Gründe – und über Zukunftspläne.

Ohne großes Aufsehen hat das Potsdamer Fluggastrechte Startup Refund.me einen Exit hingelegt. Mitte November wurde das 2012 von der Ex-TV-Moderatorin Eve Büchner gegründete Unternehmen an eine Gruppe von US-Investoren verkauft – für einen zweistelligen Millionenbetrag. Das geht aus einer auf der Webseite veröffentlichen Mitteilung hervor.

Refund.me will Kunden helfen, ihre Rechte gegenüber Fluggesellschaften durchzusetzen. Über eine App oder die Website können Passagiere, deren Maschine Verspätung hatte, innerhalb von wenigen Minuten prüfen, ob sie gegenüber der Airline einen Anspruch auf eine Entschädigungszahlung haben. Für Kunden ist der Prozess kostenfrei und sie sollen bei einem Anspruch innerhalb von zwei bis vier Monaten bis zu 600 Euro zurückbekommen können. Refund.me behält allerdings 25 Prozent des gezahlten Ausgleiches als Provision ein, plus Mehrwertsteuer. Das Unternehmen mit Sitz in Potsdam, Palo Alto (USA) und Neu Delhi (Indien) ist in 150 Ländern aktiv.

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Gründerin Eve Büchner machte nie einen Hehl daraus, dass sie die Firma irgendwann verkaufen möchte: „Ich möchte eine nachhaltige Geschäftsidee verfolgen und meine Firma nicht mit viel Geld hochpumpen, den Markt einkaufen und dann das Unternehmen abstoßen", sagte sie im Sommer (Bezahl-Inhalt) gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Vor ihrer Karriere als Unternehmerin stand die mehrfache Mutter für die TV-Sender N-TV und Sat.1 als Moderatorin vor der Kamera. Sie weiß, wie sie die Öffentlichkeit für sich gewinnt. Anfang des Jahres sorgte sie mit einer öffentlichen Attacke auf den Chef der irischen Billigflugairline Ryanair für Furore. In einem offenen Brief prangerte sie die häufigen Verspätungen der Fluglinie sowie die schlechten Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter an. Dass der Exit vergleichsweise geräuschlos stattfand, ist deshalb ungewöhnlich.

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Wir haben mit Eve Büchner über die Hintergründe des Verkaufs gesprochen. Im Interview spricht die Gründerin über den hart umkämpften Markt, ihre fünf K's und ihre Zukunftspläne.

Warum haben Sie Refund.me verkauft, Frau Büchner?

Seit unserem Start vor fünf Jahren hat sich der Markt für die Durchsetzung von Fluggastrechten stark verändert. Pro Jahr kamen weltweit um die 30 Wettbewerber hinzu. Die margenknappen Fälle in einem nun überfüllten Markt teuer einzukaufen – das war nicht mehr meine Mission of Life. Der Zeitpunkt des Verkaufs hing dann aber mit privaten Gründen zusammen.

Welchen?

Im Frühjahr hatte ich eine OP, die mich erst mal außer Gefecht gesetzt hat. Zu der Zeit liefen die Verhandlungen über einen möglichen Verkauf allerdings bereits. Als ich wieder fit war, haben wir den Deal abgeschlossen. 

US-Investoren haben Ihr Unternehmen übernommen. Um wen handelt es sich?

Um eine Gruppe von Investoren aus dem Umfeld der Stanford-Universität. Genaue Namen kann ich aus vertraglichen Gründen nicht nennen.

Was soll bei Refund.me jetzt anders laufen?

Das Thema Durchsetzung von Fluggastrechten war durch unsere erstmalig eingeführte No-Win-No-Fee-Policy in Kombination mit starken Automatisierungen marktfähig geworden. Letzteres sehe ich heute mehr denn je als Schlüssel zum Erfolg in dem hart umkämpften Markt. Nur, wer auf einen hohen Grad an Automatisierung setzt, wird bestehen. Und mit dieser technologischen Orientierung werden auch die neuen Gesellschafter beim Unternehmen eine nächste Phase einleiten.

Was ändert sich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Nichts, sie bleiben weiterhin im Unternehmen beschäftigt. Derzeit gibt es vier operative Standorte. Etwa 20 Personen arbeiten in Potsdam, Berlin und Hamburg, weitere 50 in Delhi. Die Holding sitzt in Palo Alto, dort ist nur eine kleine Mannschaft von zwei, drei Leuten tätig.  

Für die Branche ging es in den letzten Wochen turbulent zu. Ein Grund ist die Air-Berlin-Pleite. Von der kriselnden Airline kamen viele Fälle. Haben Sie diese Auswirkungen auch zu spüren gekommen?

Nein. Beschwerden über Air Berlin haben bei uns zuletzt weniger als zehn Prozent unserer Fälle ausgemacht. 

Wie geht es jetzt bei Ihnen persönlich weiter?

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Bis zum Frühjahr werde ich mich zunächst meinen fünf K's widmen: Kinder, Körper, Klavier, Kompost – ich habe einen Garten mit Hühnern – und Küssen (lacht). Jetzt ist das Privatleben dran! Ein bisschen arbeite ich schon auch an einem neuen Projekt.

Können Sie uns schon verraten, um was es sich dabei handelt?

Statt Entschädigungszahlungen für verspätete Flüge zu erwirken, setzen wir künftig an einem früheren Punkt an. Gemeinsam mit Wissenschaftlern vom MIT in Boston arbeiten wir an einem System, mit dem Flugverspätungen vermieden werden können. Mehr dazu im Frühsommer.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Büchner. 

Bild: Refund.me/Steve Bergmann

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