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Ein Skateboard zum selber Ausdrucken

Das Team von Faraday Motion mit Gründer Sune Pedersen (rechts)

Im Team von Faraday Motion kann keiner skaten – trotzdem entwickelt das Startup elektrische Skateboards. Fans können sich die eBoards zuhause selber ausdrucken.

Sune Pedersen kurvt durch den Coworking-Space Rainmaking Loft in der Berliner Charlottenstraße. Wenn er beschleunigt, surrt unter seinen Füßen leise ein schwarz-neongrünes Brett mit vier Rädern. Zusammen mit dem vierköpfigen Team von Faraday Motion entwickelt der Däne ein neuartiges Skateboard. Das Besondere daran: Man kann es ausdrucken. Es ist elektrisch. Und es ist nicht für Skater.

Auf Github können sich Fans des Startups die aktuellen Entwürfe herunterladen und zuhause im eigenen 3D-Drucker Schicht um Schicht zusammenkleben lassen. Zwei Stunden dauert es dann noch, die einzelnen Teile zusammen zu bauen. Software und Elektronik schickt das Startup mit der Post zu. Wer keinen Drucker besitzt, bekommt das Modell für einen Aufpreis auch fertig zusammengebaut.

Ein Fan druckt ein transparentes Board

Die wirklichen Liebhaber fertigen ihre Skateboards jedoch selber. „Es gibt Leute, die zuhause mit Gravuren, Farben und unterschiedlichen Materialien experimentieren“, erzählt Pedersen. „Wir hatten sogar einen Kunden, der sein Skateboard aus durchsichtigem Plastik gedruckt hat, sodass man bis auf den Motor schauen konnte.“

2017 soll das neue Modell namens Hyperboard auf den Endkunden-Markt kommen. Allerdings richtet es sich weniger an eingefleischten Szene-Fans: „Ich kann gar nicht skaten“, sagt Skateboard-Entwickler Pedersen und lacht. „Das kann keiner aus unserem Team.“ Statt eines Sport-Gadgets soll das Hyperboard ein Fortbewegungsmittel für die Masse sein. „Es ist eher ein kleines Auto“, sagt Pedersen.

Die Steuerung erfolgt über einen Joystick oder das Smartphone, das sich via App mit dem Board verbindet. Das könne jeder in drei Minuten lernen, versichert Pedersen. Kippt der Fahrer das Handy während der Fahrt nach unten, beschleunigt das Board. Wer den Daumen vom Display nimmt, macht eine Vollbremsung.

Die Community hilft beim Entwickeln

Je nachdem, wie viel Druck und Bastelarbeit der Kunde übernimmt, schwankt der Preis für das Skateboard zwischen 500 und 700 Euro. „Es ist wie ein Ikea-Schrank“, sagt Pedersen, „den kann sich jeder selbst zuhause zusammenbauen. Dadurch wird es günstiger.“ Das dänische Hyperboard kann außerdem noch um andere Module erweitert werden. So beschleunigen die Elektro-Motoren der Standardausführung das Skateboard auf bis zu 30 Kilometer pro Stunde. 15 Kilometer am Stück schafft das Board. Wer längere Strecken zurücklegen will, kann weitere Akkus verbauen. „Das dauert gerade einmal zwei Minuten“, so Pedersen. Mit zusätzlichen Motoren kann das Hyperboard sogar bis zu 90 Kilometer pro Stunde schnell werden. „Das wäre dann aber Extremsport“, so Pedersen. „Schon ein wenig gefährlich.“

In Zukunft will das Startup auf die kreative Intelligenz seiner Community setzen. „Rund 20 Prozent unserer Kunden schicken uns neue Design-Entwürfe zu oder schlagen uns alternative Lösungen vor“, sagt Pedersen. „Wir hatten beispielsweise Probleme mit heiß laufenden Motoren, die wir mit Hilfe unserer Kunden lösen konnten.“ Damit will das Startup in diversen Branchen mitmischen. So könnten abgeänderte Formen der Boards auch in Krankenhäusern oder als Transport-Vehikel in Lagerhallen zum Einsatz kommen. „Wir suchen eine Nische nach der anderen“, sagt Pedersen.

Mit der Idee eines elektrisierten Skateboards ist das Startup Faraday Motion nicht ganz alleine auf dem Markt. So sammelt das kalifornische Startup Acton gerade auf Indiegogo über 900.000 Dollar für ein eSkateboard in einer Crowdfounding-Kampagne ein. Eine Ausdruckfunktion wie das Startup aus Dänemark versprechen die Kalifornier aber nicht.

Was fehlt: die Straßenzulassung

Für das Hyperboard von Faraday Motion gibt es bereits über 1.000 Bestellungen, unter anderem aus Deutschland, Finnland und Weißrussland. Bisher hat Faraday Motion aber erst 50 Boards produziert. Gewinn fährt das Startup damit noch nicht ein: Noch druckt das Team alle Teile aufwendig an kleinen 3D-Druckern aus. 2017 will Faraday Motion deswegen die Produktion professionalisieren, um Kosten zu sparen.

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Das Startup hat außerdem ein großes Problem: Auf deutschen Straßen fehlt die Zulassung. Darum will sich das Unternehmen zwar bemühen, bisher ist das Fahren des Hyperboards im Straßenverkehr aber eigentlich verboten. „In Finnland gibt es keine Probleme, in Deutschland sind sie sehr strikt“, sagt Pedersen. Auch in Kopenhagen ist das Fahren von selbstbeschleunigenden Skateboards verboten. „Da halten dich die Polizisten aber eher aus einem anderen Grund an“, sagt Pedersen. „Die wollen immer wissen, wo sie selbst so ein Teil kaufen können.“

Bild: Faraday Motion

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