Container-Spediteur Flexport greift Berliner Startup FreightHub an

Immer mehr Startups tummeln sich auf dem Multimilliarden-Logistikmarkt. Ein Startup aus dem Silicon Valley will jetzt in Europa Fuß fassen.

Die digitale Containerspedition Flexport aus dem Silicon Valley eröffnet nun eine Niederlassung in Hamburg. Ausgestattet mit Wagniskapital von zuletzt 110 Millionen US-Dollar setzt das Unternehmen seinen Wachstumskurs weiter fort. Für deutsche Unternehmen wie Freight Hub, die das Geschäftsmodell von Flexport geklont haben, könnte der Markteintritt des Originals bedrohlich werden. Flexport kündigte an, in den nächsten zwei bis drei Jahren mehr als 100 Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen.

Flexport ist eine digitale Containerspedition, die ihren Kunden Echtzeit-Informationen am Bildschirm bietet. Die Nutzer können so den Standort ihres Containers nachvollziehen sowie diverse Dienstleistungen buchen. Branchenkreise beziffern den Wert des Unternehmens mit 800 Millionen US-Dollar. 

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Hinter dem 2013 gegründeten Unternehmen stehen namhafte Investoren, wie zum Beispiel DST Global, Felicis Ventures und Peter Thiels Founders Fund – der PayPal-Gründer führte gar die B-Runde über 65 Millionen US-Dollar an. Nach Flexports Series C-Finanzierungsrunde im Oktober 2017 treibt das Unternehmen die globale Expansion voran. Bislang wurden Büros in Amsterdam, Hong Kong, Los Angeles, New York, San Francisco, Atlanta und Shenzhen eröffnet. Flexports Firmenzentrale befindet sich in San Francisco. 

Aus dem Silicon Valley nach Hamburg

Nun folgt Hamburg. Der Hafen ist mit mehr als 9.000 Schiffsanläufen pro Jahr und 2.300 Güterzügen pro Woche einer der leistungsstärksten der Welt. Allein im Jahr 2016 wurden mehr als 138 Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen „Hamburgs Hafen gehört zu einem der bedeutendsten Häfen in ganz Europa. Deshalb stand es für uns außer Frage, nach Hamburg zu expandieren”, kommentiert Flexport-Gründer und CEO Ryan Petersen den strategischen Schritt. Er hofft dadurch auf mehr Kundennähe, niedrigere Kosten und Zugang zu Luft-, Land- und Seeverkehren in Zentraleuropa.

Mit Flexports Schritt nach Deutschland verschärft sich auch der Wettbewerb für das Berliner Startup Freight Hub, das mit dem gleichen Geschäftsmodell wie Flexport arbeitet. Michael Wax, Ferry-Heilemann und Erik Muttersbach haben Freight Hub 2016 gegründet. Ferry Heilemann und sein Bruder Fabian kennen sich mit dem Klonen von Geschäftsmodellen aus. 2009 haben sie DailyDeal gegründet, einen Klon des Gutschein-Dienstes Groupon.

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Im November schloss das Freight Hub eine Finanzierungsrunde über 20 Millionen US-Dollar ab. Angeführt wurde die Runde vom Risikokapitalgeber Northzone, der auch einer der ersten Finanziers des Streamingdienstes Spotify war. Beteiligt haben sich ferner der Rocket-Internet-Fonds Global Founders Capital (GFC), Cherry Ventures, Cavalry Ventures und La Famiglia. 

Zahlreiche Firmen im Logistikmarkt

Der stark fragmentierte Logistik-Markt ist bei Startups beliebt. Sie alle verfolgen unterschiedliche Ansätze, um einzelne Logistikaufgaben zu optimieren.

Instafreight hatte im November 2017 den Abschluss einer A-Runde über acht Millionen Euro bekanntgegeben. Das Startup des Unternehmensentwicklers Rocket Internet wurde 2016 gegründet. Es will die Lieferkette in der Frachtbranche verkürzen und daraus Umsatzmargen abschöpfen. Instafreight hat sich auf Flottendisposition und Einsatzsteuerung von Fahrzeugen spezialisiert.

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Cargonexx ist eine Digitalspedition im Schwerlast-Fernverkehr innerhalb Deutschlands. Sie bietet ein Netzwerk aus registrierten Transportunternehmern. Kunden finden auf der Plattform den passenden Frachtführer, der zu einem tagesaktuellen Festpreis vermittelt wird. Das Unternehmen wurde 2016 in Hamburg gegründet.

Tiramizoo ist ein Stadtkurier-Logistikdienst, der Kunden unter anderem von Zalando, Mediamarkt und Mercedes in mehr als 80 deutschen Ballungsräumen am Tag der Bestellung beliefert. Gegründet wurde das Unternehmen 2010 in München. An dem Unternehmen sind Shell, Daimler und der Paketdienst DPD beteiligt

Liefery bietet eine ähnliche Dienstleistung wie Tiramizoo und Amazon mit seinem Prime-Now-Angebot. Beteiligt ist der Logistiker Hermes der Otto-Group.

Fleet Logistics mit Sitz in Portland im US-Bundesstaat Oregon betreibt eine Online-Plattform, über die Unternehmen ihre internationalen Frachtaufträge per Schiff und Flugzeug digital abwickeln können. Gegründet wurde das Startup im Jahr 2014. Die Lufthansa investierte zehn Millionen Euro in das Unternehmen.

Bild: Andreas Rentz/Getty Images

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