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Fliegende Autos: Bald reif für den Massenmarkt?

Das neue Hover-Bike Scorpion 3 des Startups Hoversurf

Einige Firmen basteln daran, Autos zum Fliegen zu bringen. Nun gehen die ersten Prototypen in Serie – und erinnern an Star-Wars-Gleiter und schwebende Katamarane.

So hat George Lucas sich das erträumt: Wie auf einem Renngleiter sitzt der Testpilot auf dem Scorpion 3, dem neuesten Hover-Bike des Startups Hoversurf. Vier Rotoren schrauben das Fluggerät langsam in die Höhe, tragen es ein paar Meter weiter und setzen das Bike dann sanft auf dem Hallenboden ab. Ganz so kampferprobt wie die Science-Fiction-Flitzer in den Star-Wars-Filmen ist der Scorpion noch nicht – doch die Ähnlichkeiten zwischen dem Fluggerät und den Speeder Bikes aus George Lucas’ Klon-Kriegen sind verblüffend. Schon angesichts der frei liegenden Rotoren ist der Scorpion derzeit wohl nicht massentauglich. Eines Tages soll er aber etwa 140.000 Euro kosten.

In San Francisco hat das Hoversurf ein Büro. Ursprünglich stammt es jedoch aus Russland. Sein Hover-Bike sieht das Storm-Trooper-Startup zwar als ein Extremsport-Gerät. Im Prinzip ist aber klar, dass es weitaus mehr sein könnte. Fluggeräte, die Menschen über kurze und mittlere Distanzen transportieren und als Senkrechtstarter möglichst keine Start- und Lande-Infrastruktur benötigen, dürften die urbane Mobilität revolutionieren.

Erst kürzlich hat der chinesische Drohnenbauer Ehang angekündigt, noch im Sommer diesen Jahres mit dem Regelbetrieb von fliegenden Taxis in Dubai zu beginnen. Auch bei anderen Pionieren für fliegende Autos und bemannte Drohnen mehren sich die Zeichen, dass aus den Sci-Fi-Prototypen schon in wenigen Jahren mehr werden könnte. Zeit für einen Überblick.

Der fliegende Katamaran

Gerade in Deutschland tüfteln einige Unternehmen an einer Art fliegendem Auto. Darunter ist Carplane von Entwickler John Brown aus Braunschweig. Sein Carplane erinnert an ein gestutztes Flugzeug, hat wie ein Katamaran zwei Rümpfe und kann im normalen Straßenverkehr fahren. Zum Fliegen sollen zwei Tragflächen ausgefahren werden. Ein Propeller am Heck übernimmt den Antrieb. Zuletzt kämpfte Carplane mit den strengen Abgasvorschriften auf deutschen Straßen. Denn um bei der Zulassungsstelle als Auto durchzugehen, muss der Luftfahrtpionier sich an die gleichen Vorschriften wie Opel, BMW und – mittlerweile auch wieder – VW halten. Bei leistungsstarken Flugmotoren kein leichtes Unterfangen.

Das Startup mit den berühmten Investoren

Weitaus bekannter dürfte das Münchner Startup Lilium Aviation von Gründer Daniel Wiegand sein. Dank der beiden namhaften Investoren Frank Thelen und Skype-Gründer Niklas Zennström hat der Elektrojet von Lilium Aviation schon einige Aufmerksamkeit bekommen. Zuletzt gab Zennströms Investmentfirma Atomico zehn Millionen Euro. Auch die Europäische Raumfahrtorganisation ist mit an Bord. In München entwickelt Lilium einen Senkrechtstarter in futuristischem Design. Erste Testflüge sind für Anfang 2017 angekündigt. Über 300 Kilometer soll der Elektroflieger in einer Stunde zurücklegen können, bevor er an die Steckdose muss. Um seine E-Technologie weiter zu entwickeln, sucht das Startup seit langem Experten. Vor einer Woche warb Lilium deswegen Meggy Sailer als Head of Recruiting von Tesla ab. Sailer hatte zuvor fünf Jahre beim Elektro-Pionier gearbeitet.

Der Tesla unter den fliegenden Autos

In der Slowakei ist man schon weiter. Dort bastelt ein Startup an einem fliegenden Sportwagen. Das blau-weiße Aeromobil kann seine acht Meter breiten Tragflächen auf dem Rücken zusammenfalten und ist nicht viel größer als ein normaler Familienwagen. Erste bemannte Testflüge waren schon erfolgreich, bis Erfinder Stefan Klein 2015 bei einem Rundflug nahe der slowakischen Stadt Nitra wegen technischer Probleme aus 300 Metern abspringen musste. Das Fluggerät stürzte danach ab und wurde schwer beschädigt.

Trotzdem will das Startup seinen Flitzer noch dieses Jahr auf den Markt bringen. 200.000 Euro und eine Pilotenlizenz müssen Flugenthusiasten dafür aufbringen. Bis zu 700 Kilometer soll das Aeromobil in der Luft zurücklegen können. Auf der Straße schafft es das Flug-Gefährt auf beachtliche 160 Kilometer pro Stunde und braucht eine mindestens 300 Meter lange Startbahn, um abzuheben.

Der schwebende Renn-Bob

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Ebenfalls kurz vor dem kommerziellen Vertrieb steht das Modell Liberty des niederländischen Unternehmens PAL-V. Das Fluggerät erinnert an einen Renn-Bob auf Rädern. Auf dem Verdeck ist ein ausklappbarer Rotor montiert, dem der Liberty seine Flugfähigkeit verdankt. Bei dem Gefährt handelt es sich um einen sogenannten Gyrocopter, dessen Rotoren erst durch den Fahrtwind in Drehung versetzt werden. Den Schub liefert ein zweiter Propeller am Heck. Zwischen fünf und zehn Minuten dauert es, die Flugmodule auszufahren. Wie das Unternehmen erst vor wenigen Tagen mitteilte, können Interessenten sich erste Serienmodelle reservieren. Der Preis rangiert zwischen 300.000 Dollar und 600.000 Dollar. Auslieferungstermin ist in anderthalb Jahren.

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Der Drohnen-Hubschrauber

Nicht ganz so schnittig, aber kaum weniger futuristisch sieht der E-Volo aus dem deutschen Bruchsal aus. Anders als die anderen Flugmodelle kann er nicht auf der Straße fahren, ähnelt also keinem Auto, sondern verfügt unter seinem Helikopter-Cockpit nur über Kufen. Statt des üblichen Hubschrauber-Rotors auf dem Dach besitzt der Volocopter eine Scheibe mit 18 fest montierten Rotoren – ähnlich wie bei einer Drohne. Dadurch kann der E-Volo aus dem Stand abheben, liegt stabil in der Luft und kann auch bei mehreren Propeller-Ausfällen noch sicher landen. CEO Alexander Zosel will sein Gefährt vor allem als Sportmittel vermarkten. 340.000 Dollar soll der E-Volo letztlich kosten.

Bild: Youtube / Hoversurf

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