Flugtaxi-Startup Lilium bekommt 90 Millionen Dollar

Leuchtturm-Finanzierung für ein Unternehmen, das große Pläne hat: Lilium will mit viel Kapital den Traum vom alltäglichen Fliegen wahr machen.

Sie haben etwas gebaut, das uns bislang nur in Science-Fiction-Filmen begegnete: das weltweit erste elektrisch angetriebene Flugzeug, das sowohl senkrecht starten und landen als auch vorwärts fliegen kann – all das leiser und schneller als ein Auto. Im Jahr 2015 gründeten Daniel Wiegand, Sebastian Born, Matthias Meiner und Patrick Nathen das Startup Lilium und begannen mit der Entwicklung.

Nun füllt das Startup die Kassen. Der chinesische Internetkonzern Tencent investiert zusammen mit der Liechtensteiner Privatbank LGT und dem von Twitter-Mitgründer Ev Williams gestarteten VC Obvious Ventures insgesamt 90 Millionen Dollar in das Unternehmen, das seinen Sitz in Gilching bei München hat.

Mit dem Kapital will Lilium vor allem sein Fluggerät weiterentwickeln: Während das Startup im Frühjahr Schlagzeilen mit dem Jungfernflug eines zweisitzigen Fliegers machte, soll die Zukunft des Unternehmens in einem Fünfsitzer liegen. Das bedeutet: Statt die Flugzeuge an Privatbesitzer zu verkaufen, sollen bald Flugtaxi-Flotten mehrere Insassen durch die Luft befördern.

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Derzeit arbeiten bei Lilium rund 70 Mitarbeiter, genaue Informationen will das Unternehmen nicht verraten. Nur so viel: Mit dem neuen Kapital soll das Team ordentlich wachsen, rund 60 Stellen sind derzeit ausgeschrieben. Vor der jüngsten Finanzierungsrunde hatten zunächst Investor und DHDL-Löwe Frank Thelen sowie später Skype-Gründer Niklas Zennström, dessen Gesellschaft Atomico nun sein Engagement erhöhte, das Unternehmen finanziert. Etwas mehr als zehn Millionen Euro standen Lilium bislang zur Verfügung.

Der Lilium-Jet soll mit einer einzigen Aufladung 300 Kilometer weit fliegen können und dabei eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h erreichen. Die elektrischen Motoren verursachen dabei kaum Lärm, versprechen die Gründer. Da zudem keine besondere Infrastruktur erforderlich ist, könne der Jet sowohl in kleinen Städten und Dörfern als auch in großen Stadtzentren und dicht bewohnten städtischen Gebieten zum Einsatz kommen.

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Auf die Idee sei CEO und Mitgründer Daniel Wiegand während eines Auslandssemesters im schottischen Glasgow gekommen, als ihn ein Youtube-Video eines Senkrechtstarters der US-Militärs beeindruckte. Das müsse sich doch auch für den Personenverkehr umsetzen lassen, denkt er sich. Zurück in Deutschland formiert sich das Gründerteam, danach tut sich viel. Lilium findet Investoren, wird in den Accelerator der Weltraumbehörde ESA aufgenommen, baut erste Prototypen. Der Beweis, dass das Konzept des Gründer-Quartetts funktioniert, wird erst im kleinen erbracht. Seit dem Jungfernflug ist dann klar: Lufttaxis sind keine Science-Fiction mehr.

Wir haben mit CEO und Mitgründer Daniel Wiegand über das neue Investment gesprochen – und darüber wann uns der Lilium-Jet ohne Pilot am Steuer zur Arbeit bringen kann. Das Interview lest ihr hier.

Im Video stellen die Gründer ihren elektrischen Jet vor:

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Bild: Lilium

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