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So landet man ein Flugzeug, wenn man wirklich Ahnung davon hat

Knöpfchen drücken und der Rest läuft von selbst? Ganz im Gegenteil, sagt unser Pilot

Beide Piloten fallen aus und ein Passagier muss das Steuer im Airbus übernehmen. Kann das überhaupt gut gehen? Ein Pilot erklärt, was möglich ist – und was nicht.

Es ist das Horror-Szenario schlechthin: In etwa 8000 Metern Höhe werden Kapitän und Co-Pilot bewusstlos. Das Flugzeug  ist führungslos. Nun muss ein Passagier das Ruder übernehmen. Aber kann ein Laie überhaupt ein Flugzeug sicher landen – geschweige denn den Autopiloten einschalten?

Im Netz machen seit einigen Jahren vermeintliche Tutorial-Videos die Runde, in denen gezeigt wird, wie ein Airbus im Notfall gelandet werden kann. Wir haben einen Piloten gefragt, was dran ist. Er möchte anonym bleiben. Für ihn steht fest: „Man wird kein Pilot in fünf Minuten.“

Ohne Vorbildung sei es nahezu ausgeschlossen, dass ein Laie ohne externe Hilfe ein Passagier-Flugzeug sicher landet, sagt der langjährige Pilot. In sechs Punkten erklärt er, in welcher Situation es kritisch werden könnte  – und was ein Passagier trotzdem leisten kann.

1. Ins Cockpit kommen

Da es eine Sicherheitstür gibt, die nur per Code oder von innen geöffnet werden kann, ist der Zugang zum Cockpit schon mal das erste Problem. Die Crew verfügt über einen dreistelligen Sicherheitscode. Sind die Piloten beispielsweise bewusstlos und melden sich nicht innerhalb von 30 Sekunden, wird die Tür nach Ablauf der halben Minute für fünf Sekunden geöffnet.

2. Bewusstlosen Piloten aus dem Sitz ziehen

Wer schon mal einen betrunkenen Freund aus der Kneipe nach Hause schleppen musste weiß, wie schwer ein spannungsloser menschlicher Körper sein kann. Um einen bewusstlosen durchschnittlich 75 bis 80 Kilogramm schweren Menschen aus dem recht engen Cockpit-Sitz heraus zu bekommen, braucht es allein schon im Training zwei Flugbegleiter, die das vorher geübt haben.

3. Kommandos per Funk verstehen

Angenommen der Passagier hat es bis auf den Pilotensitz geschafft. Damit das Flugzeug nicht mit anderen in der Luft oder auf dem Rollfeld kollidiert, braucht es die Absprache mit den Fluglotsen. Der Lotse hört einen aber nur, wenn man die Sprechtaste des Funkgeräts drückt. Dazu muss zuvor das Headset aufgesetzt werden. Diese Taste ist eine der wenigen, die nicht extra beschriftet ist. Mit dem Lotsen wird in der Regel englisch gesprochen.

4. Autopiloten bedienen

Vermutlich könnte ein Lotse mit einem assistierendem Piloten neben sich dem Passagier erklären, was zu tun ist. Was in den Tutorial-Videos allerdings nicht zu sehen ist: Die Knöpfe haben nicht nur Dreh-, sondern noch mehr Funktionen. Die Chance, dabei einen Fehler zu machen, ist sehr hoch. Allerdings hilft auch die Autopilotfunktion nichts, wenn nicht zuvor auch der richtige Anflug programmiert wurde und das Flugzeug in die Landephase versetzt wurde. Dazu muss allerdings der Bordcomputer bedient werden.

5. Bordcomputer bedienen

Für jemanden, der noch nie einen Bordcomputer bedient hat, ist die Bedienung sehr kompliziert. Es gibt verschiedene Menüs, die durchlaufen werden müssen, um den Flugweg horizontal und vertikal zu programmieren. Dazu braucht es Wetter- und Performance-Daten, ohne die das Flugzeug nicht automatisch landen kann. Erschwerend kommt hinzu, dass auch der Flughafen für eine solche Landung ausgerüstet sein muss. Ob die Programmierung zusammen mit dem Lotsen möglich wäre, ist eher fraglich.

6. Von Hand landen

Es wäre schon ein Glücksfall, die Maschine händisch auch nur einigermaßen sicher zu landen. In dem Video ist es der fünfte Versuch – nach vier Abstürzen. Im Simulator war wahrscheinlich das beste Wetter ohne Wind eingestellt. Aber gerade der Airbus reagiert aufgrund seiner Architektur nicht direkt auf Steuerimpulse. Ein Pilot absolviert seine ersten Landeversuche in diesem Flugzeug-Typ mit Hilfe eines erfahrenen Kapitäns, der kontinuierlich Hinweise gibt. Kommen Wind und Wetter dazu, wird das Manövrieren noch bedeutend schwieriger.

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Bild: YouTube / Screenshot

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