Mit diesem neuen Großinvestor will Flixbus unangreifbar werden

Einfach nur ein Monopolist im Fernbusmarkt zu sein, reicht Flixbus nicht. Mit einem neuen Investor sollen jetzt wichtige Pläne umgesetzt werden.

Ein Monopolist ist Flixbus in Deutschland praktisch schon, und kaum einer in der Branche wächst derzeit auch in Europa so schnell wie der Fernbusbetreiber aus München. Doch nun macht das Startup den nächsten Schritt, um das ganz große Rad zu drehen. Flixbus hat nach Informationen der Welt mit der US-Beteiligungsgesellschaft Silverlake den nächsten großen Investor an Bord geholt.

Silverlake mit Sitz im Silicon Valley ist ein potenter Partner. Die Kalifornier, die unter anderem auf Investments in mittelständische Firmen spezialisiert sind, halten auch Anteile an Branchenriesen wie Alibaba, dem chinesischen Rivalen von Ebay oder Amazon, an Dell, Skype oder am Börsenbetreiber NASDAQ. „Mit Silverlake haben wir einen Partner, dessen Wissen für unsere Internationalisierungsstrategie und die Weiterentwicklung unserer technischen Plattformen sehr wertvoll ist“, sagt André Schwämmlein, einer der drei Gründer und Chefs von Flixbus.

Natürlich bringt Silverlake Geld mit. Wie viel verraten die Münchner nicht, und weil das Startup eine GmbH ist und auch bleiben soll, sind sie nicht mittteilungspflichtig. Klar ist nur, dass General Atlantic (GA), der andere an dem Fernbusbetreiber beteiligte Private-Equity-Fonds, größter Investor bleiben wird.

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Bringt der Investor einen großen Sprung nach vorn?

Vor dem Einstieg Silverlakes hatte GA einen Anteil an Flixbus von etwas über 35 Prozent. Daneben sind Daimler und Holtzbrinck größere Investoren. Den Flixbus-Machern geht es aber neben dem frischen Kapital auch darum, mit Hilfe von Silverlake technisch einen großen Sprung nach vorn zu machen.

Das bestehende Liniennetz soll effizienter geführt, die Auslastung der Busse gesteigert werden. Neue Kundengruppen sollen angesprochen werden. Dafür muss man wissen, wann und wohin die Leute fahren wollen, und welche Kundengruppen das jeweils sind: Sparfüchse, Studenten, Rentner, Ausflügler. Nur so kann man passgenaue Angebote machen.

Mit den Daten von mittlerweile 50 Millionen eigenen Passagieren in ganz Europa wird es für das Startup zwar immer leichter, Fahrgastaufkommen und Preissensibilität vorherzusagen. Doch um daraus neue Angebote machen zu können, sind neue technische Plattformen nötig.

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Dabei, Schwämmlein nennt es den „datengetriebenen Umgang mit dem Netz“, soll Silverlake helfen. Um weiter wachsen zu können, muss sich Flixbus so ausrichten, wie es beispielsweise der Chauffeurdienst Uber tut. Es geht darum, die Buchungssysteme mit den möglichst besten Algorithmen zu haben, damit man zum größten Kundenaufkommen an den meistnachgefragten Orten das beste Angebot machen kann. Außerdem will Flixbus seine Fahrer besser schulen. „Dafür wollen wir eine Art E-University aufbauen“, so Schwämmlein.

Das Wachstum geht in einigen Ländern weiter

Bislang ist Flixbus in acht Ländern mit nationalen Netzen aktiv. Von dort werden 20 Länder angefahren. Die Aussichten, weiter zu wachsen, sind gut. Gerade in Deutschland. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) geht von 25 Millionen Fahrgästen in den Fernbussen aus, im Vorjahr waren es 23,2. Für 2017 erwartet der Verband noch mehr Passagiere als in diesem Jahr.

Profitieren würde davon fast ausschließlich Flixbus. Der Marktanteil liegt hierzulande bei rund 90 Prozent. Binnen viereinhalb Jahren ist das Startup zu einem Branchenriesen gewachsen. 1000 Mitarbeiter hat Flixbus inzwischen, Konkurrenten wie City2City oder Deinbus wurden einfach überrollt, der größere Rivale MeinFernbus geschickt geschluckt, Postbus und Megabus aufgekauft.

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Und auch die Bahn, einstmals einziger Anbieter bei innerdeutschen Fernbussen, hat weitgehend aufgegeben. „Kein Geschäftsmodell für uns“, heißt es im DB-Konzern. Nach großen Verlusten gab Bahn-Chef Rüdiger Grube einen weitgehenden Rückzug bekannt. Er war von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gegen heftiges Sträuben dazu gedrängt worden, mit eigenen Angeboten im Fernbusgeschäft verstärkt mitzumischen. Ohne Erfolg.

Nur: Auch Flixbus verdient noch immer kein Geld. Doch das soll sich jetzt ändern. Zumindest in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird das Startup in diesem jahr schwarze Zahlen schreiben, verspricht Schwämmlein.

Im nächsten Jahr will er europaweit 100 Millionen Passagiere befördern. Die große Euro-Expansion läuft bereits. In Italien und den Niederlanden ist Flixbus schon die Nummer eins, in Frankreich gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Staatsbahn SNCF. Die grünen Busse rollen durch Österreich, Kroatien, Belgien, als Nächstes steht Skandinavien auf dem Fahrplan.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt.de.

Foto: Flixbus

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