In diese Mobilitätsbereiche sollten Startups investieren

Die Transformation der Autoindustrie hat gerade erst begonnen. Damit stehen die Chancen gut für Gründer. Diese fünf Technologien werden in naher Zukunft gefragt sein.

Endlich öffnet sich die Autoindustrie für Startups. Den großen Herstellern ist klar geworden, dass sie die Transformation nicht alleine meistern können. Neue Ideen sind gefragt und dabei kristallisieren sich vor allem fünf Bereiche heraus, die von der Industrie gefragt sind und auf die Gründer nun setzen sollten.

Ladesäulen E-Infrastruktur

Alle wollen den Wandel zur E-Mobilität, aber keiner will anfangen. So ungefähr kann man die momentane Lage bei der Infrastruktur für die Elektromobilität zusammenfassen. Schon jetzt gibt es für die knapp 50.000 E-Auto immerhin 25.000 Ladestellen, davon laden allerdings 22.000 nur langsam mit 22 kW. Bis 2020 will die Bundesregierung 70.000 Ladestellen schaffen, darunter einige tausend Stationen, die mit bis zu 150 kW laden. Eine gigantische Aufgabe, die nicht allein von der Industrie geleistet werden kann.

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Das Startup Ubitricity ist ein Beispiel, dass man im Markt Geld verdienen kann. Das Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, wie man aus Straßenlaternen mit wenig Umbaukosten eine Ladestation zaubern kann. Vor allem in den ländlicheren Regionen werden solche Ideen gesucht. Man muss also gar nicht in internationalen Maßstäben denken

Ebenfalls dürfte die Frage, wie man den gezapften Strom bequem bezahlen kann, eine wichtige Rolle spielen. Cryptowährungen und Blockchain werden hier besonders wichtig sein. Bisher gibt es in diesem Markt nur wenige Anbieter. Das betrifft vor allem eine europaweite Zahlungsoption. Das E-Wallet von ZF traf bisher nur auf wenig Begeisterung, auch weil die Hersteller diese Technologien lieber im eigenen Haus haben wollen. Eine White-Label-Lösung wäre an dieser Stelle gefragt.

Akku-Recycling

Zu den großen ungelösten Fragen der E-Mobilität gehört die Frage, was mit den verbrauchten Akkus aus den E-Autos späterhin passiert. Daimler setzt darauf, die alten Batterien zu Hausspeichern umzubauen. Aber das kann nicht alleine die Lösung sein. Man wird sich weitere Anwendungen überlegen müssen. Erste Ansätze, alte Akkus als Hausspeicher in Länder zu importieren, die dringend ihr Stromnetz verbessern müssen, gibt es bereits. Doch es fehlt an Unternehmen, die diese Geschäftsideen auch nutzen.

Auch beim Thema Recycling besteht noch viel Nachholbedarf. Ob die Akkus nun einer Zweitverwertung zugeführt werden oder die Metalle der Akkus extrahiert werden – beide Bereiche stehen erst am Anfang ihrer Entwicklung. Bisher machte diesbezüglich nur das Unternehmen Redwood Materials auf sich aufmerksam, ein Startup, das von zwei ehemaligen Tesla-Managern gegründet wurde.

Dabei stecken laut Business Newswire bis zu 20 Milliarden Dollar im Markt, dessen Wachstum aber erst nach 2025 erst so richtig ins Rollen kommen könnte.

Software

Während früher der Motor das Herzstück eines Autos war, ist es heute die Software. Die ersten Startups gibt es bereits, die die Industrie in der Softwareentwicklung unterstützen. Das Berliner Unternehmen Re2You gehört dazu. Es arbeitet mit mehreren deutschen Herstellern zusammen.

Vor allem im Bereich der Sicherheit wird es nicht ohne Startups gehen. Daimler, Audi und auch VW unterhalten jetzt schon Büros in Tel Aviv, dem Hotspot in Sachen Software-Sicherheit. Hier bietet sich für deutsche Startups eine riesige Chance. Denn Hacker-Angriffe auf Autos werden in Zukunft sicher nicht ausbleiben. Allein für den Bereich Sicherheit könnte in den nächsten Jahrzehnten ein zweistelliger Milliardenbetrag ausgeben werden. Hier bieten sich für Startups gleich mehrere Chancen, etwa als Zulieferer.

Selbiges gilt auch für die App-Programmierung. Zwar entwickeln die Hersteller vieles selber, ihnen fehlt aber weiterhin die Erfahrung in diesem Bereich. Apps werden die Schaltzentrale für die zukünftigen Autofahrern sein.

Künstliche Intelligenz

Kaum ein Thema wird im Moment stärker behandelt. Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz wird schon jetzt von der Industrie mit viel Geld gefördert. Künstliche und maschinelle Intelligenz soll nicht nur autonome Autos beflügeln, sondern auch seinen Einsatz im Bereich des Flottenmanagements und der Datenverarbeitung finden. Die Technologie kommt immer häufiger von Zulieferern und Startups.

So musste sich beispielsweise Tesla bei Nvidia Hilfe suchen, während GM vor ein paar Jahren eine Milliarde Dollar für ein Startup namens Cruise Automation ausgegeben hat. Dass so viel Geld für KI-Startups fließt, zeigt, wie ernst es die Autoindustrie meint.

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Die Einsatzfelder für die künstliche Intelligenz beschränken sich aber nicht nur aufs Auto, sondern betreffen auch die Produktion. Automation, auch Industrie 4.0 genannt, dürfte in den nächsten zehn Jahren zu den wichtigsten Elementen bei der industriellen Transformation gehören.

E-Commerce-Dienste

Schon jetzt suchen Hersteller Startups, die das Portfolio durch Dienstleistungen beim E-Commerce weiter ausbauen. Porsche hat in das Parkplatz Startup Evopark investiert, Daimler baut eine ganze „Startup Autobahn“ und hat mit dem separaten Abteilung „Case“ einen Investmentarm für Business Innovation aufgestellt. VW wiederum gründet seine Startups wie Moia gleich selber und baut eigene E-Commerce Dienste auf.

Es ist noch viel Luft im Markt, auch wenn sich schon etliche Anbieter um den Platz im Auto drängeln. So wollen die beiden Startups „Pace“ und „Vimcar“ das elektronische Fahrtenbuch für künftige Autogeneration stellen. Jeder Hersteller wird nach einem passenden Dienstleister suchen – und in China und den USA haben sie meinst andere Vorstellungen als europäische Autobauer.

Die Vernetzung mit Smart Home Geräten ist ebenso ein Thema für die Zukunft. Dazu gehört das mobile Office oder die Bestellung von Lebensmitteln von unterwegs. Es fehlt vor allem an Dritt- und Vergleichsanbietern, die den Autofahrern neue Dienste anbieten. Hier bieten sich für Startups vor allem Exit-Möglichkeiten, denn gerade Lifestyle- und E-Commerce-Anbieter wollen Hersteller möglichst exklusiv an sich binden.

Bild: Getty Images/Busakorn Pongparnit

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