iNext: Kommt 2021 der erste selbstfahrende BMW?

Alle großen Autobauer reden über autonomes Fahren. BMW belegt nun erstmals die eigenen Fortschritte: Schon in wenigen Jahren sollen Fahrer überflüssig sein.

Man muss schon genau hinschauen, um zu erkennen, dass es sich bei den silberfarbenen BMW 7ern um die ersten autonomen Testfahrzeuge des Münchner Autobauers handelt – zumindest von außen. Statt großer Dachaufbauten wie bei anderen Herstellern, sind die nötigen Kameras und Sensoren bereits so gut versteckt, dass sie kaum noch zu sehen sind. Nur zwei kleine Metallhügel sind noch auf dem Fahrzeugdach zu sehen.

Deutlicher werden die Unterschiede im Innern: Ein blau leuchtender LED-Ring im Lenkrad signalisiert, dass das Auto allein fährt. Soll der Fahrer wieder übernehmen, der zur Sicherheit immer an Bord ist, verwandelt sich der Leuchtring in einen Countdown und verschwindet nach und nach. Kurz bevor er nicht mehr zu sehen ist, schlägt das Lenkrad erst mit gelben, dann mit roten Leuchtsignalen und Tönen Alarm.

Bislang muss man großes Glück haben, um eines der 40 Testfahrzeuge auf den Straßen in und um München zu entdecken. Doch schon bald will BMW die Flotte deutlich vergrößern. Schon im kommenden Jahr werden es doppelt so viele autonome Fahrzeuge sein, bis 2020 sollen 185 selbstfahrende Autos im Testbetrieb sein.

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2021 soll ein teilautonomes Auto auf den Markt kommen

Nach ihren Fahrten kommen sie meist zurück in den Münchner Vorort Unterschleißheim, hier entwickelt BMW zusammen mit dem Kameraspezialisten Mobileye und dem Chipkonzern Intel die Technologie fürs autonome Auto. Inzwischen haben sich mit Delphi, Continental und Magna bereits drei weitere Unternehmen aus der Zuliefererbranche angeschlossen. Auch FiatChrysler arbeitet mit dem Münchner Konsortium zusammen. „Bis zum Jahresende sollen die Aufgaben endgültig verteilt sein, und wir wollen einen weiteren Hersteller an Bord holen“, sagt Entwicklungschef Klaus Fröhlich.

Die Zeit drängt, denn schon 2021 will BMW mit dem iNext ein Fahrzeug auf den Markt bringen, das zumindest in bestimmten Bereichen ohne Fahrer auskommen kann. Erstmals gewährte BMW nun Einblicke in das Entwicklungszentrum und verriet, wie weit die Münchner schon sind. Im Gegensatz zu Wettbewerbern wie der Google-Tochter Waymo setze BMW stärker auf Radarsensoren als auf Laser-Technologie, erklärt Klaus Büttner, der bei BMW für die Entwicklung des autonomen Fahrens verantwortlich ist. Die Radarsensoren seien bei schlechtem Wetter zuverlässiger.

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Die autonomen BMW-Fahrzeuge sollen notfalls auch ohne Internetverbindung auskommen. Schon beim Start werde man die benötigten Daten über die Strecke herunterladen, erklärt Büttner. Im Fahrzeug sei dann ein „Super-Computer mit enormer Rechenleistung“ nötig, um die richtigen Fahrentscheidungen zu treffen. Bei den Versuchsautos ist heute noch der komplette Kofferraum vollgestopft mit Elektronik, doch das Ziel ist es, die Steuereinheit auf die Größe einer Zigarrenkiste zu schrumpfen, sagt Büttner.

Das BMW-System muss ständig dazulernen

Wie stark sich die Autoindustrie verändern wird, erkennt man, wenn man Büttner nach dem Preis der Steuereinheit fragt, die das komplett fahrerlose Navigieren ermöglicht. Darüber spreche man bereits mit potenziellen Kunden, sagt er. Doch damit sind keine gewöhnlichen Autokäufer, sondern Mobilitätsdienste wie Uber, Lyft oder der chinesische Konkurrent Didi gemeint, die große Flotten autonomer Fahrzeuge auf die Straßen schicken wollen. Wie viel diese Firmen bereit wären zu bezahlen, will Büttner nicht verraten. „Denen ist am wichtigsten, dass sie schnell eine funktionierende Lösung bekommen“, sagt er. Das System könne wohl nur die Hälfte dessen kosten, was diese Unternehmen heute für den Lohn eines Fahrers ausgeben müssen.

Bis es so weit ist, muss das BMW-System ständig weiter dazulernen. Bislang sind die Testautos rund 140.000 Kilometer im realen Verkehr unterwegs gewesen und haben in immer neuen Situationen gelernt, wie sie reagieren müssen. Doch der Großteil der Lektionen findet nicht auf der Straße, sondern im Computer statt. Dort werden immer neue Verkehrssituationen simuliert, anhand derer die Fahrzeuge dazulernen. 95 Prozent der Testkilometer finden lediglich im Computer statt.

Die Hürde bis zu einer Zulassung des autonomen Systems in Serienfahrzeugen ist dennoch hoch. „Wir müssen nachweisen können, dass wir sicherer fahren als der Mensch“, sagt Büttner. Dafür müsse BMW nachweisen, dass das System 240 Millionen Kilometer lang ohne einen einzigen Unfall getestet wurde. In wenigen Jahren soll es so weit sein.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt.de.

Bild: Getty Images /Kevork Djansezian

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