Der Roller-Sharing-Markt ist klein, doch er wächst rasant

Erstmals wurde das Scooter-Sharing wissenschaftlich erforscht. Es wird deutlich, dass das Angebot Potenzial hat – aber vor allem ein europäisches Phänomen ist.

Wer in der Berliner Innenstadt wohnt, kennt diesen Sound, der sich irgendwo zwischen dem Geräusch einer Waschmaschine und dem einer sehr leise anfahrenden S-Bahn bewegt. Das Surren der Elektroroller der Firma Coup ist allgegenwärtig. Seit August 2016 gibt es das Roller-Sharing-Angebot der Bosch-Tochter in der Hauptstadt. Mit Emmy (früher eMio) ist sogar noch ein zweiter Anbieter in der Hauptstadt vertreten. Beide zusammen bringen rund 1700 Roller auf die Straße. In den vergangenen Jahren hat sich Roller-Sharing in immer mehr Städten etabliert. Die Mobilitätsforscher von InnoZ haben diese Entwicklung nun erstmals untersucht.

Sie zeichnen das Bild eines wachsenden Marktes. So gab es der Studie zufolge noch 2012 weltweit nur in einer Stadt ein Roller-Sharing-Angebot. Fünf Jahre später ist das in 29 Städten der Fall. In 17 weiteren wurde bereits der Start eines neuen Angebots angekündigt. „Der Trend ist deutlich sichtbar“, heißt es in der Studie. „Scooter-Sharing erlebt ein rapides Wachstum in den Innenstädten weltweit.“

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So stark dieses Wachstum auch ist, zeigen die Daten doch gleichzeitig, dass die absoluten Zahlen noch relativ klein sind. So stehen weltweit rund 8000 Roller zum Teilen bereit, in Deutschland rund 2500 davon. Zum Vergleich: Insgesamt besitzen in Deutschland rund 3,6 Millionen Menschen einen Roller. In Vietnam, wo der Roller das Hauptfortbewegungsmittel ist, gibt es laut dem Hersteller Piaggio sogar rund 35 Millionen Roller. Eine weitere Zahl zeigt, dass Roller-Sharing vor allem ein europäischer Trend ist: Gut 40 Prozent der weltweit zum Teilen angebotenen Roller sind in Berlin und Paris stationiert.

Zudem wird deutlich, dass Unternehmen es nicht leicht haben, sich mit diesem Geschäftsmodell am Mobilitätsmarkt durchzusetzen. In diesem Jahr mussten die Angebote in Frankfurt, Hamburg, Paris, Rome, Milan and Catania wieder von den Straßen genommen werden. Die Verfasser der Studie schreiben, dass in solchen Fällen meist „zu wenig finanzieller Support, zu wenig Kapital zum Skalieren oder zu komplexe Roller“ verantwortlich für das Scheitern waren. Insgesamt decken die vier großen Anbieter Coup, Cityscoot, Emmy and eCooltra 65 Prozent des weltweiten Marktes ab, den Rest teilen sich 17 kleinere Unternehmen auf.

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Aktuell sind rund 350.000 Nutzer bei den Roller-Sharing-Angeboten registriert. Bei den meisten Angeboten wird pro gefahrener Zeit abgerechnet. „Viele Fahrer können als Young Urban Professionals beschrieben werden“, heißt es in der Studie. Zudem würden die Roller oft von Pendlern sowie für Freizeit-Aktivitäten genutzt. Ein Roller wird im Durchschnitt 3,4 Mal pro Tag ausgeliehen. Dabei ist das Geschäft stark von der Jahreszeit abhängig. Die durchschnittliche Dauer einer Miete beträgt 34 Minuten und eine Fahrt ist im Schnitt 2,8 Kilometer lang.

Neben Car-Sharing und Bike-Sharing ist das Teilen von Rollern ein weiterer Schritt in Richtung Shared Mobility – eine Form der Fortbewegung, die Verkehrsplaner in urbanen Räumen in den vergangenen Jahren immer mehr forcieren. Dass dieser Zusammenhang auch mit Blick auf die Zielgruppe existiert wird auch in dieser Studie deutlich. Denn viele Roller-Sharing-Nutzer sind demnach gleichzeitig auch bei Diensten registriert, bei denen man sich ein Auto oder Fahrrad leihen kann. Zudem haben eine Menge zusätzlich noch ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr.

Bild: Coup

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