Dieser Gründer baut ein autonom fliegendes Taxi

Ein Startup aus Bruchsal will bald in Dubai abheben. Im Interview spricht der CEO über den Rivalen Uber und die Zukunft autonomer Flugtaxis in Deutschland.

Mit dem autonomen Flugtaxi ins Büro – diese Vision könnte schon bald Wirklichkeit werden. Zumindest in Dubai. Dort will die Bruchsaler Firma Volocopter (ehemals E-Volo), Entwickler einer Passagierdrohne, noch in diesem Jahr eine fünfjährige Testphase starten. In den Emiraten sollen die fliegenden E-Taxis Teil des normalen Linienverkehrs werden.

In Dubai wird dafür eine hubschrauberähnliche Drohne eingesetzt. Sie startet senkrecht mit Hilfe von 18 kleinen, kreisförmig angeordneten Rotoren und hat Platz für zwei Passagiere. Ein vergleichbares Flugzeug entwickelt auch Lilium Aviation aus München. Erst vor kurzem absolvierte das Startup erfolgreich den ersten Testflug.

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Finanziert über eine Crowdfunding-Kampagne war der Volocopter-Prototyp VC200 im vergangenen Jahr erstmals bemannt geflogen. In Deutschland hat er eine vorläufige Zulassung als sogenanntes Ultraleicht-Luftfahrtgerät und soll im kommenden Jahr auf den Markt kommen. Kostenpunkt: 300.000 Euro.

Im Interview spricht Mitgründer Alexander Zosel über den Markt mit fliegenden E-Taxis in Deutschland und Dubai, den Rivalen Uber und gibt Tipps für erfolgreiches Crowdfunding.

Herr Zosel, das Fliegen mit autonomen Taxis galt lange als eine Vision aus ferner Zukunft. Jetzt wird das Vorhaben real: Volocopter hat angekündigt, noch in diesem Jahr in Dubai erste Testflüge zu starten. Warum ausgerechnet dort?

Dubai ist derzeit die einzige Stadt der Welt, welche die Entwicklung autonom fliegender Taxis massiv fördert. Auf Wunsch des dort herrschenden Scheichs arbeiten die zuständigen Behörden mit Hochdruck an einer entsprechenden Gesetzesgrundlage. Das selbst gesteckte Ziel Dubais ist ehrgeizig: Bis 2030 soll rund 25 Prozent des Verkehrs auf autonome Fahrzeuge umgestellt werden: auf der Straße, auf der Schiene und in der Luft.

Auch Uber hat angekündigt, in Dubai und Dallas mit Lufttaxis starten zu wollen. Streben Sie mit dem US-Unternehmen eine Zusammenarbeit an?

Wir kennen die im Thema Lufttaxi involvierten Mitarbeiter von Uber sehr gut, beispielsweise durch eine von Uber organisierte Konferenz zu dem Thema, an der wir in Dallas teilgenommen haben. Wir stehen in engem Kontakt. Es ist sehr beeindruckend, wie viele statistische Zahlen das Unternehmen über die Mobilitätsgewohnheiten innerhalb von Großstädten gesammelt hat. Trotzdem ist für uns eine Zusammenarbeit momentan nicht von oberster Priorität. Die Ziele von Uber unterscheiden sich von unseren.

Inwiefern?

Uber will mit den verschiedensten zukünftigen Lufttaxi-Konzepten über Vermittlungsdienstleistung Geld verdienen – wie es der Fahrdienst ja gerade mit den Taxis auf der Straße macht. Wir dagegen fokussieren uns lieber auf die Flug-Missionen, die wir mit den Volocopter optimal erfüllen können. Wir sehen momentan noch keine Notwendigkeit, uns beim Verteilungskampf um den Vermittlungsmarkt mit fliegenden E-Taxis schon zu positionieren. Wir können uns sehr gut vorstellen, dass wir in Zukunft selbst das Geschäft an der Organisation mit hunderten von Volocoptern in Innenstädte machen werden.

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Welche Strategie verfolgt Volocopter?

Unser Volocopter hat viele Vorteile gegenüber aller anderen uns bekannten Flugtaxi-Konzepte für zukünftige Kurz- und Mittelstrecken bis zu 50 Kilometer. Beispielsweise könnten wir die Strecke vom Stuttgarter Flughafen in die Innenstadt in circa zehn Minuten zurücklegen. Da braucht man heutzutage – egal mit welchem Verkehrsmittel – deutlich länger. Während der Rushhour sogar ein Vielfaches davon.

In München entwickelt Lilium Aviation ebenfalls ein fliegendes E-Taxi. Ist das Startup eine Konkurrenz?

Nein, Lilium und Volocopter konzentrieren sich auf unterschiedliche Marktsegmente. Der Lilium Jet rechnet sich auf der längeren Strecken, beispielsweise zwischen Berlin und München. Im Vergleich zu unserem Volocopter braucht er beim Start aber ein Vielfaches an Energie, dafür erreicht er aber höhere Geschwindigkeiten und ist in dem Bereich effizienter als der Volocopter. 

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