Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

„Uns geht es offenbar zu gut mit dem, was wir heute haben“

Dirk Evenson verantwortet die New Mobility World auf der IAA in Frankfurt.

Die Player der neuen Mobilitätskonzepte haben ihren Platz auf der IAA gefunden. Aber was soll dort gezeigt und gemacht werden? Ein Interview mit Dirk Evenson, Director der New Mobility World.

Dirk, Du stehst hinter der New Mobility World auf der IAA. Was willst Du mit der Veranstaltung in der Szene bewirken?

Sie ist die Plattform für das Netzwerk der neuen Mobilitäts-Stakeholder,von Auto- und Drohnenbauern über Chip- und Softwarefirmen bis hin zu ÖPNV, Verbänden oder Städten. Sie bietet Zugang, Reichweite, Öffentlichkeit. Dabei ist die New Mobility World als Teil der IAA nicht nur Messe. Sie ist auch Dialog, dafür gibt es das Forum. Und es geht ums Erleben – auf dem Parcours.

Im Zentrum steht dabei das Thema Innovation. Wer treibt die in Deutschland am stärksten an?
Die Autobauer? Startups?

Das ändert sich alle paar Monate. Was auffällig ist: Grundlagentechnologien stammen teils gar nicht aus dem Automotive-Bereich. Bei der künstlichen Intelligenz haben andere Sektoren deutlich früher geforscht. Es kommen immer wieder starke Impulse aus der Startup-Szene. Einige Startups positionieren sich aber eher komplementär als disruptiv – will heißen: Sie sind auf den Exit aus.

Warum gibt es Leuchttürme wie Tesla oder Uber in Deutschland nicht?

Das Potenzial dafür besteht auf jeden Fall. Ich sehe derzeit aber kein einzelnes Unternehmen, das in absehbarer Zeit eine vergleichbare Strahlkraft entwickeln würde. Dabei sind die Ideen vorhanden: Floating Carsharing zum Beispiel ist eine deutsche Erfindung, Car2Go und DriveNow waren echte Pioniere, und das weltweit.

Woran liegt es dann, dass die Strahlkraft fehlt?

Wir konzentrieren uns auf Technikfolgenabschätzung während andere einfach „machen“. Uns geht es offenbar zu gut mit dem, was wir heute haben. Bewahren sticht Chance. Das verringert den Veränderungsdruck und hindert uns daran, kreativ-disruptiv zu sein.

Es wurde schon oft geschrieben, dass die deutschen Autohersteller in Gefahr sind, weil sie disruptet werden. Stimmt das? Sind sie in Gefahr, unterzugehen?

Nicht unmittelbar. Müssen sie ihr Geschäftsmodell ändern? Absolut. Wir haben
innovationsstarke Unternehmen in Deutschland. Das heißt aber nicht, dass die Branchengrößen der Zukunft nicht aus anderen Ländern kommen können. Unternehmen wie Tesla als One-Hit-Wonder kleinzureden ist jedenfalls keine zukunftsfähige Sichtweise.

Wie sehr schaden der Dieselskandal und die vermeintliche Kartellaffäre der deutschen Mobilitäts-Szene?

Der Schaden für die Automobilindustrie ist in Medien, Umfragen, Markenwerten und – außerhalb Deutschlands – bei Strafzahlungen und Gerichtsurteilen zu sehen. Doch Mobilität ist nicht nur Diesel und Auto, selbst in Deutschland.

Deutsche Autos waren immer hoch angesehen in der Welt. Was können die jüngeren deutschen Mobility- Anbieter im weltweiten Vergleich besonders gut?

Im Bereich Logistik sind sie stark, sicherlich auch wegen des langjährigen Fokus auf E-Commerce und Handel. Besonders bei der so kritischen „letzten Meile“ passiert viel, das starke Ökosystem zieht Gründer aus den USA, Indien oder anderswo nach Deutschland. Und natürlich ist Deutschland nach wie vor gut, wenn es ums Ingenieurwesen geht.

Wie kann die New Mobility World die deutsche Szene noch anreichern?

Sie hilft, den Blick zu öffnen, weil sie von Beginn an global orientiert ist. Bei der Startup Challenge haben sich auch viele junge Unternehmen aus Südamerika, Indien oder Afrika beworben. Das hilft uns zu verstehen, wie Mobilität in diesen Ländern funktioniert.

Welche Art Erkenntnisse kann man aus einer internationalen Perspektive gewinnen?

Zum Beispiel, dass man die Diskussion, ob der Elektroantrieb wirklich der Antrieb der Zukunft ist, nicht mehr zu führen braucht. Länder wie Norwegen haben längst eine Infrastruktur für elektrische Antriebe auf- und ausgebaut. Für andere Antriebsformen gibt es Vergleichbares nicht. Der Markt hat sich bereits für einen Standard entschieden.

Dieser Text erschien zuerst im neuen NGIN-Mobility-Printheft. Hier geht es zum Magazin!

Folge NGIN Mobility auf Facebook!

Foto: Marcus Höhn für NGIN Mobility

 

Folge NGIN Mobility auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain