JetClass vermittelt bezahlbare Plätze in Privatjets

Ein Wiener Startup will Privatjet-Flüge erschwinglich machen. Europaweit wird dazu nach Fahrplan geflogen. Konkurrenz kommt nicht nur aus den USA.

Einmal Business- statt Holzklasse fliegen. Schon bei herkömmlichen Airlines kann dieser Normalverdiener-Wunschtraum richtig teuer werden. Nahezu unerschwinglich ist es, Privatjets zu mieten. Mit mindestens 4.000 Euro für die (einfache) Strecke von Zürich nach Brüssel muss man schon rechnen. Wer sich den Luxus dennoch erlauben will, kann nun über die Plattform eines österreichischen Startups an Privatjet-Plätze kommen – zu deutlich niedrigeren Preisen.

JetClass arbeitet dafür mit Charter-Anbietern zusammen, die normalerweise nur sogenannte Bedarfsflüge im Programm haben, also nur dann fliegen, wenn die komplette Maschine etwa von einer Einzelperson bestellt wurde. Das Startup hat gemeinsam mit diesen Anbietern einen europaweiten Flugplan ausgearbeitet, und so aus den Bedarfsflügen planmäßige Verbindungen gemacht. Gestartet mit zunächst drei Städtepaaren, ist das Streckennetz laut JetClass mittlerweile auf 14 Direktverbindungen und insgesamt 2.000 vermittelbare Flugzeuge gewachsen.

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Statt 4.000 kostet der Privatjet-Flug von Zürich nach Brüssel bei JetClass derzeit ab 290 Euro. Der Grund: Die Plätze in den Jets werden jeweils einzeln verkauft, der Preis geteilt. Dann hat man das Flugzeug als Alleinreisender zwar in der Regel nicht für sich, teilt es sich aber mit höchstens sieben weiteren Passagieren. Auch wenn nur ein Gast auf einen Flug gebucht sei, finde dieser zum vorab bezahlten Preis statt, gibt Florian Schramböck gegenüber NGIN Mobility an. Schramböck verantwortet bei JetClass das Business Development. Bei den 290 Euro handle es sich derzeit noch um einen Angebotspreis, später solle die Strecke etwa 500 Euro kosten. Unabhängig von der Zahl der Mitreisenden gebe es alle Annehmlichkeiten eines Privatjet-Fluges: Einchecken am intimeren GAT-Terminal, keine Schlangen und kurze Wartezeiten. Zielgruppe des Dienstes seien vor allem Geschäfts-, aber auch Freizeitreisende.

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Buchung auch über das Reisebüro

Eine Künstliche Intelligenz (KI) ermittelt die schnellste und günstigste Strecke. Dazu analysiert sie etwa die Webseiten von Airlines und Flugsuchmaschinen. Die KI macht dabei stark nachgefragte Strecken ausfindig, solche, die von konventionellen Airlines nicht direkt angeflogen werden oder saisonbedingt, etwa durch Messen, besonders teuer sind: „Anders als bei großen Airlines rechnen sich für uns auch Nischenverbindungen, weil wir statt 180 Plätzen nur acht besetzen müssen“, so Schramböck. Neben der Buchung auf JetClass selbst seien die durch das Startup angebotenen Flüge auch in den Distributionssystemen von Reisebüros zu finden, heißt es.

JetClass ist seit Juli aktiv, pro Woche werden momentan 40 Flüge durchgeführt, sagt Schramböck. Geld verdienen die JetClass-Macher mit ihrem Konzept noch nicht. Ein Provisionsmodell wollen sie erst noch einführen. Bis es soweit ist, erhofft sich das Startup durch das Air-Berlin-Aus offenbar eine bessere Wahrnehmung: „Wir sehen, dass die Preise dadurch vor allem auf Kurzstrecken deutlich gestiegen sind. Der Mehrwert unserer Flüge kommt dadurch nun noch mehr zum Tragen“, so Schramböck.

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In einer Seed-Runde hat JetClass bislang 1,5 Millionen Euro eingesammelt. Anfang 2018 werde es eine zweite Finanzierungsrunde geben, kündigt Schramböck an. Für das kommende Jahr sei außerdem die Expansion in den mittleren Osten geplant. Dann würden Kurzstrecken-Verbindungen nach europäischem Vorbild wie zum Beispiel Dubai – Riad angeboten. Im Laufe des Jahres 2018 wolle man außerdem den US-Markt erschließen.

Privatflüge als Geschäftsmodell

Dort sind bereits einige Wettbewerber aktiv. Ähnlich wie JetClass bietet etwa JetSuiteX, eine Tochter des US-Charter-Unternehmens JetSuite, „semi-private“ Flüge an. Ein Flug von Las Vegas ins kalifornische Burbank kostet beispielsweise ab 130 Dollar. Ende 2016 investierte die US-Billigfluggesellschaft JetBlue. Bei JetSmarter, das als „Uber für Privatjets“ bekannt wurde, SurfAir und WheelsUp müssen Kunden Mitgliedschaften abschließen, wenn sie den Dienst nutzen wollen. JetSmarter ist auch in Europa verfügbar. LunaJets aus der Schweiz lässt Kunden günstigere Leerflüge in Privatjets buchen und hat eigenen Angaben zufolge Zugriff auf über 4.800 Jets weltweit.

Startups wie Flyt.club oder Wingly, die hierzulande ebenfalls Flüge in kleinen Maschinen vermitteln, betreiben im Gegensatz zu den genannten Firmen Flightsharing, vermitteln also Flüge mit Privatpiloten. Die verdienen an den Flügen allerdings nichts, da sie die Passagiere nur zum Selbstkostenpreis transportieren dürfen.

Die JetClass-Gründer Vladislav Zenov und Wagas Ali haben zuvor bereits die B2B-Plattform CharterScanner aufgebaut. Dort hat man den Platz im Luxus-Jet zwar ganz für sich. Das hat aber seinen Preis: Firmen können über die Plattform etwa einen Trip von Moskau auf die Seychellen in einer Challenger 300 buchen. Für 60.000 Euro.

Bild: JetClass

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