Das ist der Valley-Veteran, der Volkswagen digitalisieren soll

Er soll an Apples geheimen Auto-Projekt gearbeitet haben und war für Mercedes im Silicon Valley. Dieses habe er nun nach Deutschland gebracht, sagt Johann Jungwirth.

Volkswagens Auto der Zukunft ist auf Knopfdruck abrufbar, fährt autonom und bietet neuartige Entertainment- oder Werbemöglichkeiten. Sedric ist derzeit das Vorzeigestück des Konzerns, der all diese Funktionen später umfassen soll. Wir haben uns mit Johann Jungwirth – er will gerne „JJ“ genannt werden –, Vordenker des Fahrzeugs und Leiter der Digitalisierungseinheit bei VW, über die Fortbewegung von morgen unterhalten.

JJ, Du hast Dir in Deiner Position als Chief Digital Officer – CDO – viel vorgenommen, Volkswagen soll bis 2025 einer der führenden Mobilitätsanbieter werden. Wie kann das funktionieren?

Es kann funktionieren, indem wir die drei großen Achsen der Disruption ernst nehmen: vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb, vom Menschen als Fahrer zu autonomen Fahrzeugen und von Eigentum zu Shared Mobility. Wir meinen es ernst, wenn wir sagen, dass wir in allen drei Bereichen führend sein wollen.

Haben einige Wettbewerber da nicht schon vorgelegt? Daimler zum Beispiel mit Moovel bei Shared Mobility?

Anzeige
Viele Wettbewerber haben sich auf Carsharing fokussiert oder multimodale App-Lösungen, welche entweder sehr geringe Akzeptanz haben oder disruptiert werden von den neuen Flotten mit selbstfahrenden Fahrzeugen. In unserer Strategie spielen smarte Mobilitätslösungen eine zentrale Rolle. Die Beteiligung am israelischen Fahrdienstvermittler Gett mit Ride-Hailing-Services und die Gründung von Moia mit seinem Ride-Pooling-Angebot sind wichtige Schritte auf diesem Weg. Im nächsten Jahr wollen wir erstmals eine Shared Mobility-Lösung in Hamburg an den Start bringen.

Wenn Du mit Apple-Vergangenheit und geprägt vom Silicon Valley auf die klassische Ingenieurskultur des VW-Konzerns triffst – wie sieht das aus?

Meine Position und meinen Bereich haben wir ja gerade erst neu aufgebaut, und ich muss sagen: Es fühlt sich schon an wie ein Startup. Alles dreht sich um das Thema Digitalisierung. Letztendlich habe ich das Silicon Valley ein Stück weit nach Wolfsburg gebracht.

Folge NGIN Mobility auf Facebook!

Aber das funktioniert doch sicherlich nicht in allen Konzernbereichen im gleichen Maß …

Es gibt durchaus Unterschiede zwischen der Digitalisierung des Kerngeschäfts und digitaler Disruption – also dem Wandel zu dem, was kommen wird, wo wir auf der grünen Wiese neu anfangen. Klar gibt es da zwei Kulturen.

Insgesamt 14 Projekte hast Du für Volkswagen angestoßen. Auf welche Vorhaben bist Du besonders stolz?

Leuchtturm Nummer eins ist Sedric. Ohne Cockpit und voll autonom definiert das Self-Driving Car die individuelle Mobilität neu. Es geht um viel mehr als um das Fahrzeug alleine, es entsteht ein ganzes Ökosystem. Die Rundum-Bildschirme im Fahrzeug ermöglichen Entertainment-, Werbe- oder Bildungsangebote. Leuchtturm Nummer zwei ist der sogenannte One-Button, mit dem wirklich immer und überall Mobilität verfügbar ist.

Wie steht Sedric zu den Shuttles der neuen Konzernmarke Moia in Verbindung, die ab 2018 in Hamburg unterwegs sein und später auch autonom fahren sollen?

Sedric wird als kleineres Fahrzeug eher für das Ride-Hailing, also die Software-basierte Fahrtenvermittlung von Tür-zu-Tür im Individualverkehr eingesetzt: Das Fahrzeug holt mich ab und bringt mich direkt zum Ziel. Die etwas größeren Moia-Shuttles dienen für das günstigere Ride-Pooling, also den Betrieb von Haltestelle zu Haltestelle, welcher auch dynamisch sein kann.

Bis 2021 sollen die selbstfahrenden Shuttles marktreif sein. Ist das realistisch?

Das ist unser ganz großes Ziel, auf das wir tagtäglich hinarbeiten. Und es ist komplett realistisch.

Folge NGIN Mobility auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain