„Witzig, dass die Grünen versuchen, die Autoindustrie zu retten“

Im internationalen Vergleich hinkt Berlin anderen Investitionsstandorten hinterher. Wie kann Berlin das große Geld anziehen?

Pop: Wir werden unsere internationale Kooperation verstärken. Wir werden Berlin im Ausland stärker mit Büros vertreten. Gerade im Zuge des Brexit wollen wir Unternehmen und Investoren ansprechen, die nach Europa kommen wollen und für die London nun wegfällt. So fassen wir etwa Büroeröffnungen in China und in den USA ins Auge.

Kommen wir zu dem Thema, dass die deutsche Industrie derzeit beschäftigt: Jürgen Trittin hat die Autokonzerne wegen des Kartellskandals „Betrüger“ genannt, Winfried Kretschmann glaubt hingegen an die Schummel-Motoren und macht mit seinem neuen Diesel-Auto Werbung für die Autokonzerne. Die grüne Wirtschaftspolitik scheint recht ambivalent.

Göring-Eckardt: Die deutschen Autokonzerne haben nicht nur die Politik, sondern vor allem ihre Kunden an der Nase herumgeführt. Das ist Betrug – und das hat Winfried Kretschmann auch ganz genau so benannt. Winfried Kretschmann hat sich die letzten Monate mit Vertretern der Automobilindustrie hingesetzt, um darüber zu reden, wie eine Transformation der Wirtschaft aussehen kann. Das hat Herr Dobrindt bis heute nicht gemacht. Ich kann Ihnen sagen: Herr Kretschmann ist stinksauer auf die Konzerne.

Pop: Wir können aber nicht voller Schadenfreude sagen: Dann sollen sie eben mit ihrer veralteten Diesel-Technologie untergehen. Wir wollen moderne, schadstoffreie Autos made in Germany. Dafür muss sich die Autoindustrie aber deutlich bewegen.

Göring-Eckardt: Es hängen ungeheuer viele Arbeitsplätze dran. Ich finde es gut, dass sich der baden-württembergische Ministerpräsident einen Kopf um die Arbeitsplätze macht. Deswegen kommen wir in die witzige Situation, dass es jetzt die Grünen sind, die versuchen, die deutsche Autoindustrie zu retten, indem sie wettbewerbsfähig bleibt. Da geht es darum, die Emissionsfreiheit technisch umzusetzen. Die Konkurrenz schläft nicht: der Tesla kommt aus den USA und die Chinesen haben auch ein Elektroauto.

Könnte der Kartellskandal ein heilsamer Schock für Daimler, BMW und Mercedes werden?

Göring-Eckardt: Ich glaube nicht mehr an die Selbstheilungskräfte der deutschen Auto-Industrie. Das muss von außen kommen, von der Politik, die eingreift. Der Dieselgipfel wird da keinesfalls ausreichen. Das kann nur der allererste Schritt sein.

Bild: Gründerszene / Michel Penke

Folge NGIN Mobility auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain