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Auch die Autos der Zukunft werden Menschen töten

Futurecra

Unser Autor ist überzeugt, dass es im Straßenverkehr auch in Zukunft tödliche Unfälle geben wird. Trotz aller Technik und autonomer Fahrzeuge.

Der Unfall von Joshua Brown am 07. Mai 2016 auf der US-Bundesstrasse 27 in der Nähe von Williston, im nördlichen Teil von Florida stellte die Polizisten vor ein Rätsel. Mitten am Tag, bei gutem Wetter, hatte Brown einen vor ihm abbiegenden LKW übersehen. Der Wagen von Brown traf ungebremst auf den Anhänger des LKW, der nur mit einer Stange auf Höhe der Windschutzscheibe gegen einen Seitenaufprall gesichert war. Das Auto durchbrach die Stange, rutschte unter dem Aufleger durch, dann über eine Wiese, wo es noch einen Zaun durchbrach, um erst an einem Strommast zum Stehen zu kommen. Brown war sofort tot. Er wurde nur 40 Jahre alt. Ein tragischer Unfall, wie er leider jeden Tag passiert. Doch in diesem Fall berichtete die halbe Welt darüber.

Joshua Brown war nicht das letzte Todesopfer

  Denn Brown saß in einem Tesla und, wie sich später herausstellte, war der Autopilot eingeschaltet. Jene Technologie, die den Tesla ohne Eingriff des Menschen fahren lässt. Offenbar hatte der Autopilot den LKW übersehen. Wie Tesla später mitteilen ließ, habe der LKW eine weiße Farbe gehabt, vermutlich habe das System bei gleißenden Sonnenlicht den LKW schlichtweg nicht erkannt.

Der Unfall sorgte für eine Menge Aufsehen in den USA und auch in Europa. Tesla wurde sogar dazu aufgerufen, den Autopilot ganz oder zumindest teilweise zu deaktivieren. Der Vorwurf lautete, dass der Autopilot Joshua Brown das Leben gekostet habe. Hätte er sich nicht auf den Autopilot von Tesla verlassen, so hätte er noch leben können. Skeptiker der Technik, und vor allem Kritiker von Elon Musk, warfen dem Unternehmen vor, fahrlässig eine Technik auf dem Markt gebracht zu haben, die nicht ausgereift sei. Tatsächlich wird Joshua Brown nicht der letzte Mensch gewesen sein, der von einem autonomen Auto getötet wird.

Neue Technologien waren immer unsicher

Neue Technologien haben oft Mängel. So flog dem Erfinder der Dampfmaschine, James Watt, gleich mehrfach seine Erfindung um die Ohren und tötete dabei etliche Menschen, weil man zunächst keinen dampfdichten Zylinder herstellen konnte. Dem schwedische Erfinder Alfred Nobel untersagten die Behörden in Stockholm gleich die komplette Forschung, weil seine Experimente mit Nitroglycerin permanent schief gingen. Und auf der Suche nach der besten Aerodynamik starben die frühen Flugpioniere gleich dutzendfach.

Es ist also immer gefährlich, wenn man mit neuen Technologien hantiert. Kritiker werfen gerne ein, dass die Leidtragenden heuten aber nicht mehr die Erfinder, sondern die Kunden sind. Denn die Konzerne werfen die neue Technik nur selten ausgereift auf den Markt. So musste der Smartphone-Gigant Samsung das gerade neu veröffentlichte Telefon namens Galaxy Note 7 aus den Regalen räumen. Kunden berichteten, dass das Gerät während des Ladevorgangs plötzlich Feuer fing.

Autonome Fahrzeuge retten Menschenleben

Ein brennendes Telefon ist eine Sache, ein schwerer Unfall mit einem Fahrzeug eine andere. Nur durch Zufall wurden beim Vorfall in Florida keine weiteren Autofahrer in Mitleidenschaft gezogen. Spielt Tesla also mit dem Leben seiner Kunden? Und kommt die neue Technologie zu schnell?

Der US-Hersteller weist den Vorwurf zurück. Während bei normalen Autos alle 95 Millionen Meilen ein Toter zu beklagen sei, gibt es bei einem Tesla mit Autopilot nur alle 134 Millionen Meilen einen tödlichen Unfall. Demnach retten autonome Fahrzeuge also Menschenleben.

In der Tat gehen Experten davon aus, dass am Ende der Entwicklung, wenn die Fahrzeuge untereinander vernetzt sind und ohne Aufsicht durch die Gegend rollen dürfen, die Zahl der Verkehrstoten um bis zu 90 Prozent reduziert werden kann. Für die USA hieße dies, dass es statt 35.092 Toten (2015) in ein paar Jahren nur noch rund 3.500 Tote pro Jahr geben würde. 32.000 Mütter, Väter, Brüder, Schwester, Freunde und Kinder, die nicht sterben müssen.

Das Video zeigt das Ausweichmanöver eines Teslas:

Bis es soweit ist, wird es allerdings noch etwas dauern. In der Zwischenzeit werden verschiedene Umstände dafür sorgen, dass Unfälle weiter passieren. Auch mit Fahrzeugen, bei denen die Werbung andeutet, dass so etwas eigentlich nicht mehr passieren kann.

Software Crashes, Hacker und Sicherheitslücken

Vor allem unaufmerksame Fahrer werden weiterhin ein Hauptgrund für tödliche Unfälle sein. Der verunglückte Tesla-Fahrer hatte es ja auch versäumt, selber die Bremse zu betätigen. Bereits jetzt hat die Abhängigkeit von der Technik teilweise groteske Züge angenommen. Oftmals liest man Meldungen von Autofahrern, die in einem See landeten oder eine Treppe herunterfuhren, nur weil das Navigationsgerät meinte, man solle hier abbiegen. Das Vertrauen, dass man in die Leitsysteme im Auto hat, scheint oft grenzenlos zu sein. Ebenso wird man den automatischen Lenk- und Bremssystemen auch dann vertrauen, wenn man lieber aufpassen sollte.

Denn bis diese Systeme wirklich fast alle Unfälle vermeiden können, wird noch viel Zeit vergehen. Die Gehirne in den Fahrzeugen müssen lernen, um besser zu werden. So wird die vermutliche Unfallursache im Fall von Joshua Brown die Konsequenz haben, dass Tesla den Fall „Weißer LKW vor grellem Hintergrund“ ins System einpflegen wird. Aber man kann nicht die Ursachen aller Unfälle, die jemals auf der Welt passiert sind, in eine Datenbank eingeben. Zum einen wäre die schiere Zahl an Ursachenkombinationen astronomisch hoch, zum anderen kämen jeden Tag neue, noch absurdere Ursachen hinzu. Die Systeme müssen so gut werden, dass sie autark auf jede Situation bestmöglich reagieren.

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Ein weiteres Problem werden Hackerangriffe sein. In den letzten Jahren gab es immer wieder Fälle, in denen Hacker kritische Systemlücken entdeckten und teilweise sogar das Gaspedal oder die Bremsen übernehmen konnten. Ein Horrorszenario für jeden Hersteller ist es, dass jemand komplett die Kontrolle über ein autonomes Fahrzeug übernehmen kann. Gelänge dies, könnte man Unfälle verursachen oder das Fahrzeug als Waffe benutzen.

Das Schicksal lässt sich nicht in die Knie zwingen

Und dann gibt es da noch die nicht vermeidbaren Dinge. Kinder, die plötzlich zwischen zwei parkenden Fahrzeugen auf die Strasse rennen, wird kein noch so kluges Auto erkennen. Das gilt auch für umstürzende Bäume oder LKW, die die Leitplanke durchbrechen. Das Schicksal lässt sich auch nicht von einem Smart Car in die Knie zwingen.

Doch das ist auch nur eine Seite der Medaille. Denn gleichzeitig werden die autonomen Fahrzeuge sehr viele Unfälle verhindern können. Mit jedem Schritt der Automatisierung ein bisschen mehr. Autonome Autos werden auch in Zukunft Menschen töten, aber sie werden weniger Passanten und Fahrradfahrer umbringen, als Fahrer aus Fleisch und Blut.

Foto: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von AZRainman

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