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Künstliche Intelligenz – wie Startups das autonome Auto revolutionieren

Night blur traveling through a tunnel. Tokyo, Japan

Mit Hilfe von neuronalen Netzen und Deep Learning wollen Startups autonomes Fahren zur Realität für alle machen. Erste Prototypen gibt es bereits.

Autonome Fahrzeuge stehen fast vor der Tür, doch es gibt noch ein paar technische Hürden zu überwinden. Die gewaltigste definiert sich über die Frage, wie intelligent die Computer-Systeme in den Fahrzeugen sein müssen, damit sie im Strassenverkehr bestehen können. Es ist eine Sache, wenn ein Fahrzeug auf der Autobahn, wo der Verkehr starren Regeln folgt, die Spur halten soll. Eine andere ist es, wie ein Auto auf den chaotischen Verkehr in einer Stadt reagieren soll. Der Schlüssel heißt: lernen.

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Auch ein Mensch muss das Autofahren lernen. Die Fahrschule vemittelt die Basis-Programmierung, den Rest lernt man beim Fahren. Je mehr man unterwegs ist, desto besser kann man gefährliche Situationen einschätzen und vermeiden. Das muss die Software der autonomen Fahrzeuge auch. Theoretisch könnten die Hersteller immer wieder Updates an die Autos schicken. Aus den gesammelten Unfalldaten bastelt man eine neue Verhaltensregel und sendet sie per Over-The-Air an die Autos. Besser noch wäre es, wenn die Autos von alleine lernen würden.

Startups setzen auf Künstliche Intelligenz

Auftritt: Deep-Learning Netzwerke und das Zauberwort „Künstliche Intelligenz“ (K.I.). Was sich nach Zukunftsmusik anhört, wird langsam Realität. Tesla hat gerade damit begonnen, ein Deep-Learning Netzwerk für den Autopiloten zusammen mit Nvidia aufzubauen. Die Tesla-Fahrzeuge sollen alle über ein Netzwerk verbunden sein. Ein Auto lernt unter anderem, in dem sich die Situation und die Reaktion des Fahrers merkt und diese Information weiter ans Netzwerk leitet. Das erlernte Wissen wird an alle anderen Fahrzeuge automatisch weiter gegeben.

In den USA sind in den letzten Jahren mehrere Startups aufgetaucht, die einen Schritt weiter gehen und sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen. Zum Beispiel Drive.ai, das von mehreren ehemaligen Stanford-Studenten gegründet wurde. Schon in der ersten Finanzierungsrunde konnte das Unternehmen in diesem Jahr 12 Millionen Dollar einsammeln. Laut Mitgründer und CEO Sameep Tandon will man nicht mehr und nicht weniger als das Gehirn des Autos programmieren. „Die heutigen Fahrzeuge haben alle viele Sensoren, aber es eine Frage, wie man damit umgeht. Wenn man nicht versteht, was man sieht, bringen die besten Sensoren nichts.“

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Die Programmierung klingt denkbar einfach. „Wir geben dem Rechner einen Satz Regeln vor. Was ist ein Fahrrad, was ist ein Fußgänger? Und so weiter. Dazu sagen wir, sehr generell, was richtig und falsch ist. Unsere K.I. lernt aus diesen Regeln dann selbstständig.“ Natürlich ist es nicht ganz so trivial, denn der Lernprozess ist immer noch ein kleines Rätsel, am dem Drive.ai intensiv arbeitet. Das Interesse der Industrie ist aber schon da. Sameep Tandon: „Es gab Anfragen, mehr will ich dazu nicht sagen.“

Die ersten Prototypen sind da

Drive.ai ist nicht das einzige Unternehmen, das in dem Bereich arbeitet. Bekannt ist ebenfalls comma.ai, gegründet von George Hotz. Der legendäre iPhone-Hacker war schon einen Schritt weiter, bevor er sein Projekt kürzlich einstellte: Sein neuronales Netzwerk steuerte schon erste Autos, auch wenn er mit 3,1 Millionen Dollar deutlich weniger Geld zur Verfügung hatte als Konkurrenten wie Drive.ai. Ein erster Deal mit Honda platze aber, weil die Verkehrsbehörde in den USA seine „Comma Box“ als nicht verkehrssicher einstufte.

Auch in Europa gibt es Startups, die dem Auto das Lernen beibringen wollen. Interessant ist vor allem das britische Startup FiveAI. Gründer Stan Boland hat schon zwei Startups erfolgreich gegründet und verkauft und war früher CEO des britischen PC-Herstellers Acron. FiveAI hat im letzten Sommer 2,7 Millionen Dollar eingesammelt und testet schon die ersten Prototypen.

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Das Unternehmen will eine Lösung bieten, die es in Zukunft erlaubt, auf die teuren und schwer zu erstellenden hochauflösenden 3D-Karten zu verzichten. Auch hier lautet der Schlüssel, dass eine K.I. über ein Netzwerk lernen soll. Auch als Autofahrer muss man nicht jede Strasse kennen, die man befährt, man greift auf die eigenen Erfahrungen zurück. Die Software von FiveAI soll genau dies tun. Eine erste Zusammenarbeit mit der Autoindustrie gibt es laut dem Gründer schon, auch wenn er keine Namen nennen will.

In den USA ist mittlerweile ein regelrechtes Wettrennen um Lösungen in der K.I.-Forschung ausgebrochen. Denn Künstliche Intelligenz lässt sich nicht nur in autonomen Fahrzeugen einsetzen, sondern praktisch überall. Vom Data-Mining bis zur Wettervorhersage. Aber es ist vor allem die Forschung um die autonomen Autos, die die K.I. antreibt und Übernahmepreise für Startups in astronomische Höhen katapultiert. Das hoffen zumindest Gründer und Investoren.

Bild: Getty Images / urbancow

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