Wann fliegt uns der Lilium-Jet ohne Pilot ins Büro, Daniel Wiegand?

Airbus hat ja schon angekündigt, einen autonom fliegenden Einsitzer bauen zu wollen, der ebenfalls senkrecht starten kann. Und der Konzern bringt natürlich einen bekannten Namen, viel Erfahrung und wichtige Beziehungen mit. Wie stellt Ihr Euch dagegen?

Wir haben ein neuartiges Transitionsflugzeug-Konzept entwickelt und in die Luft gebracht, das die derzeit beste eVTOL Technologie darstellt und in Wirtschaftlichkeit, Reichweite, Geschwindigkeit und geringen Lärmemissionen anderen Konzepten überlegen ist. Als Startup sind wir zudem agiler und für Mitarbeiter interessanter. Indem wir uns nun auch das selbe Level an Investment gesichert haben, können wir uns weltweit die besten Leute einstellen. Außerdem sind wir schon mit den Behörden im Zulassungsprozess.

Neben technischen Lösungen und der generellen Zulassung ist auch die Freigabe der städtischen Lufträume wichtig für das, was Ihr vorhabt. Wann wird das Deiner Meinung nach passieren? Gegenwärtig zeichnet sich da ja noch nichts ab…

Sobald wir die Zulassung haben, können wir wie jedes andere Kleinflugzeug den öffentlichen Luftraum nutzen. Gleichzeitig müssen wir in unterschiedlichen Gremien aber an der Neuregelung des Luftraums für ein automatisiertes Airtraffic-Managament-System arbeiten. Das betrifft zum Beispiel auch Hersteller von Lieferdrohnen. Wichtig sind Standards etwa zur Kollisionsvermeidung. Unsere Erfahrung ist bisher, dass alle Seiten an zügigen Ergebnissen interessiert sind.

Liegt Euer Fokus bei der Zulassung und der Lobbyarbeit auf Europa?

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Nicht zwangsläufig. Die ganze Welt braucht diese Technologie. Wir werden dorthin gehen, wo wir den größten Zuspruch von Partnern und Gesetzgebern finden. Momentan sind wir noch nicht so weit, um sagen zu können, wo das sein wird.

China könnte natürlich ein großer Markt werden. War das auch ausschlaggebend bei der Wahl der Investoren?

Das war bei allen unseren Geldgebern eine Überlegung. Mit Ev Williams, dem Gründer von Twitter und Medium, haben wir einen gut vernetzten Investor im Silicon Valley gefunden. Mit LGT, Atomico und Frank Thelen haben wir in Europa gute Partner. Tencent verschafft uns natürlich ein gutes Standbein in Asien.

Euer Ziel ist es, dass der Jet irgendwann vollständig autonom fliegen kann. Wann ist das realistisch?

Das wird zirka zehn Jahre dauern. Wie im Automobilbereich wird es erst einmal bemannte Systeme geben. Dann werden immer mehr teilautonome Tests stattfinden. In diesem Zeitraum werden Daten für die Zulassung gesammelt. Wenn die autonomen Systeme sich bewiesen haben, erfolgt die Freigabe. Da Sicherheit eine sehr wichtiger Aspekt ist, sollte man da auch keine Abkürzungen nehmen.

Daniel, vielen Dank für das Gespräch!

Bild: Lilium

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