Mobike will den Leihfahrrad-Markt in Berlin erobern

Der weltgrößte Bikesharing-Dienst Mobike ist in Berlin gestartet. Trotz Novemberwetters bringen die Chinesen 700 Smart Bikes auf die Straßen der deutschen Hauptstadt.

Die Geschichte von Mobike ist eine Erfolgssaga: Gestartet im April 2016 in Shanghai, ist die Plattform 19 Monate später mit sieben Millionen Fahrrädern weltweit in 200 Städten und zwölf Ländern vertreten. Mit den Rädern werden in Spitzenzeiten 30 Millionen Fahrten unternommen. Das Unternehmen gibt die Zahl der Nutzer mit 200 Millionen an. Gegründet wurde Mobike von der Chinesin Hu Weiwei, einer früheren Journalistin.

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Mobike hat seine Fahrräder selbst designt und für die Anforderungen als Leihräder konfiguriert. Sie verfügen über einen silbergrauen Alu-Rahmen, 26-Zoll-Vollgummi-Räder auf orangefarbenen Fünf-Speichen-Felgen, einen höhenverstellbaren Sattel und einen Korb über dem Vorderrad. Der kettenlose Antrieb verfolgt mit einer Welle. Die Bremsen sind hinten elektrisch und vorne als Trommelbremse ausgelegt.

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Zentrales Element ist das vernetzte Schloss, das eine Sim-Karte und ein GPS-Modul enthält. Es wird mit einer App, die auch zur Buchung der Fahrt dient, entriegelt. Dazu scannt der Nutzer einen QR-Code am Schloss oder Lenker. Als Einführungspreis bietet das Unternehmen in Berlin einen Tarif von einem Euro pro 30 Minuten an. Die App zeigt, wie auch bei Carsharingdiensten die verfügbaren Räder auf einem Stadtplan an.

Mobike sammelt täglich 30 Terabyte Daten

Nutzer parken die Räder einfach an ihrem Zielort. Ferner sind Sammelstationen geplant. „Damit wollen wir das Stadtbild verbessern“, sagt Chris Martin, der das Auslandsgeschäft des Unternehmens verantwortet. Ferner sind „Preferred Parking Locations“ geplant – spezielle Parkplätze. Wr sein Rad dort abstellt, erhält Punkte für zukünftige Fahrten. Das Einsatzgebiet ist mit Hilfe von Geofencing auf ein Gebiet eingeschränkt, das ungefähr dem Berliner S-Bahn-Ring entspricht.

Die Flotte von Mobike generiert gigantische Datenmengen: Sie wird 30 Terabyte täglich beziffert. Chris Martin versichert, es würden in Übereinstimmung mit europäischen Datenschutzgesetzen ausschließlich Bewegungsdaten gesammlet. Mobike kennt aber den Namen, die Mobilfunk- und die Kreditkartennummer seiner Kunden. Auf die Frage, ob er die Zielgruppe seines Unternehmens beschreiben könne, weicht er aus. „Unsere Daten dienen nur zur Verbesserung der städtischen Infrastruktur“, antwortet er und zeigt ein 24-Stunden-Simulation der Flottenverkehrsströme in einer italienischen Stadt im Zeitraffer. Open Data sei für das Unternehmen keine Option, antwortet er auf eine Journalistenfrage. Man wolle sich vor Mitbewerbern schützen.

Harter Wettbewerb der Verleiher in Berlin

Mobike setzt sich in Berlin einem harten Wettbewerb aus. Das vom Senat unterstützte Unternehmen Nextbike ist mit mindestens 2000 Rädern auf dem Markt, Lidl Bike mit 3500 Rädern und obike mit einigen Hundert. Ferner ist der Anbieter Donkey Republic auf Berliner Straßen vertreten.

In Zeiten der boomender Sharingdienste setzt Mobike auf Kooperation mit den beteiligten Städten. Zuletzt hatte sich Obike Ärger wegen eines ungeordneten Starts in München eingehandelt. Das Angebot von Mobike stößt in der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz auf offene Ohren. „Wir registrieren den Markt für Leihfahrräder mit Interesse. Grundsätzlich ist der Markt offen für alle“, heißt es in der Verwaltung. Man wolle beobachten, ob Probleme entstehen, wenn sehr viele Leihfahrräder im Stadtgebiet verteilt werden. „Sollte es dazu kommen, dass viele Leihräder sich auf bestimmten Plätzen oder an Bahnhöfen des Nahverkehrs häufen, stellt diese Häufung eine Sondernutzung des Straßenlandes dar und muss von den Bezirken genehmigt werden.“

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„Fahrradabstellanalgen sind wichtiger Bestandteil der Radinfrastruktur und wir werden in den kommenden Jahren in Fahrradparkhäuser und Abstellbügel investieren“, versicherte Matthias Tang, der Sprecher der Verwaltung. Das Land Berlin hat mehr als 3000 Fahrradabstellplätze in den letzten sechs Monaten im öffentlichen Raum geschaffen, zusätzlich zu denen, die die Bezirke in Eigenregie aufgebaut haben. „2018 geht es weiter. Bis 2025 sollen 100.000 zusätzliche Radabstellmöglichkeiten entstehen“, sagte Tang.

Bild: Jürgen Stüber für NGIN Mobility & Gründerszene

 

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