Wie die Mobilitätswende schneller vorankommt

Bis 2025 sollen Verbrennungsmotorn aus den Städten verschwinden. Unser Autor glaubt: Dieses Ziel ist unrealistisch – solange nicht vier Bedingungen erfüllt sind.

Die Art der Mobilität, so wie wir sie seit 120 Jahren kennen, wird nicht mehr lange überleben. Daran zweifelt kaum jemand. Stellt sich nur die Frage, wie schnell der Wandel kommt. Ein Verbot von Verbrennungsmotoren wird in manchen Ländern schon ab dem Jahr 2025 anvisiert. Damit die Revolution in Gang kommt, müssen zunächst verschiedene Grundlagen geschaffen werden.

1. Das Auto

Im ersten Schritt müssen weitere alternative und nachhaltige Antriebskonzepte entwickelt werden. Einige der großen Hersteller und Startups haben damit bereits begonnen. Doch es wird noch Jahrzehnte dauern, bis die Verbrenner-Flotte von knapp 45 Millionen Pkw alleine in Deutschland gegen umweltfreundlichere Fahrzeuge ausgetauscht ist.

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Bislang bremst der hohe Preis für E-Fahrzeuge diesen Wandel. Das günstigste Elektroauto ist der Smart ED, der in der einfachsten Variante (Batterie wird nur gemietet) 18.910 Euro kostet. Und den Renault Zoe mit einer 40 kW großen Batterie gibt es erst ab knapp 25.000 Euro. Familienautos sind das beides nicht. Hierfür kommt eher der BMW i3 in Frage. Der kostet gleich 37.500 Euro. Zum Vergleich: Einen VW Golf in der Grundausstattung gibt schon ab 17.850 Euro.

Natürlich schieben die Hersteller gerade neue Modelle auf den Markt. Aber alles, was bis 2021 angekündigt wurde, wird nicht unter 40.000 Euro zu haben sein. Das ist zu teuer für die Massenmobilität. Selbst wenn die Hersteller bis 2025 tatsächlich brauchbare E-Modelle zu einem Preis von 15.000 bis 30.000 Euro im Markt haben, wird es mehr Zeit brauchen, bis diese auf dem Gebrauchtmarkt ankommen. Wer also glaubt, die Verbrenner könnten ab 2025 aus der Stadt verbannt werden, irrt gewaltig.

2. Flaschenhals Infrastruktur

Zu den fehlenden Angeboten gesellt sich auch noch eine kaum vorhandene Infrastruktur. Ob Ladestationen oder Wasserstofftankstellen – die Investitionen werden in die Milliarden gehen. Zunächst müssen Ladestationen an den Autobahnen gebaut werden, zudem braucht es jeweils andere Lösungen für Städte und ländliche Regionen. Während auf dem Land genug Platz für Ladesäulen ist, müssen die Städte überlegen, wo sie diese sinnvoll platzieren. Theoretisch muss jeder zweite Parkplatz mit einer Ladestation ausgerüstet sein. Wer die Kosten hierfür übernimmt, ist völlig unklar.

Gleichzeitig nimmt der Vekehr überall zu. Staus gehören selbst in Kleinstädten mittlerweile zum Alltag. Für mehr, größere und breitere Straßen fehlt Städten und Kommunen oft der Platz und das Geld. Die Lösung lautet: weniger Autos auf den bestehenden Straßen.

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3. Mehr Platz für Carsharing

Um das zu erreichen, müssen die Städte und Kommunen zwei Dinge parallel angehen: Zum einen müssen sie die Car- und Ridesharing-Dienste unterstützen. Zum Beispiel durch eigene, freie Parkplätze für Carsharing-Autos oder gesonderte Fahrspuren für Ridesharer. Gleichzeitig muss auch der Taximarkt geöffnet werden. Dabei geht es weniger um eine Zulassung des umstrittenen Geschäftssystems von Uber, sondern vielmehr um eine generelle Öffnung, von der auch deutsche Startups profitieren würden. Ein Vorbild kann hier der Fernbusmarkt sein.

Die neuen Gesetze für Car- und Ridesharing sowie für Taxen sollten sich binnen ein bis zwei Jahren anpassen lassen. Neue Partnerschaften einzurichten, dürfte mehr Zeit in Anspruch nehmen. Auch wenn es erste Pilotprojekte wie in Duisburg mit dem Startup Door2Door schon gibt – andere Kommunen werden mehr Zeit benötigen oder abwarten wollen, welches Modell sich im Markt durchsetzen wird.

Damit die Mobilitätswende in den Städten in Gang kommt, ist ein starker ÖPNV notwendig. Doch viele regionale ÖPNV-Anbieter und deren Kommunen haben kein Geld für einen weiteren Ausbau der Verbindungen. Hier hilft es, wenn die Kommunen Public-Privat-Partnerships mit Startups eingehen, wie zum Beispiel in Hamburg. Hier arbeitet der HVV zusammen mit dem Ridesharing-Anbieter Moia, der neuen Volkswagen-Marke, und versucht die Gebiete abzudecken, die vom ÖPNV bislang nicht bedient werden.

4. Autonome Fahrzeuge ändern alles

Die Herausforderungen für die Städte sind enorm  – und es werden nicht weniger. Wenn autonome Fahrzeuge der Stufe 5 unterwegs sind, werden die Stadtverwaltungen weitere Investitionen in die Infrastruktur tätigen müssen. Die Verkehrsleitsysteme von den Zentralen bis zur Ampel müssen digitalisiert werden. Dafür ist neben der Hardware auch die passende Software notwendig, die für jede Stadt neu angepasst werden muss.

Es ist also nicht allein die Technologie des Fahrzeugs, die den Wandel ausbremst. Bereits in sieben Jahren wird die Industrie so weit sein, E-Autos in allen Preisklassen anzubieten. Auch das autonome Fahren wird bis dahin bei Level 5 angekommen sein. Doch damit die neuen Technologien implementiert werden können, müssen Städte und Kommunen noch viel Arbeit leisten. Bislang gibt es dahingehend zu wenige Pilotprojekte.

Genau hier bietet sich aber wieder eine Chance für Startups und Gründer. Denn die Städte und Kommunen werden bei der Umsetzung Hilfe aus der Digitalwirtschaft benötigen, sowohl bei der Beratung, als auch in Sachen Hard- und Software. Von der intelligenten Haltestelle bis hin zu komplett regionalen Ridesharing-Lösungen gibt es noch viel zu tun. Ohne Startups wird die Wende noch sehr viel länger auf sich warten lassen.

Bild: Audi AG

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