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Shell investiert in Münchner Kurierservice Tiramizoo

Mitgründer Michael Löhr von Tiramizoo

Sie kümmern sich um Express-Lieferungen am selben Tag. Fahrer beschäftigen sie dafür kaum. An der Software von Tiramizoo sind Daimler und Shell interessiert.

Wer bei Media Markt schon mal online etwas bestellt hat und noch am selben Tag geliefert bekam, hat bereits mit dem Startup Tiramizoo Bekanntschaft gemacht – wenn auch nur indirekt. Denn der Same Day Delivery Dienst beschäftigt nur wenige eigene Fahrer, sondern vermittelt hauptsächlich zwischen Kurieren und Händlern mittels einer Software (SaaS).

„Wir optimieren die Lieferstrecke bis zur letzten Meile, darunter mit GPS-Tracking und Kundeninfos“, erklärt Mitgründer Michael Löhr gegenüber Gründerszene und NGIN Mobility. Die Strecken sollen in Echtzeit angepasst werden, wenn etwa ein Stau oder eine Sperrung vorliegt. Das Startup habe mit seinem SaaS-Dienst in 150 Städten bereits über 1.000 Händler als Kunden gewonnen, so Löhr. 3.700 Fahrzeuge sollen als Subunternehmer deutschlandweit für das Startup fahren.

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Nun hat das 2010 in München gegründete Startup eine weitere Finanzierung abgeschlossen. Die Runde wird dieses Mal von Shell Technology Ventures angeführt. Der Autobauer Daimler ist erneut als Co-Investor vertreten. Daneben sind der Zusteller DPD Deutschland, die Bayerische Beteiligungsgesellschaft und Bayern Kapital weiterhin als Gesellschafter mit an Bord.

Über die Höhe des Investments möchte sich Löhr allerdings nicht äußern. „Wir wollen auch in den nächsten Jahren in diesem Stealth-Mode bleiben“, kommentiert der Gründer. So viel verrät er zumindest: 59 Prozent der Unternehmensanteile befänden sich bereits in Konzernhänden.

Mit dem neuen Investor Shell wird Tiramizoo neue Geschäftsmodelle im asiatisch-pazifischen Raum testen. Bisweilen liegt der Fokus auf Lieferungen zwischen acht bis zehn Kilometern, die innerhalb von 60 bis 120 Minuten umgesetzt werden. Größere Strecken werden sollen nun in Asien getestet werden und dann auch womöglich hierzulande angeboten werden. „Du kannst die Software in jeder Stadt innerhalb von fünf Tagen einsetzen“, sagt Löhr.

In naher Zukunft sollen zudem Lieferstrecken für E-Fahrzeuge optimiert werden, heißt es vom Unternehmen. Daimler als Fahrzeuglieferant würde daran besonderes Interesse zeigen, sagt der Gründer. Aber auch der Mineralöl-Konzern Shell will an der Energiewende gewinnbringend beteiligt sein und versucht mit der Software von Tiramizoo auf ein neues Geschäftsfeld zu setzen – Lieferoptimierung von Waren und Personen. Mit dem breiteren Angebot an Zustellungen greift Tiramizoo noch offensiver Wettbewerber DHL und Hermes an. Deutsche Post DHL testet bereits ausgiebig E-Fahrzeuge in seiner Flotte.

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Noch ein anderer Konkurrent steht in den Startlöchern: Amazon Fresh. Mit Amazon Prime Now liefert der Tech-Riese ebenfalls binnen 24 Stunden direkt bis zur Haustüre. Amazon benutzt seine eigene Software zur Streckenoptimierung. „Das Schöne ist, dass sie den Markt unter Druck setzen werden“, sagt Löhr. Als direkte Konkurrenz will er Amazon darum nicht betrachten. „Wir haben lange erwartet, dass Amazon in den Markt eintritt.“ Andere Händler stünden unter Druck nachzuziehen. Dadurch komme Bewegung in den Markt – „und das kommt uns zugute.“

Ein Liefer-Service, der direkt vom Endkunden angefragt wird, möchte Tiramizoo allerdings nicht werden. „Für uns macht B2C und eine offene Plattform keinen Sinn“, so Löhr. Die Händler-Verknüpfung stünde im Fokus – „Wir machen reines B2B“. Geld verdient das Startup mit Rahmenverträgen, die es jeweils mit dem Händler aufsetzt. Ein Provisionsmodell würde nicht funktionieren, so Löhr. Heißt so viel wie: Am Ende des Monats bekommt der Händler eine Rechnung für die vermittelten Auslieferungen. Über die Umsätze möchte Löhr nichts verraten. Profitabel sei das Unternehmen aber wegen der Expansionspläne noch nicht.

Bild: Tiramizoo

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