Neuron Soundware erkennt Fehler in Maschinen am Klang

Ein Startup analysiert den Maschinensound – und schlägt bei ungewöhnlichen Geräuschen Alarm. Auch deutsche Konzerne setzen auf das System.

Mitunter sind es Schicksalsschläge, die erfinderisch machen. Pavel Konečný ist es jedenfalls so ergangen, als sein Auto seltsame Geräusche machte und wenig später mit einem teuren Motorschaden liegen blieb. Einige Jahre und viele Zeilen Code später arbeitet er mit Siemens und Airbus zusammen. Konečný und sein Mitgründer Pavel Klinger haben eine lernende Software entwickelt, die Geräusche von Maschinen analysiert und Störungen vorhersagt. Neuron Soundware heißt ihr 2016 gegründetes Startup.

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Ursprünglich hatten die Gründer aus der tschechischen Hauptstadt Prag etwas anderes vor. Klinger studierte Biophysik, ist Musiker und seit seiner Kindheit Entwickler. Konečný arbeitete mehr als zehn Jahre in einem globalen IT-Unternehmen, ehe er entschied, sein eigenes Projekt mit künstlicher Intelligenz zu verfolgen. „Wir haben zunächst an einigen meiner Ideen zur Datenkompression von Musik mit neuronalen Netzen gearbeitet“, sagt er.

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Beim Thema Audio sind die Gründer geblieben, doch die Musik haben sie hinter sich gelassen. „Wir bauen und trainieren Software, die Audiosignale versteht“, sagt Konečný. „Unsere Technologie analysiert Geräusche, die schwere Maschinen, Automotoren, Turbinen oder Klimaanlagen machen.“ Mikrofone in den Maschinen zeichnen pausenlos Geräusche auf, die über das Internet der Dinge übertragen werden. 

Software erkennt ungewöhnliche Geräusche

Die Software wird trainiert, um Anomalien oder bekannte Probleme zu erkennen. Dadurch sollen Fehler identifiziert werden, bevor tatsächlich Schäden auftreten. Die Algorithmen können direkt in die Maschinen integriert werden oder auf einem externen Computer laufen. „Schall und Vibration sind die effizienteste Art, mechanische Störungen zu erkennen“, so Konečný. Die Software lerne, wie sich Maschinen normalerweise anhören und welche Veränderungen mechanische Probleme vorhersagen. 

Die Gründer haben ihr Projekt im Prager Accelerator StartupYard weiterentwickelt sowie im Münchener Accelerator TechFounders, der von BMW, Bosch Miele und anderen Konzernen unterstützt wird.

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Das Unternehmen gibt die Zahl seiner Kunden mit 100 an. Neuron Soundware stattet etwa Fahrtreppen in Bahnhöfen der Deutschen Bahn mit Mikrofonen aus und analysiert den Schall des Antriebsmotors. Das Unternehmen gab 2016 eine Kooperation mit Siemens bekannt. Ihre Soft- und Hardware untersucht den Zustand von Antrieben. Hier kann eine kleine Störung schnell zum Ausfall ganzer Züge führen. Im selben Jahr wurden die Gründer eingeladen, dem Airbus Innovation Lab beizutreten.

Im Juni 2017 hat das Startup eine Seedrunde mit dem Prager Wagniskapitalunternehmen J&T Ventures über 600.000 Euro abgeschlossen. Eine A-Runde ist für das Jahr 2018 geplant.

Bild: Neuron Soundware

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