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Das hat der Moia-Chef mit der neuen VW-Marke vor

Ole Harms (41) ist CEO bei der neuen Volkswagen-Tochter Moia.

Was die neue Marke Moia bringen soll, ließ Volkswagen bislang bewusst im Vagen. Im Interview gibt Chef Ole Harms erstmals einen Einblick in seine Pläne.

Nach langer Geheimhaltung präsentierte Volkswagen vor zwei Woche seine 13. Konzern-Marke. Der neuen Mobilitäts-Plattform Moia soll in den kommenden zwei Jahren eine dreistellige Millionensumme für Investitionen in Mobilitäts-Angebote zur Verfügung gestellt werden. Doch abgesehen von der Zusammenarbeit mit dem israelischen Taxivermittler und Logistikdienstleister Gett, an dem sich VW mit 300 Millionen Dollar beteiligte, ist bisher wenig über künftige Partnerschaften und Produktentwicklungen bekannt gegeben worden.

Im Gespräch mit NGIN Mobility äußert sich der neue Moia-Chef Ole Harms nun erstmals konkreter zu den Plänen von Moia – und erklärt die Strategie fürs kommende Jahr. Harms ist seit über acht Jahren im Konzern tätig und startete in Wolfsburg als Senior Adviser. In Berlin und Hamburg führt er nun das neue Unternehmen mit 50 Mitarbeitern an.

Update vom 03.01.2017: In einem Interview mit dem Weser Kurier hat Moia-Chef Ole Harms nun weitere Details zur neuen Mobiltäts-Plattform genannt. Demnach befinde sich die VW-Tochter bereits mit 200 Städten in Gesprächen, um gemeinsam einen Mobilitäts-Service aufzubauen. „Wir reden nicht nur über Millionenstädte, sondern wir wollen auch in kleineren Großstädten präsent sein“, so Harms. Seit dem Launch seien 20 Städte aus der ganzen Welt auf Moia zugegangen, heißt es. Bis 2020 soll das Angebot auf 40 Städte ausgerollt werden und einen Milliarden-Umsatz einbringen, schätzt der Chef. Durch den geplanten Shuttle-Service könne zudem eine vierstellige Zahl von Fahrern in den Großstädten beschäftigt werden, sagt Harms im Interview. In Europa werde es sich dabei ausschließlich um lizensierte Fahrer handeln.

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Bei der offiziellen Bekanntgabe der neuen VW-Marke hieß es, der Hauptsitz von Moia sei in Berlin. Warum unterhalten wir uns heute hier in Wolfsburg?

Das hat rein operative Gründe: Ich habe die Gründung von Moia in Doppelfunktion zu meinem bisherigen Job als Bereichsleiter von New Business & Mobility im Volkswagen Konzern vorangetrieben. Diese Aufgabe übergebe ich aber gerade an meinen Nachfolger und bin ab Januar 2017 zu hundert Prozent bei Moia. Einige unserer Mitarbeiter arbeiten jedoch schon in Berlin in einem Co-Working-Space. Das war für uns wichtig, um schnell zu starten und schon mal ein Netzwerk aufzubauen. Wir hatten dort bereits die ersten Termine mit potenziellen Partnern und Startups. Parallel sind wir gerade dabei, unser finales Office auszuwählen.

Es gibt eine weitere Niederlassung in Hamburg. Warum?

Hamburg ist interessant, weil die Stadtverwaltung dort sehr offen für neue Transportlösungen ist. Mit der Hansestadt sind wir deshalb als Volkswagen Konzern auch eine Mobilitätspartnerschaft eingegangen. Wir schauen gerade, ob wir unsere Moia-Services als erstes in Hamburg starten. Wir führen aber auch mit anderen Stadtverwaltungen und Verkehrsbetrieben Gespräche und möchten zum Beispiel auch in Berlin unser Mobilitätsangebot aufbauen. Der angebotene Service wird dann aber von Stadt zu Stadt unterschiedlich aussehen.

Dass es sich um einen Shuttle-Service handeln wird, habt Ihr bereits angekündigt. Wie soll der aber konkret aussehen?

Im Grunde geht es darum, Leute auf ähnlichen Routen zusammen zu bringen. Der Service muss verlässlich sein und „on-demand“, also auf Abruf nutzbar sein. Das heißt: Nicht zu festen Zeiten an der Bushaltestelle warten zu müssen, sondern über die App den nächsten Haltepunkt eines Shuttles von einer passenden Route angezeigt zu bekommen. Das sollte natürlich in der Nähe des eigenen Standorts sein. Man steigt zu und nimmt weitere Leute unterwegs mit. Durch das Pooling sollen Preise wie beim öffentlichen Nahverkehr möglich sein. Damit kommt eine unserer Visionen von Mobilität wirklich auf die Straße.

Das dänische Startup Spiri wird 2017 in Berlin mit einem ähnlichen Konzept starten. Wie kann man sich den Moia-Shuttle genau vorstellen, wird es auch ein Viersitzer?

Nein. Wir arbeiten an Fahrzeugen, die speziell für den Einsatzzweck als Shuttle konzipiert sind. Es wird aber auch kein kleiner Bus sein. Sondern etwas, das gut in die städtische Infrastruktur passt und auch flexible Routen abfahren kann. Die Fahrzeuge sollen vom Äußeren als auch von der Innenausstattung ansprechend und vertrauenserweckend sein. Uns geht es auch darum, wie der Mitfahrer hier zusteigt, darin sitzt und was er darin machen kann. Mehr kann ich derzeit aber nicht dazu sagen. Wir werden im nächsten Jahr einen ersten Ausblick zeigen.

Also lässt Moia der Konkurrenz erst einmal den Vortritt?

Wir können aktuell keinen genaueren Zeitraum angeben.

Moia präsentiert sich als Mobilitäts-Plattform. Bisher ist aber nur die Partnerschaft mit Gett offiziell. Wer sind die anderen Partner?

Man muss einmal verstehen, dass wir mehrere Ebenen von Partnerschaften haben. Wir gehen zwei unterschiedliche Geschäftsgebiete parallel an: Zum einen sind es On-Demand Shuttle- und Pooling-Services, die wir komplett selbst entwickeln. Diese bauen wir mit unseren eigenen Algorithmen auf. Hier sind unsere Partner hauptsächlich Städte und die öffentlichen Verkehrsbetriebe. Auf der anderen Seite ist unsere globale Aufstellung als Ridehailing-Anbieter, was wir zum Beispiel zusammen mit Gett entwickeln. Die Investition in das israelische Startup war der erste Schritt. Wir haben eine sehr enge Verflechtung und wir unterstützen sie bei der Expansion – der Fokus ist derzeit Europa. Fakt ist aber: Wir wollen mit Moia auch in die USA, perspektivisch nach Südamerika und auch unsere Kollegen in China unterstützen. Da werden wir im neuen Jahr weitere Partnerschaften bekannt geben, sobald die Deals geclosed sind.

Wird der Ridehailer Gett wie zuvor angekündigt in der ersten Jahreshälfte 2017 in Deutschland starten?

Nein. Gett wird in Deutschland aller Voraussicht nach nicht in der ersten Jahreshälfte starten. Was wir uns gerade mit Gett zusammen anschauen, ist die Absicherung der bestehenden Standorte wie zum Beispiel in Großbritannien und Russland. Parallel schauen wir aber auch, welche Märkte für die Expansion geeignet sind. Im Moment haben wir Frankreich und Spanien im Fokus.

Warum nicht in Deutschland?

Im ersten Schritt schauen wir uns die Marktreife und die entsprechende Regulierung des Landes an. Am Ende ist dann natürlich auch das Umsatz- und Ergebnispotenzial entscheidend. Da sind Frankreich und Spanien derzeit vielversprechender, zumal wir in Deutschland erst mit unseren eigenen Shuttle-Services starten wollen. Sollte sich die Möglichkeit bieten, einen Service von Gett in einer deutschen Stadt aufzubauen, dann machen wir das natürlich auch. Doch strategisch gehen wir erst einmal Frankreich und Spanien an.

Viele Corporates aus der Automobilbranche schauen sich die Konzepte von Startups an und bringen dann eigene Ausgründungen mit nahezu identischen Geschäftsmodellen auf den Markt. Wie wird Moia vorgehen?

Die Basis solcher Ideen ist immer ein Fahrzeug – und die Vermittlung läuft technologiebasiert. Aber da muss ich fairer Weise sagen, dass die Entwicklung massiv von Tech-Unternehmen vorangetrieben wird. Wir verfolgen mit Moia bewusst eine Buy-and-Build-Strategie, das heißt wir kaufen auch dazu – das können Ridesharing-Anbieter sein, aber auch Technologie-Unternehmen. Denn wir wollen relativ schnell eine signifikante Größe erreichen, um unsere Vision von einer alternativen Mobilität in Städten umzusetzen. Das bietet auch die Chance, das Vorhandene zu nutzen und nicht nochmal alles neu erfinden zu müssen. Wir wollen ja gerade die beiden Welten aus Corporate und Startup zusammen führen. Der Endverbraucher sieht später nur noch den Service über die Moia-App, den er darüber buchen kann. Im Hintergrund kümmern wir uns um das Flotten-Management, also um die richtigen Fahrzeuge für das Sharing-Konzept und um deren effizientesten Einsatz.

Wird es also eine Moia-App geben, die alle Mobilitäts-Lösungen vereint?

Nein, wir denken nicht an eine multimodale Plattform. Unseren Service muss man sich so vorstellen: Aus der App heraus lässt sich eine Fahrt individualisiert buchen und festlegen, je nach Situation und persönlichen Präferenzen. So möchte man beispielsweise abends nach einem Dinner mit seiner Frau ein eigenes Fahrzeug für die Fahrt nach Hause buchen, den Weg zur Arbeit am nächsten Tag aber aus Kostengründen mit anderen nach dem Pooling-Konzept teilen. Es gibt unterschiedliche Konzepte, die wir sukzessive angehen wollen. Wir werden aber nicht 17 verschiedene Mobilitätsangebote gleichzeitig entwickeln und in einer Plattform konsolidieren. Es wird eine Moia-App geben, über die sich Shuttle-Fahrten buchen lassen. Das Angebot von Gett wird aber beispielsweise separat bleiben.

Im Video-Interview erklärt Ole Harms, welche Kriterien Startups für ein Investment mitbringen sollten und wie die offene Plattform von Moia aussehen wird:

Bild: Volkswagen / Moia; der Artikel wurde nachträglich angepasst und erschien zuerst am 20.12.2016.

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