Wie aus Omas Bulli eine Startup-Idee wurde

Während ihres Studiums teilten sich die Freunde einen Bulli – und sahen darin ein Geschäftsmodell. Mittlerweile haben sie einen Fuhrpark mit 150 Fahrzeugen.

Als Studenten teilten sie sich einen gebrauchten VW T4, ein Erbstück von der Oma. Unter den Dresdner Freunden wurde der Bulli hin und her gereicht. Umzug, Urlaub, Ausflug oder für den Einkauf bei Ikea – der grüne Bus war im Dauereinsatz.

Weil sie immer mehr Anfragen für das Fahrzeug bekamen, entschlossen sich die vier, weitere Fahrzeuge zu kaufen. Der Grundstein für ihr Unternehmen legten sie im Jahr 2013 und gründeten die GmbH BSMRG. Ihr erstes Produkt: „Carl und Carla“, eine Autovermietung für Transporter und Kleinbusse.

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Mittlerweile haben die vier ihr Studium abgeschlossen. Und aus dem privaten Carsharing ist eine Flotte von knapp 150 Fahrzeugen geworden. Carl heißt der Transporter, Carla der Neunsitzer, der über die gleichnamige Webseite ausgeliehen werden kann.

Schlüsselloses Aufschließen per App oder Code

Das Ausleihen des Fahrzeuges soll möglichst einfach sein, erklärt Mitgründer Richard Vetter. „Bei uns kann jeder Kunde den Prozess komplett digital abwickeln“, sagt er im Gespräch mit NGIN Mobility. Die Fahrzeuge lassen sich über die gleichnamige Website buchen: Kunden geben ihre Daten und Führerscheinnummer an und erhalten einen Verifizierungscode, mit dem sich der Transporter aufschließen lässt. „Oder der Kunde lädt sich die App herunter, um darüber das Fahrzeug zu öffnen“, ergänzt Vetter. Verfügbar sind Carls und Carlas mittlerweile in sieben deutschen Städten: Berlin, Chemnitz, Dresden, Halle, Leipzig, Mannheim und Stuttgart. Carl kostet für einen halben Tag 29 Euro, Carla 39 Euro. Knapp 40.000 Vermietungen haben die Gründer nach eigenen Angaben bisher abgewickelt.

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Auf eine schlüssellose Übergabe setzen auch andere Autovermietungen für Pkw, darunter das aus DHDL bekannte Startup Getaway und das ursprünglich aus Frankreich stammende Drivy, ein Dienst für privates Carsharing.

Nicht überall betreibt das Dresdner Startup seinen Service selbst. „In vier Städten setzten wir auf ein Franchise-Konzept“, so Vetter. Dort arbeiten die Gründer mit Selbstständigen zusammen, die einen Teil ihrer Einnahmen an das Startup abgeben. Wie viel genau, wollen sie nicht verraten.  
Finanziert hat sich das Startup bisher überwiegend aus eigener Tasche. Im Jahr 2013 haben drei der Gründer zudem ein einjähriges Stipendium von der Sächsischen Förderbank erhalten, mit dem sie ein Jahr lang ihren Lebensunterhalt betreiten konnten.

Das Erbstück ist nun Gartenlaube

15.000 Euro flossen außerdem von VW in das Startup. Seit August dieses Jahres ist die Plattform mit einem neuen Projekt Teil des VW Inkubators. Hier entwickelt das Team das Konzept Corporate Carsharing. „Unternehmen, die bei uns über den Zeitraum von einem Monat oder länger einen Transporter mieten, können diesen zu Zeiten, an denen sie das Fahrzeug nicht brauchen, an andere weiter vermieten“, erklärt Vetter. Das soll den Mietern Kosten ersparen. Ein Beispiel: Wer über einen Zeitraum von vier Wochen für 400 Euro einen Transporter mietet und diese am Wochenende anderen zur Verfügung stellt, kann insgesamt 120 Euro sparen.

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Für die Zukunft haben die Gründer große Pläne: Mit ihrem Konzept wollen sie in alle deutschen Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern expandieren, etwa 40 Stück insgesamt. Ein Wermutstropfen: Der grüne Bulli, mit dem alles anfing, fährt nicht mehr. Kurz nach der Gründung war er in einen Unfall von einem Mieter verwickelt: Totalschaden. Heute dient er einem Freund der Gründer als Gartenlaube. Mit seinem Grün mache er sich gut zwischen Radieschen und Zucchinibeet, so Mitgründer Vetter.

Bild: Carl und Carla; Video: Jana Kugoth und Marco Weimer

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