Die Firma, die Autos das Sehen beibringt

Die Autozulieferer der Zukunft bauen Software. Rund 25 Hersteller setzen inzwischen auf Systeme von Mobileye aus Israel.

Der Chef und Mitgründer von Mobileye ist besessen von einer Idee. Amnon Shashua träumt schon sein halbes Leben davon, Maschinen das Sehen beizubringen. Richtiges Sehen. So wie Menschen das machen. Also nicht das einfache Scannen von Pixeln, sondern das blitzartige Zusammensetzen und Interpretieren von Bildern, Aktivivitäten, Situationen und Umgebungen.

Folge NGIN Mobility auf Facebook!

Dass so eine Maschine zum Beispiel ein Auto sein könnte, war dem Professor an der Hebrew University von Jerusalem noch nicht klar, als er seine Forschungen begann. Auf dem Weg zu den selbstfahrenden Autos der Zukunft sind die Hersteller darauf angewiesen, ihren Gefährten beizubringen, die Umgebung zu erkennen und zu verstehen. Fußgänger, Bäume, andere Autos – alles ist in Bewegung und muss beobachtet werden, um sicher durch den Verkehr zu steuern. Der Mensch hinter dem Steuer bewältigt das mit Erfahrung und seinem Gehirn, das in Millionen von Jahren gelernt hat, sich ein vollständiges Bild aus Einzelinformationen zusammenzusetzen. Für einen Chip im Auto ist das viel schwieriger. Wer wäre geeigneter als Shashua, um es ihm beizubringen?

Autobauer sind auf Mobileye angewiesen

Der 55-jährige Professor gründete wie viele seiner Kollegen und Studenten in Israel ein Startup, als er merkte, dass mit seinem Spezialwissen Geld zu verdienen ist. Und sein Know-how wird dringend benötigt, denn Mobileye befasst sich mit Sicherheits- und Assistenzsystemen für Autos. Bereits seit 2007 bauen fast alle großen Autofirmen die Produkte seiner Firma in ihre Produkte ein. Wer schon mal mit einem Auto mit eingebautem Fahrassistenzsystem gefahren ist, weiß, was Mobileye leistet. Das Spurhaltesystem hält den Kurs, die Geschwindigkeit wird vom Tempomaten geregelt, der auch dafür sorgt, dass man dem Vordermann nicht zu nahe kommt. Dazu noch die Einparkhilfe und Alarm oder eine automatische Vollbremsung, wenn eine knifflige Situation droht. Das alles zusammen fühlt sich auch bei neuen Autos aus Deutschland schon fast wie autonomes Fahren an.

Intel übernahm das Startup – für 15,3 Milliarden

Anzeige
Die Software von Mobileye muss dafür eine Menge lernen. In Sri Lanka sitzt ein Team von 500 Menschen, das dem Algorithmus zeigt, was einen Fußgänger von einem Baum unterscheidet. Je mehr Beispiele die Software lernt, desto besser kann sie in Zukunft auf die Umgebung reagieren und die richtigen Entscheidungen treffen. Meistens besser als ein Mensch. Mobileye ist einer der neuen Autozulieferer, die deutschen Firmen den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Der israelische Konkurrent hat mit seinem rekordverdächtigen Börsengang im Jahr 2014 gezeigt, wo in Zukunft das Geld zu verdienen ist. Warum kaufen die großen deutschen Autofirmen ihre Sicherheitssoftware in Israel und nicht in Deutschland? Vor einigen Monaten wurde Mobileye für 15,3 Milliarden Dollar vom Chiphersteller Intel übernommen. Milliarden! Sie haben richtig gelesen.

 

Dieser Text erschien zuerst im neuen NGIN-Mobility-Printheft. Hier geht es zum Magazin!

Bild: Mobileye / CHRISTOF STACHE
Grafik: Michel Penke

Folge NGIN Mobility auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain