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Stiehlt das neue DHL-Startup der Post die Kunden?

Saloodo-Chef Amadou Diallo

Saloodo ist das neue Logistik-Startup der DHL. Der Konzern will damit wachsen, hat aber ein Problem: Saloodo-Chef Diallo über die Kanibalisierung des eigenen Geschäfts.

Im Januar wagte sich die DHL mit einer digitalen Fracht-Vermittlungsbörse an den Markt. Saloodo soll leere Lkw und Kunden mit transportbereiten Gütern zusammenbringen. Das bieten in ähnlicher Form bereits Startups wie Flexport, Uber Freight, uShip und Freighthub zu Wasser und zu Land an. Der große Logistik-Konzern DHL lief Gefahr, künftig Marktanteile zu verlieren. Saloodo soll nun die Antwort auf die kleine, aber innovative Konkurrenz sein. Doch die Plattform vermittelt Transport-Fahrten nicht nur an den Mutterkonzern DHL. Auch fremde Unternehmen können sich auf Saloodo bewerben und Aufträge an Land ziehen. Im Interview erklärt der Startup-Gründer Amadou Diallo, ob Saloodo dem Mutterkonzern damit nicht schadet und Kunden stiehlt. 

Herr Diallo, wofür steht der Name Saloodo?

Wir besitzen den Namen schon seit zehn Jahren und haben ihn jetzt reaktiviert. Saloodo klingt so ähnlich wie die französische Begrüßung Salut, das italienische Salute oder das spanische Saludo. Er ist also auch in verschiedenen Ländern verständlich.

Der Service von Saloodo soll sich an ein internationales Publikum wenden?

Wir haben im Januar in Deutschland angefangen und sind mittlerweile in siebzehn Ländern unterwegs. Die Plattform ist auf kleinere und mittlere Unternehmen ausgerichtet, die Waren von Deutschland in andere europäische Länder oder von dort hierher transportieren wollen. Später soll der Transport auch zwischen anderen Ländern möglich sein.

Unternehmen, die Waren von A nach B verschicken wollen, sollen über Saloodo Lkw-Fahrten buchen können. Wie genau funktioniert das?

Unsere Plattform dient nicht nur dem Matchmaking. Bevor Transportunternehmen Saloodo nutzen können, überprüfen wir ihre Qualität und Zuverlässigkeit. Erst nach erfolgreicher Prüfung werden sie auf unserer Plattform freigeschaltet. Außerdem bieten wir die ganze Abwicklung des Auftrags bis zur Zahlung und Ablieferungsnachweisen an. Damit ist die gesamte Transportkette digital dokumentiert.

Die DHL, die hinter uns steht, stellt sicher, dass wir auch immer ein Transport-Angebot präsentieren können – auch wenn kein gelistetes Unternehmen interessiert ist. Wenn Sie nur ein kleines Startup sind, das keinen Konzern dahinter hat, dann haben Sie diese Sicherheit nicht.

Das heißt, die DHL stellt selbst Lieferkapazitäten zur Verfügung?

Es gibt rund 4.900 Transportunternehmen, die Angebote bei Saloodo machen und die alle untereinander konkurrieren. Eines davon ist auch die DHL.

Warentransport ist das Geschäft der DHL. Stiehlt Saloodo seinem Mutterkonzern damit nicht Kunden, wenn es Fahrten an fremde Unternehmen vermittelt?

Das Geschäftsmodell ist konkurrierend und ergänzend. Selbst große Unternehmen wie die DHL können nicht immer alle kleinen Orte bedienen. Deswegen ist Saloodo eine Wachstumsmöglichkeit für die DHL.

Der Markt ist sehr fragmentiert. Die großen Logistikunternehmen haben gerade einmal 3,5 Prozent Marktanteil. Es gibt also über 96 Prozent Marktanteil, den wir noch nicht bedienen. Wenn wir den restlichen Markt bedienen wollen, müssen wir leichter erreichbar sein.

Wie soll sich Saloodo finanzieren?

Die Anmeldung ist für Versender und Spediteure kostenlos. Allerdings werden bei durchgeführtem Transport Transaktionsgebühren fällig, die abhängig sind von den Frachtkosten. Saloodo nimmt bei jedem gebuchten Versand eine Provision. Die Höhe der Provision hängt von der Menge und Größe der Sendung ab. Derzeit arbeiten über 50 Leute für uns. Und ein Hund, der Toby.

Saloodo ist nicht der erste Anbieter auf dem Markt. Gefühlt kommt derzeit jede Woche ein neuer Transportvermittler hinzu. Warum steigt die DHL jetzt in den Markt ein?

Es gibt eine große Anzahl an kleinen und mittelständischen Unternehmen, die keine eigene Logistikabteilung haben. Wir wollten eine Plattform schaffen, über die diese Firmen unseren Service digital abfragen können. Hinzu kommt, dass es viele Subunternehmer im Logistikgewerbe gibt. 700.000 in Europa. Durch Saloodo haben wir nun eine Plattform, mit der wir diese sehr einfach, digital erreichen können.

Gegen wen positioniert sich die DHL mit Saloodo im Markt?

Ich kenne die Zahlen der Anderen nicht. Aber im Markt sind besonders noch Flexport und Instafreight aktiv.

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Was macht Saloodo anders als diese Anbieter?

Wir operieren in allen Ländern der Welt und wir haben über 200 Jahre Erfahrung im Transportgewerbe. Wir wissen, wie man Waren von Budapest nach Westfrankreich bringt. Wir vertrauen nicht nur auf mathematische Modelle und Algorithmen, wir haben auch Erfahrung. Saloodo ist für beide Seiten der Vertragspartner und bezahlt die Subunternehmer innerhalb von 14 Tagen. Das werden Sie bei anderen Portalen so nicht finden.

Bild: Saloodo

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