Der Wettlauf ums selbstfahrende Taxi

Mercedes, BMW und Tesla entwickeln autonome Autos, aber auch Google und Uber mischen mit. Die Tech- und Autobranche verfolgt ein langfristiges Ziel: Robotertaxis.

Manchmal muss doch noch der Sci-Fi-Vergleich herhalten. Denn ja, man kennt sie noch immer vor allem aus Filmen wie Minority Report, Das fünfte Element, Total Recall oder I, Robot: Autos, die eigenständig fahren, bei denen Passagiere nicht mehr eingreifen müssen, die sogar über dem Boden schweben oder durch die Luft fliegen. Gut, das letztgenannte Features ist wirklich noch eine reine Zukunftsvision, selbstfahrende Autos aber sind Realität.

Google arbeitet schon seit 2009 am autonomen Fahrzeug, im August 2013 schickte Mercedes-Benz eine modifizierte S-Klasse auf die Autobahn. Und der Autopilot von Tesla macht seit einigen Monaten nicht nur gute Schlagzeilen. Zahlreiche Tech-Konzerne, Startups und klassische Automobilbauer investieren ins Thema Roboterautos. Was wollen Google, Tesla, Daimler und Co. damit erreichen? Unsere Kollegen von Wired geben einen Überblick.

Anzeige

Die Digitalisierung des Taxifahrer-Jobs

Neben mehr Fahrkomfort und Verkehrssicherheit haben die forschenden Unternehmen noch ein anderes Ziel vor Augen: die Disruption des Taxi-Marktes. Die klassische Kombination aus Taxizentrale und Fahrer soll durch technologische Lösungen obsolet werden.

Der Google-Mutterkonzern Alphabet bestätigte schon im vergangenen Jahr, dass er seine autonomen Fahrzeuge als Taxis einsetzen will. Das führte zu Unstimmigkeiten mit Uber, an dem Google beteiligt ist, denn der Fahrdienst-Vermittler arbeitet selbst an autonomen Autos. Aus der Idee wurde mittlerweile Realität: In der US-Stadt Pittsburgh sind die ersten Prototypen unterwegs.

uber_prototyp

Dieser Prototyp von Ubers selbstfahrendem Auto wird derzeit in Pittsburgh getestet (Bild: Uber)

Doch im Gegensatz zu Google steht Uber noch ziemlich am Anfang. Deswegen schaut sich der Mitfahrdienst parallel nach Alternativen zum selbst entwickelten Fahrzeug um: Das derzeit mit rund 50 Milliarden Dollar bewertete Unternehmen plant einen Mega-Deal mit Daimler. Sollte dieser zustande kommen, würde Uber mehr als 100.000 autonom fahrende Mercedes S-Klassen ordern, um damit eine eigene Taxi-Flotte aufzustellen. Das kann allerdings noch dauern: Die Selbstfahr-Technologie des Autobauers befindet sich noch in der Entwicklung, sie soll frühestens 2020 fertig sein.

General Motors investiert in eine mögliche Zukunft

Große Investitionen und Kooperationen gibt es auch an anderer Stelle. General Motors (GM) gab im Januar 2016 bekannt, dass man eine halbe Milliarde Dollar in den Uber-Konkurrenten Lyft investieren wolle. Ziel der GM-Geldspritze: innerhalb eines Jahres die ersten Robotertaxis in einer Stadt testen. Möglicherweise wird noch 2016 die erste Flotte autonomer Chevrolet Volt unter Lyft-Flagge durch Detroit rollen.

Der Deal könnte die Basis einer größeren, internationalen Allianz sein: Weil Lyft mit Taxi-Vermittlern in Indien und anderen asiatischen Ländern kooperiert, würde GM ebenfalls davon profitieren, seine autonomen Autos dort an den Mann bringen zu können. Wobei in Fernost eventuell ein Konkurrent gegenschießt: Baidu. Der chinesische Suchmaschinen-Konzern denkt ebenfalls über einen Taxi-Dienst mit selbstfahrenden Autos nach. Schon Ende 2015 testete Baidu einen fahrerlosen BMW im Verkehr von Peking.

tesla-autopilot

Tesla bietet für seine Modelle Autopilot-Funktionen an – nach einem tödlichen Unfall stehen diese in der Kritik (Bild: Tesla).

Und dann wäre da noch ein Mitbewerber, den man keinesfalls unterschätzen sollte: Elons Musks Unternehmen Tesla. Die Kalifornier produzieren nicht nur seit einigen Jahren erfolgreich Elektroautos, sie haben auch schon ein System für das mitdenkende Fahrzeug im Einsatz. Dieses soll noch besser werden, wie Tesla kürzlich in seinem öffentlich nachlesbaren zweiten Masterplan unterstrich. Musk will dabei der gleichen Vision folgen wie seine Wettbewerber: Die Tesla-Modelle von morgen sollen auch als Taxi-Ersatz fungieren – und könnten den Besitzern Geld einbringen: Benötigt man seinen Tesla nicht, fährt das Auto selbständig los, um von anderen als Taxi oder Mietwagen genutzt zu werden.

Was hat Apple vor?

Dass man sich auch im Apple-Hauptquartier in Cupertino mit Autos als zukünftigem Geschäftsmodell beschäftigt, ist indes nicht verwunderlich. Elon Musk bezeichnet es als „offenes Geheimnis“, dass sein Konkurrent an einem eigenen Elektroauto arbeitet.

Dafür wurden zahlreiche Spezialisten angeheuert, die unter Topmanager Bob Mansfield am Project Titan arbeiten. Viel mehr ist allerdings nicht bekannt, Apple hält sich wie so oft sehr bedeckt. Es wird spekuliert, dass der iPhone-Konzern ebenfalls auf ein Fahrzeug hinarbeitet, das autonom fahren kann. Laut The Information ist jedoch nicht vor 2021 mit dem Apple Car zu rechnen. Andererseits ist es auch möglich, dass Apple lediglich Software und andere Technologien für den Automarkt der Zukunft liefern will. Mit dem ehemaligen BlackBerry-Chef Dan Dodge hat man zuletzt einen Betriebssystem-Experten angeheuert.

Wohin genau es gehen soll, hat Apple-Chef Tim Cook noch nicht verraten. Aber auch er dürfte den Taxi-Markt fest im Blick haben. Ein Hinweis darauf: Apple hat sich mit einer Milliarde Dollar in den chinesischen Uber-Konkurrenten Didi Chuxing eingekauft.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Wired.de.

BILD: BMW

Folge NGIN Mobility auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain